Review: Spider-Man: Far From Home

Am 4. Juli wird mit Spider-Man: Far From Home die dritte Phase des Marvel Cinematic Universe (MCU) beendet. Viele hatten erwartet, dass er die vierte Phase einläutet, aber wie Mastermind Kevin Feige erklärte, musste erst noch der Handlungsstrang  von Peter Parker/Spider-Man (Tom Holland) zu einem gewissen Punkt gebracht werden. Das epische Ausmaß von Endgame wird sicherlich niemand erwarten, aber liefert Far From Home perfektes Blockbuster Sommerkino?

Nach den Ereignissen von Avengers: Endgame muss Spider-Man mehr Verantwortung übernehmen, aber was Peter Parker wirklich braucht ist Urlaub. Da kommt der Schulausflug nach Europa wie gerufen. Einfach mal raus aus dem Superheldenalltag und MJ (Zendaya) seine Gefühle gestehen, mehr will er gar nicht. Aber dann tauchen neue Bedrohungen und der geheimnisvolle Mysterio (Jake Gyllenhaal) auf.

Endgame war heftig, davon musste man sich erstmal erholen. Spider-Man: Far From Home kommt ungleich leichter daher. Natürlich werfen die Ereignisse aus Endgame einen langen Schatten, aber wie die Eröffnungssequenz deutlich macht, ist der Ton hier deutlich lockerer. Manchmal wirkt er etwas bemüht witziger als Spider-Man: Homecoming, aber angesichts des insgesamt hohen Unterhaltungswerts darf auch mal ein Witz flach fallen. Die Einleitung dient übrigens auch als gute Zusammenfassung für alle, die Endgame noch nicht gesehen haben. Apropos Vorkenntnisse: Far From Home funktioniert wunderbar, selbst wenn man weder Endgame noch Homecoming gesehen hat. Man kann also getrost uninteressierte Partner oder interessierte Neulinge mit ins Kino nehmen.

Far From Home ist ein weiteres Beispiel für das sensationell gute Casting des MCU. So wie man sich niemand anderen als Robert Downey Jr. als Iron Man vorstellen kann, so ist Tom Holland einfach der perfekte Spider-Man. Überzeugend als Teenager und mit der perfekten körperlichen Akrobatik als Spider-Man, er allein lohnt schon den Gang ins Kino. Aber der Film bietet noch mehr: Jake Gyllenhaal gibt alles als Mysterio, ohne dass einem das Goldfischglas auf seinem Kopf albern vorkommt. Dazu bekommt Publikumsliebling Happy (John Favreau) mehr Zeit, der entstaubte Nick Fury (Samuel L. Jackson) darf nicht fehlen und dann gibt es natürlich noch MJ (Zendaya) und Peters Sidekick Ned (Jacob Batalon), der wieder für viel Unterhaltung sorgt.

Die Action kann sich wie erwartet sehen lassen. Lässt man mal das übliche Gezänk der Fraktionen zu wenig bzw zu viel Aktion beiseite, muss man anerkennen, dass Regisseur Jon Watts alles aus Spider-Mans akrobatischen Fähigkeiten rausholt und das macht einfach Spaß. Dazu kommen wirklich tolle Effekte, wobei es vielleicht noch cooler gewesen wäre, wenn die Elementals (die Kreaturen im Trailer) keine Gesichter gehabt hätten. Ohne zu Spoilern darf man auch sagen, dass Far From Home mit einer sehr abgefahrenen, sehr gut gemachten Sequenz aufwartet, die der trippy Szene in Doctor Strange in nichts nachsteht.

Als Europäer kommt man leider nicht umhin, Far From Home einen Punkt für die ausgelutschte Klischeeversion von Europa abzuziehen. Es gibt es wirklich genügend andere touristische Highlights als die Tower Bridge, es gibt in Holland auch ein paar Quadratmeter ohne Tulpen und dann diese Fußballfans… angesichts der Tatsache, dass die Filme ein Schweinegeld außerhalb der USA einspielen, wäre es vielleicht mal an der Zeit, am Bild von Europa etwas zu arbeiten. Es gibt so viel, was man malerisch der Zerstörung aussetzen könnte. Keinen Punktabzug (dank der visuellen Umsetzung), aber erwähnenswert: konnte Homecoming noch mit einem ordentlichen Twist punkten, ist er hier ziemlich vorhersehbar.

Fazit

Spider-Man: Far From Home (FSK ab 12) liefert 129 unterhaltsame Minuten mit tollen Schauspielern, coolen Effekten und knackiger Action. Der Humor funktioniert meistens und der Film findet den richtigen Ton als unmittelbarer Nachfolger von Avengers: Endgame. Leider ist der Schauplatz Europa ziemlich ausgelutscht, zumindest wenn man schon ein paar Filme in seinem Leben gesehen hat, aber dafür kann man auch ohne Vorwissen ins Kino gehen und Spaß haben. Wem der Sommer zu heiß ist, der sollte definitiv ins Kino und bei Spider-Man: Far From Home gibt es neben der Klimaanlage auch noch kurzweilige Unterhaltung dazu!

Wichtig: es gibt zwei Post-Credits Szenen! Sie lohnen das Sitzenbleiben definitiv, vor allem, wenn man die vorherigen Filme gesehen hat.

8
Kurzweilig

Pros

  • Die Schauspieler
  • Action & Effekte
  • Eröffnungssequenz
  • Beide Post-Credits Szenen

Kontras

  • Klischee Europa
  • Humor trifft nicht immer

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8