Review: Das krumme Haus

Agatha Christie nannte Das krumme Haus (OT: The Crooked House), welches 1949 erschien, eines ihrer Lieblingsbücher. Es ist kein Poirot oder Miss Marple Krimi, aber es ist in vieler Hinsicht eines ihrer interessantesten Werke. Am 29. November bringt Hollywood nun die gleichnamige Verfilmung in die Kinos. Eine spannende Adaption oder ein Stich ins Christie-Fan-Herz?

Der ehemalige Diplomat Charles Hayward (Max Irons) kehrt von Kairo nach London zurück, wo er als Privatdetektiv arbeitet. Die Auftragslage sieht gerade düster aus, als seine ehemalige Geliebte Sophia (Stefanie Martini) mit einem heiklen Auftrag auftaucht. Ihr Großvater, Aristide Leonides, ein reicher und skrupelloser Tycoon, wurde in seinem Bett vergiftet aufgefunden. Es kann eigentlich nur jemand aus der Familie gewesen sein – idealerweise seine zweite und wesentlich jüngere Ehefrau (Christina Hendricks), aber auch Sophia ist eine der Hauptverdächtigen.

Das krumme Haus ist ein opulenter Ausstattungsfilm, der in Sachen Optik von allem reichlich bietet: von wunderschönen Kostümen über polierte Oldtimer bis zum obligatorischen englischen Landsitz, bei dem sich die Innenausstatter mal so richtig ausleben durften. Was Regisseur Gilles Paquet-Brenner nicht bietet ist die Raffinesse der Vorlage, und was er aus den Schauspielern herausholt passt besser auf eine Bühne. Die Schauspieler, darunter immerhin Glenn Close, Gillian Anderson (mit fürchterlicher Perücke) und Christina Hendricks (Mad Men), spielen für die Galerie und irgendwie passt das zum Gesamtbild eines Films, der sich auch gut zu den Feiertagen im TV machen würde.

Wer die Vorlage kennt und gar liebt, der hat zwei Optionen: 1) in einen anderen Film gehen oder 2) tief durchatmen und sich für 115 Minuten locker machen. Natürlich muss man für das Kino Veränderungen an der Vorlage durchführen, beispielsweise kann man heutzutage kein wirklich hässliches Kind als Josephine besetzen, aber manche Entscheidungen sind nicht unbedingt effektiv, z.B. ist Charles Vater im Film verstorben und schwebt jetzt quasi bedeutungsvoll über dem Sohn, der nicht in dessen Fußstapfen getreten ist. Schlimmer noch ist, dass der psychologische Aspekt im Ausstattungsreigen fast zur Nebensache wird und nicht zuletzt darunter die Spannung leidet.

Fazit

Wer gelesen hat, ist hier eindeutig im Nachteil. Das krumme Haus kommt nicht an Agatha Christies Vorlage ran. Wer allerdings opulente Ausstattungsfilme mit ein bisschen Spannung liebt, der kann durchaus unterhalten werden, besonders wenn man sich auch gerne mal ein Bühnenstück ansieht. Schade trotzdem, dass aus einem von Christies psychologisch interessantes Whodunnits ein Mord Light geworden ist.

FSK: ab 12 freigegeben, mit Prädikat: Besonders wertvoll – warum auch immer.

4
Christie Gemordet

Pros

  • Für Ausstattungs-Fans
  • Für Theater-Freunde

Kontras

  • Schwache Adaption
  • Überzogene Darstellungen
  • Psychologisch verschenkt

Unser Fazit


Handlung
4
Präsentation
4