Review: Verschwörung

Lisbeth Salander, die Kultfigur und Titelheldin der von Stieg Larsson geschaffenen und gefeierten Millennium-Reihe, kehrt in Verschwörung (OT: The Girl in the Spider’s Web), am 22. November, in die Kinos zurück. Dargestellt von einer neuen Schauspielerin (Claire Foy, The Crown) und in der Adaption von David Lagercrantz’ weltweiten und nicht allseits geliebten Bestsellers. Funktioniert das?

Als Lisbeth für Ex-NSA-Mitarbeiter Frans Balder (Stephen Merchant) sein eigenes Programm von den Amerikanern stiehlt, wird sie in ein dunkles und gewalttätiges Netz von Intrigen gezogen, dass sie mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Als hätte sie nicht schon alle Hände damit zu tun, selbst am Leben zu bleiben, muss sie sich plötzlich auch noch um Balders jungen Sohn kümmern. Hilfe bekommt Lisbeth von Mikael Blomkvist, der eine neue Story wittert.

Die gute Nachricht: Claire Foy ist grandios als Lisbeth Salander. Genauso wie Noomi Rapace und Rooney Mara, die immerhin eine Oscar Nominierung für Verblendung erhielt, vor ihr. Die schlechte Nachricht: Verschwörung ist Lisbeth Salander nicht würdig. Dieser soft reboot, für den man keine Geschichte von Stieg Larsson genommen hat, ist gleichzeitig Origins-Story und Neudefinition der Protagonistin. Salander ist jetzt vor allem eines: Action-Heldin, komplett mit schwarzem Lamborghini (weil man damit sicher nicht auffällt) und Logiklöchern.

Wenn man sich von der Erwartungshaltung eines Salander Thrillers löst, dann bekommt man 115 Minuten zwar konventionelle, aber flott inszenierte Action zu sehen. Das ist unterhaltsam, aber auch nichts besonderes. Das Schockierendste an der Origins Geschichte ist, wie wenig sie schockiert und wie vorhersehbar sie ist. Regisseur Fede Álvarez (Evil Dead, Don’t Breathe) hat es geschafft, dass eine an sich schreckliche Enthüllung einfach nur ärgerlich ist, weil sie potentiell die komplexe Figur auf ein einschneidendes Kindheitstraum reduziert – und weil sie so vorhersehbar ist, dass es schon fast keine Enthüllung mehr ist.

Wirklich schockierend ist, wie überflüssig Blomkvist hier ist. Da der Schauspieler gut aussieht, kann man seine Rolle als rein dekorativ bezeichnen. Würde man seine Figur rausschneiden, es würde nicht auffallen. Die Gewalt in dem Film ist auch nicht ohne (man kann aber immer rechtzeitig wegsehen) und so hat der Film die FSK ab 16 bekommen. Das Problem bei der Antagonistin ist, dass zwar die Backstory eine Erklärung liefert und den Eindruck von Komplexität erzeugen will, aber der Eindruck, dass sie einfach ein wirklich mieser Mensch ist, lässt sich nicht so recht ignorieren. Genauso wie die mangelnd subtile Symbolik ihres Outfits nervt. Die Schergen sind wie gewohnt eindimensional.

Fazit

Ein konventioneller Action-Film für eine ursprünglich komplexe, unkonventionelle Figur – Lisbeth Salander und die wieder einmal exzellente Claire Foy hätten wirklich mehr verdient. Als schnöder Action-Film ist Verschwörung okay, als Salander-Thriller verschenkt.

5
Verschenkt

Pros

  • Claire Foy
  • Reiner Action okay

Kontras

  • Zu konventionell
  • Origins Story
  • Blomkvist überflüssig
  • Vorhersehbar

Unser Fazit


Handlung
4
Präsentation
6