Review: Nur ein kleiner Gefallen

Wer sagt schon nein, wenn er um einen kleinen Gefallen gebeten wird? Anna Kendrick tut das ab dem 8. November in Nur ein kleiner Gefallen (OV: A Simple Favor) zumindest nicht. Sollte man es ihr nachtun und ins Kino gehen oder ist man mit einem freundlichen, aber bestimmt nein besser dran?

Ist es wirklich Freundschaft, welche die mäßig erfolgreiche Mom-Bloggerin Stephanie (Kendrick) und die extravagante Mode-PR-Chefin Emily (Blake Lively) miteinander verbindet oder braucht Emily nur eine kostenlose Babysitterin? Als sie Stephanie eines Tages bittet, ihren Sohn Nicky von der Schule abzuholen tut diese ihr diesen kleinen Gefallen sehr gerne. Doch Emily taucht nicht mehr auf. Als Stephanie, die sich mit Emilys Mann Sean (Henry Golding) um Nicky kümmert, ins Visier der Polizei gerät, versucht sie auf eigene Faust herauszufinden, was passiert ist.

Nachdem Regisseur Paul Feig (Brautalarm, Spy) für seine weiblichen Ghostbusters im Internet virtuell geteert und gefedert wurde (nicht von uns, unser Review hier), bringt er jetzt die Verfilmung des US-Bestsellers von Darcey Bell in die Kinos. Erneut mit starken weiblichen Hauptfiguren, nur diesmal ohne Melissa McCarthy. Nur ein kleiner Gefallen wird als stylischer Psycho-Thriller angepriesen, aber dafür ist die Story nicht düster genug. Die Grundidee schon, aber in der Ausführung hapert es. Zum einen kommt fast schon zu viel Humor durch, zum anderen lassen einen die Entwicklungen und Twists nicht unbedingt atemlos im Kinosessel um die Heldin bangen. Das Ende ist dann auch zu viel des Guten, der Film will und will einfach nicht aufhören – da hätte man an den 118 Minuten ruhig etwas kürzen können. Trotzdem, unterhaltsam ist das alles schon.

Der Film ist sehr, sehr stylisch. Inneneinrichtung, Garderobe – mehr Style geht nicht. Dazu dieser französische Soundtrack – très chic! Falls es Feigs Jugendraum war, Stylist der Stars zu werden, dann hat er sich hier so richtig ausgetobt. Man kann es ihm nicht verübeln, hat er mit Blake Lively doch eine Schauspielerin zur Hand, an der selbst ein verschnittener Designerlumpen todschick aussieht. Zum Glück kann sie auch schauspielern, denn sonst hätte selbst das stylischste Outfit nichts gebracht, spielt sie doch neben Anna Kendrick. Kendrick liefert wieder einmal eine starke Darstellung ab, diesmal als alleinerziehende Mama-Bloggerin, die auf Nancy Drew und Miss Marples Spuren wandelt. Die männlichen Figuren sind allesamt halb so interessant, werden aber ordentlich gespielt, u.a. von Henry Golding (Crazy Rich Asians).

Fazit

Das Plakat zu Nur ein kleiner Gefallen fasst es eigentlich zusammen: ein extrem stylischer Film mit zwei tollen Hauptdarstellerinnen. Als echter Psycho-Thriller ist er aber weder düster noch böse genug, dafür macht der Humor ihn unterhaltsam. Das Drehbuch setzt in Sachen Storyentwicklung keine neuen Spannungsmaßstäbe, liefert aber einen scharfen Blick auf die Konkurrenz zwischen arbeitenden Müttern und Hausfrauen. Nur ein kleiner Gefallen hätte kürzer und böser sein können, aber für einen unterhaltsamen Abend im Kino reicht es allemal.

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

6.5
Très chic

Pros

  • Soundtrack
  • Starke Hauptdarsteller
  • Amüsant

Kontras

  • Zu viel Ende
  • Fast zu stylish
  • Nicht düster/böse genug

Unser Fazit


Handlung
5
Präsentation
8