Review: Bohemian Rhapsody

Am 31. Oktober kommt Bohemian Rhapsody in die deutschen Kinos, an Halloween. Muss man jetzt Leichenfledderei erwarten? Ist der Film der Horror für die Fangemeinde oder ist der Film für Queen-Fans ein Highlight des Jahres, so wie ein gekonnter Grusel es für Halloween-Fans ist?

Bohemian Rhapsody erzählt die Geschichte von Queen, einer der legendärsten Rockgruppen aller Zeiten, von der Zeit als Freddie Mercury in den 70ern Brian May und Roger Taylor kennenlernte bis zu ihrem legendären Auftritt bei Live Aid. Wie sie zusammen mit John Deacon Hit über Hit produzierten und einen völlig eigenen Weg gingen – egal was Produzenten oder Labelbosse sagten. Wie Freddie hinter der Fassade des Erfolges versuchte, über sich und seine Sexualität klar zu werden und dem Versuch, sich als Solo-Künstler neu zu definieren.

In Großbritannien lief Bohemian Rhapsody bereits letzte Woche an und es könnte nicht passender sein angesichts des Titels: wie bei dem epischen Song zeigen sich die Kritiker wenig begeistert während die Fans ihn lieben. Dieser Review schlägt sich voll auf die Seite der Fans. Wer mit Queen groß geworden ist, weiß wie ausschweifend die Partys waren. Es waren die 80er! Wenn jetzt Kritiker kommen und meinen, es hätte doch bitte alles etwas mehr edgy und dark sein müssen, schließlich gäbe es da Geschichten um kleinwüchsige Kellner und Koks – ein alter Hut für den Fan. Mancher meint damit natürlich auch explizite Sex-Szenen, welche es hier nicht gibt, die es aber auch nicht braucht. So können die älteren Fans mit ihren (Enkel-)Kindern ins Kino (FSK: ab 6 Jahren) und außerdem verheimlicht der Film überhaupt nicht, dass Mercury bisexuell war, ganz im Gegenteil.

Das Beste, was Bohemian Rhapsody passieren konnte, war dass Sacha Baron Cohen das Projekt verließ. Nicht nur, weil seine Vision eine andere war als die von Brian May und Roger Taylor, sondern weil damit der Weg frei wurde für Rami Malek (Mr. Robot). Malek realisierte, dass er mehr brauchte als nur künstliche Zähne – er arbeitete mit einem Movement Coach und das Ergebnis ist spektakulär. Es wird manchem Tränen vor Rührung in die Augen treiben, denn Freddie respektvoller und echter auferstehen zu lassen kann man sich fast nicht wünschen. Eine grandiose Leistung, die alles in den Schatten stellen könnte, wäre nicht Gwilym Lee ebenso großartig als Brian May. Wer den Film im O-Ton sehen kann, sollte es unbedingt tun – Lee klingt identisch wie May. Auch Ben Hardy als Roger Taylor zuzusehen macht einfach nur Spaß. Bleibt Joe Mazzello als John Deacon. Er grimassiert gelegentlich etwas stark, aber davon abgesehen ist auch er stark besetzt.

Wie so ziemlich jedes Biopic nimmt sich auch Bohemian Rhapsody künstlerische Freiheiten heraus. Die Entstehungsgeschichte der Band wird beispielsweise extrem verkürzt dargestellt. Zum Glück, muss man sagen, sonst wäre allein dafür eine Stunde an die ohnehin nicht gerade kurzen 2h 15min drangehängt worden. Wer sie nachlesen will, dem kann man Queen – As It Began von Jacky Gunn & Jim Jenkins empfehlen. Insgesamt kann man sagen, dass die Veränderungen vor allem dazu dienten, ein unterhaltsames Tempo aufrecht zu erhalten. Dass dabei auch der enorme Output etwas gerafft dargestellt wird kann manchem etwas in der Seele weh tun, aber Bohemian Rhapsody will alle Fans ansprechen, egal ob sie jede B-Seite kennen oder nur die Greatest Hits daheim haben.

Bryan Singer ist kein ganz unumstrittener Regisseur und er wurde während der Dreharbeiten gefeuert, aber es ist sein bester Film seit langem. Gerade wie die Live Auftritte inszeniert wurden war den Ärger, den er dem Studio bereitete, wert. Natürlich ist er im großen und ganzen konventionell, aber es passt. Schön auch die humorvolle Note, die immer wieder durchkommt ohne dabei die emotionalen Momente zu schmälern. Bohemian Rhapsody ist kein düsterer Film – wieso auch, denn Freddie Mercury war ein lebensfroher Mensch. Er hält die Erinnerung an Mercury aufrecht, ohne dabei zu verheimlichen, dass auch er erstmal zu sich selbst finden musste. Könnte der Film komplexer, tiefgehender sein? Sicherlich. Aber wer das hier moniert, der sollte mal nachsehen, wieviele Greatest Hits statt kompletter Backkataloge sich in der eigenen Sammlung befinden.

Fazit

Bohemian Rhapsody ist ein absolutes Muss für Queen-Fans und ein tolles Musik Biopic für alle anderen. Rami Malek liefert eine sensationelle Darstellung als Freddie Mercury ab, die berührt und begeistert. Ebenfalls hervorragend ist Gwilym Lee als Brian May. Die Geschichte von der Gründung von Queen bis zum legendären Live Aid Auftritt kommt nicht ohne künstlerische, aber verständliche Freiheiten daher. Die exzessiveren Momente im Leben Mercurys kommen vor, werden aber nicht ausgewalzt, man kann also mit dem Nachwuchs ins Kino. Berührend, humorvoll, tolle Darsteller und mit einem unglaublichen Soundtrack feiert Bohemian Rhapsody einen der verehrtesten Frontmen aller Zeiten – zu Recht!

9
Königlich

Pros

  • Die Darsteller
  • Der Soundtrack
  • Zeitkolorit / Live Auftritte
  • Kreative Entscheidungen
  • Mike Meyers Cameo

Kontras

  • Überblick über Werk zu komprimiert für nicht-Fans
  • Mazzello grimassiert etwas stark

Unser Fazit


Handlung
9
Präsentation
9