DVD Review: The Orville – Season 1

2017 starteten in den USA gleich zwei neue Serien, die beide an Bord eines Raumschiffs spielen: Star Trek: Discovery und The Orville. Letztere ist das Herzensprojekt von Seth MacFarlane (Ted, American Dad) und wurde aufgrund seines Schöpfers direkt in der Nachfolge von Galaxy Quest (1999) gesehen. In der Kritik fiel die erste Staffel dann ziemlich durch, aber während viele Star Trek Fans sich anfangs mit Discovery schwer taten, ging ihnen bei The Orville das Herz auf. Am 25. Oktober erscheint die erste Staffel auf DVD und 20th Century Fox war so freundlich, uns ein Rezensionsexemplar zu überlassen. Wird The Orville unsere Empfehlung fürs nächste Wochenende?

3.000 Schiffe reisen für die planetarische Union durch den Weltraum und weil ein Mangel an Führungskräften herrscht, erhält Captain Ed Mercer (Seth MacFarlane) das Kommando über das Forschungsschiff Orville. Seine Freude ist von kurzer Dauer, denn seine Ex-Frau (Adrianne Palicki) wird ihm als Erster Offizier zur Seite gestellt. Aber da hören die Probleme nicht auf. Sein 2. Offizier, Lieutenant Commander Bortus (Peter Macon), ein Moclaner, fällt schon zu Beginn für ein paar Tage aus, weil er ein Ei ausbrüten muss, und Mercer läuft durch den Ingenieur Lieutenant Yaphit (Norm Macdonald), eine gelatinöse Lebensform, hindurch. Aber das All ruft und die Orville macht sich auf ihren Weg.

Warum 20th Century Fox immer noch darauf besteht, The Orville als Star Trek-Parodie anzupreisen ist ein Rätsel, denn wer sich alle 12 Folgen der ersten Staffel angesehen hat – und zumindest eine Folge von The Next Generation, der wird wohl Hommage oder die Umschreibung in den Fußstapfen von vorziehen. MacFarlane, bekennender Star Trek-Fan, der mehr als die Hälfte der Episoden geschrieben hat, ist es gelungen, den Geist von Star Trek einzufangen. Natürlich gibt es humorvolle Momente und damit wurde auch kräftig geworben (siehe der Banana-Ray Clip), aber das allein macht nicht den Reiz aus. Es sind viel mehr die Geschichten, moralische Dilemmas und der Optimismus, der in der Serie mitschwingt. The Orville bietet charmantes Sci-Fi Abenteuer, dass sich mit wichtigen Themen beschäftigt, aber dabei mit Hilfe von Humor vermeidet, den Zuschauer runterzuziehen.

The Orville wirkt ein bisschen aus der Zeit gefallen. Das liegt zum einem am Look, der zwar nicht modern wirkt, der aber dank hohem Produktionswert (besonders Make-Up, Kostüme und Musik) super funktioniert, und zum anderen an der Comedy-Drama-Mischung die je nach Folge anders ausfällt anstatt stetig zu eskalieren. Inzwischen ist man es gewohnt (HBO sei dank), dass Serien immer mehr ins Extrem gehen, vom Produktionsaufwand bis zu Gewaltexzessen. The Orville schert da aus. Jede Episode richtet sich nach der Geschichte die erzählt wird und nicht nach einem übergeordneten Steigerungsbogen. Das hat bei TNG funktioniert und hier tut es das auch. Nicht jede Folge ist perfekt, aber der Binge-Faktor ist hoch.

Man kann The Orville eigentlich nicht besprechen ohne immer wieder auf Star Trek zurückzukommen. Bei der Pilotfolge führte Jon Favreau (Iron Man) Regie, aber für Star Trek-Fans viel wichtiger: Jonathan Frakes (Commander Riker, TNG) stand bei der fünften Episode, Pria, hinter der Kamera. Für diese konnte MacFarlane zudem Charlize Theron als Gaststar gewinnen – nicht der einzige Hollywoodstar, u.a. sind Liam Neeson, Rob Lowe, Kelly Hu, Jeffrey Tambor und Holland Taylor dabei. Zu den Star Trek Alumni gehören neben Frakes u.a. Robert Picardo (der Doktor aus Voyager), Brian George, Penny Johnson Gerald und Brian Thompson. Auch bei den Autoren finden sich Star Trek Alumni wieder. Alle Ähnlichkeiten zu Roddenberrys übermächtigem Star Trek Universum sind wirklich nicht unabsichtlich. Wobei man schon noch erwähnen sollte, dass hier nicht einfach 1:1 kopiert wurde. Gebeamed wird hier übrigens nicht, aber das nur nebenbei.

Das Design der Orville besticht mit seinen klaren Linien und macht sie zu einem Raumschiff mit hohem Wiedererkennungswert. Es zahlt sich aus, dass man bei den Dreharbeiten auch so viel wie möglich mit einem echten Modell gearbeitet hat. Die Besatzung der Orville ist ein bunter Haufen von Typen und Rassen – ähnlich der TNG Besatzung – mit überaus menschlichen Problemen und der Cast hat eine tolle Chemie, was viel zum Charme der Staffel beiträgt. MacFarlane hatte glücklicherweise genug Verstand, seine Rolle nicht immer in den Vordergrund zu schreiben. Positiv fällt außerdem auf, dass die Frauenrollen interessant angelegt sind, u.a. ist der Sicherheitschef eine junge Frau.

Extras

Die erste Staffel kommt auf vier DVDs und die Laufzeit beträgt insgesamt 8 Stunden 46 Minuten. Als Extras gibt es das Panel der Serienmacher und Schauspieler beim Paleyfest 2018 und einige kurze Featurettes (Hinter den Kulissen, Regie, Die ersten sechs Missionen, Das Design der Zukunft, The Orville fliegt los, Quantenantrieb, Alien-Leben, Die Erschaffung der Aliens, Eine bessere Zukunft). Die Featurettes hätten zum Teil ruhig ausführlicher sein können, z.B. das zum Quantenantrieb, aber immerhin hat man versucht einige Themen abzudecken. Zur Verpackung (Multi-Amaray) kann hier nichts gesagt werden, weil uns nur die DVDs vorlagen.

Bild & Ton

Das Bild der DVD liegt in 16:9 (1.78:1) vor und beim Ton kann man zwischen Englisch DD 5.1 und Deutsch DD 5.1 wählen. Als Untertitel kann man Untertitel: Englisch für Hörgeschädigte
sowie Deutsch auswählen. Normalerweise gehen wir an dieser Stelle etwas genauer auf die Qualität ein, aber der DVD-Player zeigte Anzeichen von Altersschwäche und somit ist eine faire Bewertung nicht möglich. Abgesehen von den Momenten, wo die Technik schwächelte, waren Bild & Ton jedoch für eine DVD gut. Eine Blu-ray Version gibt es aktuell nicht.

Fazit

Die Star Trek-Fans hatten recht: The Orville legt eine gelungene erste Season hin. Keine Parodie, sondern im Herzen Star Trek aber ohne offiziell zum selbigen Universum zu gehören. Der Humor ist mal stärker, mal fällt er flach, die Figuren sind interessant, die Themen sind relevant und das Produktionsdesign ist eine Freude. Fans von ST:TNG sollten unbedingt einen Blick reinwerfen. The Orville bietet unterhaltsames Sci-Fi Abenteuer und hat mit Seth MacFarlane genau den richtigen Captain am Steuer!

Die erste Staffel (FSK: ab 12 Jahren) ist ab morgen auf DVD erhältlich und für alle Ungeduldigen ist sie jetzt schon als Download auf allen gängigen Portalen verfügbar.


The Orville - Season 1 [4 DVDs] Studio: 20th Century Fox Erscheinungsdatum: 25. October 2018 Laufzeit: 526 Minuten EUR 27,99 bei Amazon.de (Partnerlink)


8
Sehr ST:TNG

Pros

  • Für ST:TNG Fans
  • Guter Mix zw. Drama & Comedy
  • Toller Cast & Gaststars
  • Tolles Produktionsdesign

Kontras

  • Humor fällt manchmal flach
  • Manchmal etwas oberflächlich

Unser Fazit


Staffel
8
Bild & Ton & Extras
8