Review: Venom

Heute startet mit Venom die nächste Comic-Verfilmung, aber da Sony Pictures den Marvel Helden in die Kinos bringt, sollte man keine Einbindung ins Marvel Comic Universe erwarten. Gilt das mit der Erwartungshaltung auch für die Qualität? Wie giftig ist der Film angesichts der FSK: ab 12 Jahren? Ein paar spoilerfreie Antworten gibt es hier im Review.

Als Journalist versucht Eddie Brock (Tom Hardy) schon seit Langem den zwielichtigen, aber genialen Gründer der Life Foundation, Carlton Drake (Riz Ahmed), zu überführen – eine Besessenheit, die ihn bereits seine Karriere und die Beziehung zu seiner Freundin Anne Weying (Michelle Williams) gekostet hat. Als er in Drakes Labor eindringt verbindet sich das Alien Venom mit Eddies Körper und verleiht ihm nicht nur erstaunliche Superkräfte, sondern auch die Freiheit, zu tun, was immer er will. Düster, unberechenbar und voller Zorn: Eddie muss lernen, die gefährlichen Kräfte, die von Venom ausgehen, zu kontrollieren. Da sich Eddie und Venom gegenseitig brauchen, um ihre Ziele zu erreichen, verschmelzen sie immer mehr miteinander. Schließlich stellt sich die Frage: Ist das noch Eddie oder schon Venom?

Düster, unberechenbar und voller Zorn – das klingt eher nach Venom Fans, wenn sie nach knapp 112 Minuten aus dem Kino kommen. Es ist nicht so, als wäre der Film nicht unterhaltsam – im Gegenteil – aber das hier hat nichts mit dem Supervillain Eddie Brock/Venom aus den Spider-Man Comics zu tun. Ein Grundproblem ist wieder einmal, dass man um jeden Preis ein breites Publikum erreichen will. Dazu wurde die Brutalität runtergeschraubt. Nächstes Problem: für die FSK: ab 12 Jahren ist der Brutalitäts-Ekelfaktor eigentlich immer noch einen Tick zu hoch, aber für die Figuren, die Geschichte und letztendlich die Comic Fans ist es viel zu halbherzig.

Venom ist sehr kurzweilig, aber auf eine vor-MCU Art und Weise. Wenn man nicht wüsste, dass der Film 2018 gedreht worden ist, man würde ihn vermutlich kräftig rückdatieren. Die Schuld kann man nicht nur Sony geben, schließlich brachte das Studio letztes Jahr den großartigen Spider-Man: Homecoming in die Kinos. Hier muss man mit dem Finger auf Regisseur Ruben Fleischer, seine Drehbuchautoren – ach, im Grunde auf fast alle, außer auf Tom Hardy zeigen. Die Story ist schwach und verschenkt viel Potential, hat allerdings auch ein paar echte Brüller zu bieten. Die meisten Figuren sind ebenfalls schwach geschrieben, Drake ist ein relativ farbloser Bösewicht Typ Elon Musk – reich, Technik und will ins All -, wobei Riz Ahmed ihm durchaus noch etwas Charakter verleiht, und Anne (Williams mit irritierend schlechter Perücke) ist deprimierend belanglos. Ein Lob für die Drehbuchautoren gibt es aber für die Figur des Dr. Dan Lewis (Reid Scott), den Freund von Anne.

Das Schmuckstück des Films und seine Rettung ist eindeutig Tom Hardy. Ihm zuzusehen macht einfach Spaß. Hardy schmeisst sich wie immer voll in die Rolle (zu sehr, fand ein britischer Kollege, der den Vergleich mit Jim Carey in Die Maske gezogen hat) und gerade in den Szenen, in der er von dem Alien Symbionten besessen ist, bringt er das auch ohne CGI voll rüber. Die Effekte sind leider oftmals mit zu schnellen Schnitten kombiniert, mit dem Ergebnis, dass man kaum etwas erkennt. Das nervt, gerade bei einer größeren Action-Szene gegen Ende. Das klingt jetzt alles arg negativ und viele Reviewer haben wenig schmeichelhafte Vergleiche gezogen (Stichwort: Catwoman), aber nur weil der Film nicht en par mit den Filmen des MCU, Homecoming oder auch Logan ist, darf man ruhig zugeben, dass er gut unterhält und man sich nicht langweilt. Was mehr ist, als man über manch anderen Film sagen kann.

Zwei wichtige Infos noch zum Schluss: 1) Das Geld für das 3D kann man sich sparen. Venom wartet mit dem überflüssigsten 3D seit langem auf. 2) Es gibt zwei Post-Credits Szenen. Für die zweite braucht man Geduld, denn sie kommt erst ganz am Ende und das dauert und dauert und dauert. Sie lohnt sich aber, auch wenn sie nichts mit dem Film zu tun hat.

Fazit

Venom ist ein Fall von eigentlich nicht gut, aber trotzdem unterhaltsam. In Sachen Story und Figuren wird hier viel Potential verschenkt, qualitativ ist er nicht mehr zeitgemäß, aber dank Tom Hardy und einer Reihe von wirklich guten Gags langweilt man sich nicht. Eine härtere Version hätte dem Film deutlich gut getan, genauso wie besser ausgearbeitete Figuren. Als reine Comic Verfilmung müsste man ihn natürlich schlechter bewerten.

6
Wegen Hardy

Pros

  • Tom Hardy
  • Kurzweilig unterhaltsam
  • Gute Gags

Kontras

  • Nicht angemessen hart genug
  • Schwache Story/Figuren
  • Qualitativ nicht hochwertig genug
  • Überflüssiges 3D

Unser Fazit


Handlung
6
Präsentation
6