Review: Ballon

Reviews zu deutschen Produktionen bringen wir selten. Wenn man bei Trailern meistens nicht über 30 Sekunden aushält, dann macht der Gang zum Pressescreening keinen Sinn. Für Ballon, der am 27. September in die Kinos kommt, haben wir eine Ausnahme gemacht. Wie hat Michael Bully Herbig das geschafft?

Sommer 1979 in Thüringen. Die Familien Strelzyk und Wetzel haben über zwei Jahre hinweg einen waghalsigen Plan geschmiedet: Sie wollen mit einem selbst gebauten Heißluftballon aus der DDR fliehen. Doch der Ballon stürzt kurz vor der westdeutschen Grenze ab. Die Stasi findet Spuren des Fluchtversuchs und nimmt sofort die Ermittlungen auf, während die beiden Familien sich gezwungen sehen, unter großem Zeitdruck einen neuen Flucht-Ballon zu bauen. Mit jedem Tag ist ihnen die Stasi dichter auf den Fersen – ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Mit Ballon hat Herbig eine wahre Geschichte verfilmt, ganz ohne Sissi & Franz, Indianer oder (T)Raumschiff. Es ist nicht einmal eine Komödie. Da darf man wie Mr. Spuck gepflegt mal die Augenbraue hochziehen, aber wer sich auf den Film einlässt, dem wird schnell klar, dass Herbig einfach Geschichten erzählen kann, völlig unabhängig davon ob sie lustig sind oder nicht. Natürlich ist eine wahre Geschichte, an die sich einige vielleicht sogar noch erinnern können, immer eine besondere Herausforderung, aber Herbig hat anscheinend ein Händchen dafür, das cineastische Element zu erkennen und dieses dann umzusetzen. Bei Ballon heißt das: in tollen Bildern, einem gelungenen Tempo und einem perfekten Spannungsbogen.

Gerade der Spannungsbogen ist eine Leistung, wenn man zwar weiß wie die Geschichte ausging, man aber total angespannt im Kino sitzt und sich trotz eines Kaffee zu viel nicht traut, kurz raus zu gehen, weil man wirklich nichts verpassen möchte. Dazu dieses wunderbare Zeitkolorit! Das ganze Produktionsdesign mit der unglaublichen Liebe zum Detail ist eine Freude, hier wurde viel Arbeit reingesteckt und es zahlt sich wirklich aus. Es ist ein Rückblick (und für die Jüngeren ein Einblick) in eine völlig andere Zeit. Das kann nostalgische Gefühle hervorrufen genauso wie Erleichterung, dass dies alles der Vergangenheit angehört.

Ballon ist auch deswegen ein bemerkenswerter Film, weil unter Herbigs Regie die Schauspieler in ihren Rollen aufgehen ohne dabei zu klingen, als hätten sie Schauspiel studiert, so ganz ernsthaft und eigentlich würden sie ja lieber Theater… Eigentlich gibt es nur zwei Kritikpunkte. Zum einen schummelt sich doch das ein oder andere Klischee ein und so hätte es manche Szene gar nicht gebraucht und zum anderen gibt es am Ende noch einen Epilog, der irgendwie zu viel ist.

Fazit

Michael Bully Herbig kann einfach Kino! Ballon ist unglaublich spannend inszeniert und der großen Leinwand würdig. Das Zeitkolorit ist vom Feinsten und auch die Schauspieler überzeugen. Hollywood verfilmt bekanntlicherweise gerne erfolgreiche, ausländische Produktionen neu. Bei Ballon können sie sich das sparen, der ist so gut, da reicht es ihn zu synchronisieren.

9
Spannend

Pros

  • Spannend inszeniert
  • Tolles Zeitkolorit
  • Gute Schauspieler

Kontras

  • Unnötiger Epilog
  • Ein paar Klischees/Überzeichnungen

Unser Fazit


Handlung
9
Präsentation
9