Review: Ready Player One

Ernest Clines Roman Ready Player One ist in Sachen Pop-Kultur das literarische Äquivalent zu Aladdins Schatzhöhle. Das Buch platzt nur so vor Referenzen, von obskuren Games bis zu Zitaten aus Filmhits. Entsprechend schwer gilt der Roman zu verfilmen und verlangt nach einem Meister des Regiefachs. 80s Popkultur – da ließ sich Steven Spielberg nicht zweimal bitten und bringt jetzt am 5. April die gleichnamige Verfilmung in die Kinos. Ist ihm die Umsetzung gelungen?

© Courtesy of Warner Bros. Pictures

Im Jahr 2045 ist die reale Welt nur schwer zu ertragen. Wirklich lebendig fühlt sich Wade Watts (Tye Sheridan) nur, wenn er in das gigantische virtuelle Universum OASIS entfliehen kann, in dem die Grenzen der Geografie, der Gesetze und auch der Identität aufgehoben sind – solange man nur seiner Fantasie freien Lauf lässt. Dort verbringen die meisten Menschen ihre Tage. Entwickelt wurde OASIS vom genialen, exzentrischen James Halliday (Mark Rylance), der sein ungeheures Vermögen und die totale Kontrolle über OASIS der ersten Person hinterlässt, die siegreich aus einem dreiteiligen Wettbewerb hervorgeht: Dadurch will Halliday sicherstellen, dass ein würdiger Erbe sein Nachfolger wird. Als Wade die erste Aufgabe der realitätsverändernden Schatzsuche löst, geraten er und seine Freundesclique, die als High Five bekannt ist, in eine fantastische Welt voller Entdeckungen und Gefahren und bemühen sich, OASIS zu retten.

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Gleich in den ersten Momenten wird Lesern des Romans klar, so düster wie der Ton im Buch, wird das hier nicht. Okay, ist nur das Intro und vielleicht finden andere das ja total apokalyptisch, kann man noch denken, aber dann kommt die erste Challenge und man denkt: was zum Teufel? Ready Player One müsste mit einer Warnung kommen: Ist wie das Buch, nur ganz anders. Natürlich war klar, dass man nicht alle nötigen Rechte bekommen würde, z.B. für Star Wars und Ultraman, und dass diverse Anpassungen an das Medium Film nötig sein würden, aber einige der Veränderungen sind schon arg krass. Ob sie zum Vorteil sind, hängt sehr davon ab, ob man das Buch gelesen hat oder nicht – und worauf es einem bei diesem Film ankommt.

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Wer den meisten Spaß daran hat, bei Ready Player One die 80s- oder Games-Referenzen zu entdecken und zu zählen, der kann bedenkenlos ins Kino rennen. Das ist genau der richtige Film. Volle Punktzahl. Erst recht, wenn die Charaktere für einen sekundärer Natur sind. Wer das Buch nicht gelesen hat, aber schnelle Action-Sequenzen und minimal ausgearbeitete Figuren mag, um die man sich nie wirklich Sorgen machen muss, bitte, ab ins Kino. Wer das Buch gelesen hat, den düsteren Ton mochte und die Challenges ebenso, der sollte sich zumindest darauf gefasst machen, dass er genau das nicht bekommen wird.

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Ernest Cline hat höchstpersönlich am Drehbuch mitgearbeitet. Laut eigener Aussage (in einem Interview mit Games Radar) behalten die Veränderungen den Geist des Buches bei, nur sei es jetzt cineastischer, und außerdem hätten einige Figuren davon profitiert. Er meint damit insbesondere Art3mis/Samantha. Vielleicht glaubt Cline das ja wirklich oder er ist einfach glückselig, weil Spielberg, der Held seiner Jugend, sein Buch verfilmt hat, aber man kann diese Aussagen auch als großen Mist bezeichnen. Ein Blick auf Art3mis und die Augen fangen an zu rollen. Natürlich, genau so sieht “stocky” (untersetzt) aus… nicht. Aber es ist nicht nur die Optik, auch Samantha selber ist nicht gerade beeindruckend geschrieben. Aber, das ist keine einzige der Figuren in diesem Film.

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Ready Player One ist durchaus unterhaltsam, aber irgendwie seelenlos. Spielberg gibt hier den Spielberg und will ein breites Publikum unterhalten. Die Geschichte ist weichgespült, aber dafür gibt es Schauwerte. Ein riesiger Dino – was für Jung und Alt! Ein Autorennen – schließlich lieben die Leute Mario Kart und Fast & Furious. Eine Tanzszene in der Schwerelosigkeit! Die Mädchen werden schmachten usw. Natürlich gibt es Referenzen ohne Ende, die viele Nicht-Gamer nicht erkennen werden, aber: man hat sich nichts getraut. Cline ging davon aus, dass jemand, der noch nie Pac-Man, Tempest oder Dungeons & Dragons gespielt hat, sich bei der Umsetzung davon im Kino langweilen würde. Natürlich wäre es eine Herausforderung für die Filmemacher gewesen, aber wenn sie wenigstens eine dieser vermeintlich zu nerdigen Szenen gut umgesetzt hätten, dann hätte der Film etwas besonderes gehabt. Hier wurde eine große Chance verschenkt.

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Die Teenager bleiben hier sehr farblos, wobei sich die Erwachsenen auch keine sonderliche Mühe geben, sie in den Schatten zu stellen. Ben Mendelsohn kann den Bösewicht vermutlich im Schlaf geben und tut das mit Nolan Sorrento auch. Dann gibt es einen bösen weiblichen Sixer, weil man halt zur Zeit besser mehr Frauen in einem Film eine Rolle gibt. Mark Rylance gibt den exzentrischen Halliday mit einem Look, für dessen Inspiration man sich anscheinend an Garth aus Wayne’s World orientiert hat. Simon Pegg darf inzwischen auch in keinem Film dieser Art mehr fehlen, muss aber diesmal den Preis in Form einer grottenschlechten Altersmaske zahlen. In kurz: die reale Welt kann die virtuelle hier wahrlich nicht ausstechen.

© Courtesy of Warner Bros. Pictures

Bleibt zum Abschluss die virtuelle Welt: ja, das CGI ist toll und hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. In manchen Aufnahmen ist das hektische Tempo wirklich eine Sünde, weil man gerne mehr in sich aufnehmen würde – oder einfach gerne etwas mehr erkennen würde. Von den Avataren sticht natürlich Anorak, Hallidays Avatar hervor. Das 3D kam zumindest in diesem Screening nicht sonderlich mehrwertig rüber. Bei einer Laufzeit von 138 Minuten ist es zudem anstrengend, besonders für Brillenträger.

© Courtesy of Warner Bros. Pictures

Fazit

Wem es ausreicht popkulturelle Referenzen zu zählen oder wer einfach Lust auf einen Spielberg-Film mit Action und viel 80s Referenzen hat, der wird an Ready Player One seine Freude haben. Wer die Stimmung und die Challenges aus dem Buch mochte, der weniger. Die virtuelle Welt ist hier beindruckend umgesetzt, dafür enttäuscht die reale mit farblosen Charakteren, einer weichgespülten Story, wenig Spannung und noch weniger erinnerungswürdigen Darstellungen.

FSK: ab 12 Jahren

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5
So-so

Pros

  • Spielberg/80s Nostalgie Fans
  • Zahllose Referenzen
  • CGI sieht toll aus

Kontras

  • Tonal weichgespült
  • Blasse Charaktere
  • Zu schnelle Actionszenen
  • Zu lang & unüberraschend
  • Starke Veränderungen zum Buch

Unser Fazit


Handlung
4
Präsentation
6