Review: Das Zeiträtsel

Am 5. April bringt Disney mit Das Zeiträtsel (OV: A Wrinkle in Time) die Verfilmung des Kinderbuchs Die Zeitfalte (1962) der US-amerikanischen Schriftstellerin Madeleine L’Engle in die Kinos. Regie führt die Oscar-nominierte Ava DuVernay (Selma), das Drehbuch stammt von Oscar-Gewinnerin Jennifer Lee (Die Eiskönigin – Einfach Unverfroren) und in der Besetzung finden sich die Oscar-Gewinner Reese Witherspoon und  Oprah Winfrey. Warum man trotzdem nicht sofort ins Kino rennen sollte, hier unser Review.

Meg Murry (Storm Reid) ist ein typischer Teenager, der einfach nur dazugehören möchte. Die Tochter zweier weltberühmter Physiker ist, genau wie ihr kleiner Bruder Charles Wallace (Deric McCabe), hochintelligent und auf einzigartige Weise begabt. Was ihr Leben allerdings noch komplizierter macht, ist das plötzliche Verschwinden ihres Vaters (Chris Pine). Als Meg herausfindet, dass es etwas mit dem geheimen Projekt ihrer Eltern zu tun haben muss, nimmt die Sache ganz neue Dimensionen an: Um ihren Vater zu finden müssen Meg, ihr Klassenkamerad Calvin (Levi Miller) und ihr Bruder dieser mysteriösen Erfindung auf den Grund gehen und sich auf eine gewagte Expedition durch Raum und Zeit begeben, in der sie in Welten vordringen, die sich jenseits jeder Vorstellungskraft befinden. Neben vielen Gefahren gibt es allerdings auch unerwartete Hilfe von drei rätselhaften überirdischen Wesen (Mrs. Welche – Oprah Winfrey, Mrs. Soundso – Reese Witherspoon und Mrs. Wer – Mindy Kaling), die sie auf ihrem Weg begleiten.

Eigentlich wäre mit einem Bild von Oprah Winfreys mit Glitzersteinchen beklebten Augenbrauen alles gesagt. Sie sind ein gutes Sinnbild für alle Fehlentscheidungen in diesem Film. Dabei will man den Film mögen, aber wie kann man es, wenn DuVernay anscheinend keine Vision für den Film im Ganzen hatte. Wenn man sich fragt, ob das ein Drehbuch ist oder das Ergebnis eines Patchwork-für-Anfänger-Kurses. Ganz zu schweigen von den Kostümen, Haaren und Make-Up. So sehr man sich anstrengt, darin eine Symbolik zu erkennen, stellt sich nur die Erkenntnis ein, dass auch Fantasie geschmacklos umgesetzt werden kann. Ob die Vorlage angemessen umgesetzt wurde, konnten wir nicht beurteilen, aber den entgeisterten Blicken und dem Kopfschütteln einer Kollegin nach, darf man es wohl bezweifeln.

Der Film ist eine unordentliche Mischung aus Elementen, die nicht zusammenpassen, Handlungen, die keinen Sinn machen, Texten, die man lieber nicht gehört hätte und Schauspielleistungen, die einen auch nicht gerade umhauen. 109 Minuten lang! Dazu sehen die Effekte mitunter so aus, als hätte man sich bei Disney nicht entscheiden können, ob der Film im Kino oder im hauseigenen TV-Sender gezeigt werden soll. Vielleicht wollte man es mal wieder jedem recht machen. Aber konnte wirklich keiner bei der Bearbeitung den Guido machen und sagen, dass diese Close-Ups nichts für den Film tun (Stichwort: billige Glitzersteine!)? Oder das “Charles Wallace” kein Name ist, den man öfter hören kann?

Nun ist Das Zeiträtsel ein Film für Kinder (FSK: ab 6 Jahren) und deren Ansprüche sind bekanntlich andere, aber es gibt auch Szenen, bei denen man sich schon fragt, ob man anschließend Geld für eine Therapie zur Seite legen muss. Andererseits fanden Eltern die Teletubbies wesentlich verstörender als ihr Nachwuchs. Eine ganz andere Frage ist, ob sie mit dem Gefasel von Mrs. Wer etwas anfangen können. Ihre Zitate (die Figur spricht nur in diesen) erhielten übrigens ein Update und es finden sich jetzt auch Lin-Manuel Miranda (Hamilton) und Outkast darunter.

Bleiben Meg, Charles Wallace und Calvin als Identifikationsfiguren. Calvin ist halt einfach dabei, da kann der Jungschauspieler auch nicht viel bewegen. Charles Wallace nervt, zum einen weil sein Name gefühlt hundert Mal genannt wird, zum anderen weil Deric McCabe die meiste Zeit einen Blick und Ton drauf hat, für den er vor zwei Generationen noch eine Backpfeife geerntet hätte. Bleibt Meg. Ein verunsichertes Mädchen, das sein Selbstbewusstsein finden muss, um seinen Vater und die Welt zu retten. An sich eine feine Sache, gute Message und so (davon ist der Film übrigens voll), nur macht auch ihre Charakterentwicklung wenig Sinn. Fühlt man anfangs noch mit ihr, lässt einen ihre Geschichte mit fortschreitender Filmdauer emotional kalt. Das ausgerechnet DuVernay eine junge, farbige Heldin so schwach inszeniert, überrascht – und enttäuscht.

Fazit

Während auf der Kinoleinwand Mrs. Welche, Mrs. Soundso und Mrs. Wer den Kindern helfen, verwandelt sich der Zuschauer sehr schnell in Mrs. Warum. Warum so eine zusammengeschusterte Geschichte? Warum so uninspiriert verfilmt? Warum diese Kostüme/Haare/Make-Up? Warum so bunt und doch so fade? Warum so schräg und doch so fantasielos? Antworten liefert Das Zeiträtsel keine, von daher erspart man sich am besten die Frage und den Film.

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3
Besser nicht

Pros

  • Kinder mögen bunte Farben

Kontras

  • Uninspiriert & durcheinander
  • Bunt aber nicht fantasievoll
  • Schwache Charakter
  • Grauenvolle Kostüme
  • Billige Effekte

Unser Fazit


Handlung
3
Präsentation
3