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Review: The Tick – Staffel 1 (Amazon Prime Video)

Die Pilotfolge von “The Tick” war für uns eine der Highlights der letztjährigen Serien-Season: 20 Minuten reichten aus, um Laetitia, mich und zugegebenermaßen wahrscheinlich mehrere Millionen anderer Kunden Prime Video von dem blauen Superhelden zu überzeugen. “Vielversprechend” lautete unser Urteil für die Hero-Parodie. Und elf Folgen später?

Warnung: Dieses Review enthält oberflächliche Spoiler für The Tick. Wir bemühen uns, Details so weit wie möglich auszusparen, aber gerade diese Serie lebt jedoch von seinen absurden, aber nie albernen Ideen, die es Minute für Minute auf den Zuschauer wirft. Deswegen hier schon einmal die Empfehlung: Schaut’s euch an – und kommt danach wieder ;)

2016 Amazon.com Inc., or its affiliates

Nach den Ereignissen der Pilotfolge wird der Cliffhanger prompt aufgelöst: Arthur (Griffin Newman) überlebt den Angriff durch die Stromschläge-verteilende Miss Lint (Yara Martinez) – dank des technologischen Wunderanzugs, den Arthur zuvor von seinem neuen Bekannten namens The Tick (Peter Serafinowicz) erhalten hat. Doch der bisweilen psychotische Arthur denkt gar nicht daran, Ticks neuer Sidekick im Kampf für Gerechtigkeit zu werden. Lieber möchte er endlich der Welt beweisen, dass der Terror (Jackie Earle Haley) noch lebt – denn eigentlich hält die Welt diesen seit seinem Kampf mit Superheld Superian für tot. Was Arthur prompt auf Konfrontationskurs mit allerlei skurrilen Schurken und Superhelden bringt – etwa dem schießwütigen Overkill, dem sprechenden Hund Midnight oder Arthurs Schwester Dot (Valorie Curry), die sich massiv an seiner neuer Berufung stört. Und was hat der Extrem Große Mann (E.G.M.) mit all dem zu tun?

Nur zwölf Folgen ist die erste Staffel von The Tick lang – insgesamt kommt die Serie damit in ihrem ersten Durchlauf auf ungefähr 280 Minuten Spielzeit. Keine Zeit zu verlieren! Die einzelnen Folgen glänzen mit exzellenten Drehbüchern, die eng getaktet die skurrile Welt von The Tick präsentieren und dennoch jedem der Hauptcharaktere genügend Zeit zur charakterlichen Entfaltung geben. Während Arthur damit hadert, warum ausgerechnet ein Normalo wie er in einer Welt voller Superhelden den Unterschied machen soll, sucht Tick nach seiner Herkunft (und findet sie – jedes Mal woanders), Miss Lint trauert dem Tod ihres Bosses Terror nach, Overkill… ach lassen wir das. The Tick ist eine Geschichte grundlegend gestörter Menschen in einer grundlegend gestörten Welt – und dass die Protagonisten entweder unverwundbar scheinen oder mit hochtechnologischem Zerstörungsequipment ausgestattet sind, ist kein Zufall, sondern das geplante Chaos.

Den Vergleich mit anderen Superheldenserien im TV muss The Tick nicht scheuen, trotzdem ist das relativ geringe Budget sichtbar: Das Kostümdesign ist zweckmäßig, aber nicht brilliant, die Szenerie reicht von Downtown bis Vorstadt, mit erfreulichen Überraschung gerade gegen Mitte und Ende der Staffel. Damit möchte ich nicht sagen, dass The Tick billig wirkt – nur das Umschiffen der Budget-Limitierungen ist kreativer. Gerade in der zweiten Hälfte der Staffel (die etwa ein halbes Jahr nach den ersten sechs Folgen kam) merkt man jedoch auch einen qualitativen Anstieg der Set Pieces. Hier hat Amazon nach dem Erfolg der ersten Folgen wohl noch etwas Geld springen lassen. Eine gute Wahl, denn das Finale kann recht viel Action und gut gewähltem CGI-Einsatz punkten. Die deutsche Synchronisation ist in Ordnung, aber wer kann, sollte The Tick im Originalton schauen … es lohnt sich alleine wegen Peter Serafinowicz’ pompöser Stimme, versprochen!

 

The Tick ist nicht für jedermann, aber es gibt so viel an dieser Serie zu lieben, dass ich jedem ans Herz legen möchte, die ersten drei Folgen anzuschauen – dauert auch nur etwas mehr als eine Stunde. Die Mischung aus überzeichneten Superhelden, einem Humor, der von intelligent bis absurd variiert und viele Gags, die sich erst beim zweiten Mal hinschauen (oder hinhören) offenbaren ist über die Genregrenzen hinweg eine ideales Vorabendritual, kann aber ganz wie bei Streaming-Serien üblich wunderbar gebinget werden. Von uns auf jeden Fall eine klare Empfehlung!

8
Das Schicksal ruft.

Pros

  • Durchweg witzig
  • Perfekte Folgenlänge
  • Darsteller sind voll dabei

Kontras

  • Humor nicht jedermanns Sache
  • Etwas vorhersehbare Handlung