Review: I, Tonya

Ein Attentat sollte den Olympia-Start der Eisprinzessin Nancy Kerrigan 1994 verhindern. Dahinter wurde ihre Rivalin Tonya Harding vermutet. Es war ein Skandal, der Sportgeschichte schrieb und die Medienlandschaft veränderte. Heute, am 22. März, kommt der für drei Oscars nominierte Film I, Tonya in die Kinos. Was wusste Harding wirklich? Ist dieser Film eine Goldmedaille wert?

Sie war die berühmteste Person der Welt – nach Bill Clinton. Als erste Amerikanerin vollzog Tonya innerhalb eines Wettbewerbs gleich zwei sogenannte Dreifach-Axel – einer der anspruchsvollsten Sprünge im Eiskunstlauf. Ihr Name wird jedoch für alle Zeiten mit dem schlecht geplanten und stümperhaft durchgeführten Attentat auf ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan in Verbindung bleiben, das ihre Erzrivalin trainingsunfähig machen und Tonya den Sieg in den amerikanischen Meisterschaften sichern sollte – doch es kam anders…

Da denkt man, man hat in Sachen Biopics schon alles gesehen und dann kommt I, Tonya entlang. Unterhaltsam, bitterböse und vor allem eine wahre Geschichte mit Typen, die den Hinweis im Vorspann nötig machten, dass hier nichts ironisch gemeint ist! Jeder hat seine eigene Wahrheit und alle kommen zu Wort. Liefert der Film Antworten? Ja und nein. Lässt der Film einen die Geschichte mit anderen Augen sehen? Definitiv. Allein dafür ist er schon wert gesehen zu werden, besonders, wenn man sich an die Ereignisse von 1994 erinnern kann. Und dann gibt es da noch die Schauspieler.

Margot Robbie, die auch den Film produzierte, ist großartig als Tonya Harding. Egal ob als Teenager mit Zahnspange oder auf dem Eis, egal ob verletzlich oder kämpferisch. Damals wurde sie einfach als Eishexe abgestempelt. Nicht zuletzt dank Robbie kommt man aus dem Film mit der Erkenntnis, dass auch Harding ein Opfer war. Was nicht heißt, dass man sie sympathisch findet. Sebastian Stan ist fast nicht zu erkennen als ihr Ex-Mann Jeff Gillooly, dessen erbärmlicher Schnurrbart seinem Charakter entspricht. Paul Walter Hauser spielt dessen Kumpel und Tonyas Bodyguard, ein Typ der so dermaßen einen Vogel hat, dass man es kaum glauben kann. Sollte man aber, im Abspann gibt es Originalaufnahmen. Gute Güte! Und dann gibt es da noch Allison Janney, die für ihre Darstellung als Tonyas Mutter verdient den Oscar gewann. Hart, herzlos, grausam – aber überzeugt davon, das Beste für ihre Tochter getan zu haben.

I, Tonya ist zugleich ein Sportdrama, eine Biographie und eine bitterböse Komödie. Aber das Lachen bleibt einem oft im Halse stecken, sei es wegen Ungerechtigkeiten oder der wie beiläufig gezeigten häuslichen Gewalt. An einem Punkt spricht Harding den Zuschauer an und bringt es auf den Punkt – Kerrigan bekam einen Schlag und alle waren entsetzt. Aber Harding wurde zuerst von ihrer Mutter, dann von ihrem Mann geschlagen und keinen hat es interessiert. Der Film hält Amerika, den Medien und dem Eiskunstsport einen unangenehmen Spiegel vor: wehe man stammt nicht aus der richtigen Gesellschaftsschicht oder entspricht nicht bestimmten Normen. Als “White Trash” war sie auf dem Eis nicht willkommen und weil sie sich nicht wie ein Opfer verhielt, verdiente sie auch kein Mitleid. Für die Einschaltquoten war eine böse Hexe ohnehin besser, als ein Aschenputtel. Man hatte ja schon eine Prinzessin.

Womit wir beim Sport wären. Die Eiskunstlaufszenen sind toll aufgenommen und in Szene gesetzt. Robbie trainierte hart und der Einsatz hat sich gelohnt, denn zusammen mit den Stuntaufnahmen und dank dem ausgezeichnetem Schnitt, bekommt man einen guten Eindruck von Hardings Leistung. Mit 119 Minuten ist I, Tonya allerdings zu lang geraten. Vor allem gegen Ende zieht es sich. Das ist schade, denn bis dahin hat der Film ein gutes Erzähltempo. Wer übrigens erwartet, dass Kerrigan mehr als nur der nötigste Platz im Film eingeräumt wird, der wird enttäuscht. Auch Tonyas Trainerin bleibt blass.

Fazit

I, Tonya erzählt eine unglaublich schräge Geschichte, die dazu noch wahr ist. Eine definitive Antwort auf die Schuldfrage liefert der Film nicht, dafür die Erkenntnis, dass mehr an der Geschichte dran war, als nur die Eishexe gegen die Eisprinzessin. Der Film ist etwas zu lang und am Ende zieht er sich, aber die Darsteller sind großartig, die Szenen auf dem Eis sind toll umgesetzt und das Ganze wird unterhaltsam mit tiefschwarzem Humor erzählt.

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8
Toll

Pros

  • Starke Darsteller
  • Bitterböser Humor
  • Schräge Story
  • Interessant aufgebaut

Kontras

  • Zu lang
  • Ende zieht sich

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8