Review: The Florida Project

Am 15. März startet mit The Florida Project ein von der Kritik hochgelobter Film in den Kinos. Der Metascore beträgt aktuell 92% und die L.A. Times ließ sich zur Aussage “Der beste Film, den sie dieses Jahr sehen werden!” hinreißen. Wäre das wahr, es wäre zu deprimierend. Warum, hier unser Review:

Orlando, Florida: Moonee (Brooklynn Prince) ist eine aufgeweckte Sechsjährige, die mit ihrer Mutter Halley (Bria Vinaite), nur wenige Meilen entfernt vom Eingang zu Disney World, im „The Magic Castle Motel“ an einem vielbefahrenen Highway aufwächst. Die finanzielle Lage ist nicht gerade rosig. An einen Besuch von Disney World ist nicht zu denken, denn erstmal muss die nächste Monatsmiete her. Moonee und ihre Freunde erklären derweil unter den wachsamen Augen des Motelmanagers Bobby (Willem Dafoe) die Welt um sich herum zu einem großen Abenteuerspielplatz…

The Florida Project ist ein Drama, dass America abseits des glücklichsten Ortes der Welt zeigt. Die Motels und Geschäfte, die wie Satelliten Disney World umgeben, sind bunt und fantasievoll gestaltet – aber man sieht auf den ersten Blick, dass sie nicht wirklich Teil der Disney-Welt sind. Die Realität ist eine billige Kopie. Ursprünglich für Touristen gedacht, wohnen dort inzwischen viele Amerikaner, die sich einen normalen Mietvertrag entweder nicht leisten können oder keinen bekommen. Es ist die letzte, knallbunte Station unter strahlend blauem Himmel vor der Obdachlosigkeit. Angesichts der uneinsichtigen Halley könnte man mit den Achseln zucken – selber schuld. Aber Regisseur Sean Baker setzt den Focus auf Mooney.

Mooney ist erst sechs und kann nichts für ihre Situation. Sie ist sich auch gar nicht bewusst, wie nahe sie und ihre Mutter am sozialen Abgrund entlang wandeln. Was genau sie alles mitbekommt, können wir nur erahnen, den artikulieren kann oder will sie es nicht. Sie nimmt die Umgebung des Magic Castle Motels mit kindlicher Unschuld und viel Fantasie als großen Spielplatz wahr. Kinder sind anpassungsfähig. Nicht jede ihrer Aktionen ist besonders liebenswert, aber von wem soll sie es auch lernen? Glückliche Kindheit trotz der Umstände? Die Frage ist, wie genau man hinschaut.

The Florida Project ist 115 Minuten lang. Das sind mindestens 25 Minuten zu viel, wenn man nicht gerade auf Dramen steht, die von viel leben, nur nicht von Charakterentwicklung. Dass Filmkritiker den Film feiern, verwundert nicht, die müssen selten den Eintritt zahlen. Die Frage ist, was man für sein Geld will. Ja, die Bilder sind wirklich gut gewählt, Willem Dafoe ist zu recht als bester Nebendarsteller für den BAFTA und Oscar nominiert worden, und der Film zeigt eine unschöne Situation auf ohne mit dem Finger zu zeigen, aber: man erkennt sehr schnell, was der Film will und worauf alles hinaus läuft. Dazu das schleppende Tempo, die mangelnde Charakterentwicklung und es kann sich beim Zuschauer quälende Langeweile breitmachen. Und ja, auch von Mooneys kindlichen Aktionen kann man irgendwann genug haben.

Fazit

The Florida Project ist kein “glücklicher Film über eine unschöne Welt”, wie es in der Pressenotiz heißt. Der Film schleppt sich, wie das Leben der Protagonisten, ohne nennenswerten Spannungsbogen oder Charakterentwicklung ins vorhersehbare Nirgendwo. Für die einen ist das gutes Drama, für die anderen quälend langweilig. Wer sich nach dem viel zu langen Film allerdings glücklich fühlt, der sollte vielleicht über mehr nachdenken, als nur den Film. Bester Film – nein.

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4.5
Anstrengend

Pros

  • Gute Performances
  • Interessante Bilder

Kontras

  • Viel zu lang
  • Kein Spannungsbogen
  • Keine Charakterentwicklung
  • Vorhersehbar

Unser Fazit


Handlung
3
Präsentation
6