Review: Die Verlegerin

Am 22. Februar kommt der neue Steven Spielberg Die Verlegerin (OT: The Post), der auf einer wahren Geschichte basiert, in die Kinos. In dem für zwei Oscars nominierten Film (als bester Film und für die beste Schauspielerin) spielen Meryl Streep und Tom Hanks die Hauptrollen. Braucht es angesichts dieses Hollywood-Triumvirats überhaupt einer Filmkritik, um den Gang ins Kino anzutreten?

1971 steht mit Katharine „Kay“ Graham (Meryl Streep) eine Frau an der Spitze des Verlags, der die renommierte „Washington Post“ herausbringt. Als erste weibliche Zeitungsverlegerin der USA hat Kay ohnehin keinen leichten Stand und ausgerechnet als die Zeitung kurz vor dem Börsengang steht will Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) über einen gigantischen Vertuschungsskandal im Weißen Haus berichten, in den allein vier US-Präsidenten verwickelt sind. Erlaubt Kay die Veröffentlichung, kann es sie und Ben alles kosten – ihre Karrieren, ihre Freiheit und die Zukunft der Zeitung – aber es steht auch die Zukunft der Pressefreiheit auf dem Spiel… und der Gegner ist die US-Regierung.

Die Veröffentlichung der geheimen Pentagon-Papiere zählt neben der Watergate-Affäre zu den größten Politskandalen der USA. Angesichts der aktuellen politischen Atmosphäre in den USA überrascht es wenig, dass sich jetzt niemand geringerer als Spielberg der Geschichte angenommen hat. Genauso wenig kann es überraschen, dass dabei ein sehr guter Politthriller herausgekommen ist. Spielberg versteht nicht nur sein Handwerk, sondern auch die Zeit. Heimliche und hochbrisante Kommunikation an öffentlichen Telefonen, das Klingeln eines Telefonapparates ohne Anruferanzeige – ältere Zuschauer mag es nostalgisch stimmen und jüngere in eine andere Zeit entführen – es sind die täuschend einfachen Dinge, die Spielberg spannend zu inszenieren versteht.

Die Verlegerin ist ein dialoglastiger Film – die ganzen 116 Minuten lang. Wer nicht gerne zuhört und sich die Handlung lieber aus Action erschließt, ist hier nicht richtig. Genauso unwahrscheinlich ist es, dass jemand, der bisher wenig Gefallen an Politthrillern gefunden hat, einen Sinneswandel durchlebt. Natürlich sind Streep und Hanks großartig. Natürlich ist der Film wichtig. Natürlich ist er gut. Aber ihm fehlt etwas, dass nicht nur das intellektuell und politisch wohlwollende Publikum zum Nachdenken anregt. Man kann Spielberg also durchaus vorwerfen, dass es zwar spannende Genre-Unterhaltung ist, aber dem Film die emotionale Durchschlagskraft, der sich niemand entziehen kann, fehlt. Irgendwie ist das etwas zu harmlos.

Von allen Dingen bleiben einem vermutlich zwei Dinge in Erinnerung. Eine der Kernenthüllungen (die uns zwar nicht mehr neu ist, aber immer wieder schockiert) und Meryl Streeps Spiel. Wie sie die Entwicklung von der unsicheren Verlagschefin zu einer Frau mit Rückgrat spielt ist großartig. Davon kann nicht mal die ausgesucht hässliche Garderobe ablenken. Es ist völlig überflüssig, dass Spielberg am Ende doch den Holzhammer auspackt, um die Bedeutung ihres Mutes zu zeigen. Wer es bis dahin nicht kapiert hat, dem kann man es auch nicht einprügeln. Nochmal zur Garderobe: diese ist, wie das ganze Produktionsdesign mit viel Liebe zum Detail und fachkundigem Auge zusammengestellt. Der Film fängt nicht nur inhaltlich sondern auch optisch die Zeit sehr gut ein.

Fazit

Die Verlegerin ist ein guter old-school Presse-Politthriller ohne Kugelhagel von Steven Spielberg für Fans des Genres. Die wahre Geschichte hat nichts an Relevanz verloren, ganz im Gegenteil. Sehen sollte man ihn also, aber wer die Couch dem Kinosessel generell vorzieht, der kann unbesorgt auf die Heimkinoveröffentlichung warten, auch wenn Streep und Hanks hervorragend spielen.

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7.5
Genre-Feinkost

Pros

  • Streep & Hanks
  • Wichtige & interessante Story
  • Zeitkolorit

Kontras

  • Sehr dialoglastig
  • Irgendwie harmlos
  • Reicht auch auf DVD

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
7