Review: Alles Geld der Welt

Am 15. Februar startet mit Alles Geld der Welt (OT: All the Money in the World) ein Film in den Kinos, der eigentlich schon abgedreht war. Dann folgte Kevin Spacey, der die Rolle des J. Paul Getty gespielt hatte, auf Harvey Weinsteins Spuren in das Reich der Ungnade. Regisseur Ridley Scott (Der Marsianer) fackelte nicht lange, ersetzte Spacey mit Christopher Plummer und veranlasste einen Nachdreh. Plummer wurde für den Golden Globe und den Oscar nominiert. Also Ende gut, alles gut?

1973 wird der 16-jährige Paul (Charlie Plummer), Enkel des milliardenschweren Öl-Magnaten J. Paul Getty (Christopher Plummer), in Rom entführt. Die Kidnapper verlangen 17 Millionen Dollar Lösegeld, doch der reichste Mann der Welt denkt gar nicht ans Bezahlen. Er hält es für eine Inszenierung und fürchtet Nachahmer – schließlich hat er 13 weitere Enkel. Nur Pauls verzweifelte Mutter Gail (Michelle Williams) kämpft weiter um das Leben ihres Sohnes. Unermüdlich versucht sie, den alten Getty umzustimmen und verbündet sich schließlich mit dessen Sicherheitsberater, dem Ex-CIA Mann Fletcher Chase (Mark Wahlberg). Den beiden bleibt nur noch wenig Zeit, bis das Ultimatum abläuft…

Zusammen sind sie 168 Jahre alt. Nicht etwa der gesamte Cast, Ridley Scott (80) und Christopher Plummer (88) allein. Am Ende lastete auf ihren Schultern die Hauptverantwortung für Alles Geld der Welt und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Plummer legt eine Vorstellung hin, der man nicht für einen Moment anmerkt, dass kaum Zeit für Vorbereitung war und das der Nachdreh in Rekordzeit abgewickelt wurde. Auch wenn einem die Geschichte bekannt ist, schafft er es, einen immer wieder zu schockieren. Plummer ist das Schmuckstück, das eiskalte Herz des Filmes. Kevin Spacey… wer?

Ridley Scotts Leistung ist ebenfalls beachtlich. Die Getty-Entführung gilt als eine der spektakulärsten Entführungen des letzten Jahrhunderts und entsprechend bekannt ist sie. Allerdings dürfte jüngeres Publikum wenig damit anfangen können. Die Aufgabe, einen Film zu machen, den verschiedene Generationen spannend finden können, meistert Scott – mit einigen Abstrichen. Alles Geld der Welt ist mit 132 Minuten etwas zu lang. Straffen hätte man u.a. Szenen mit den Entführern können, sie wirken sehr Klischee und verglichen mit Plummers Getty wirken sie fast schon harmlos – mit Ausnahme einer Szene: dem brutalem Moment, als Paul ein Ohr abgeschnitten wird.

Das Zeitkolorit ist wunderbar gelungen und Ridley macht den Film auch zu einem fürs Auge. Aus dramaturgischen Gründen gab es einige Veränderungen, so wurde der Grad der Drogenabhängigkeit von Gettys Sohn John Paul II zeitlich etwas vorgezogen, aber im Grunde ändert es nichts am Kernpunkt des Filmes: Zahlen oder nicht zahlen? In den 70ern waren Entführungen fast schon ein eigener Geschäftszweig und Gettys Begründung, man würde damit nur seine anderen Enkel in Gefahr bringen, nachvollziehbar. Aber die Geschichte wäre nicht erzählenswert, wenn es so einfach wäre und so ist am Ende, dank Scott und Plummer, nicht die Ohr-Szene die schockierendste (FSK: ab 12 Jahren).

Dass Mark Wahlberg, mit unterschiedlichem Halsumfang (aufgrund des Nachdrehs), mehr Zeit als Plummer in der Vorbereitung gehabt hat, merkt man nicht. Er spielt Gettys Sicherheitsexperten mit CIA Background im üblichen Arbeiterhelden-aus-Boston-Modus mit einer Sonnenbrille als schauspielerischer Gehhilfe. Fairerweise muss man erwähnen, dass ihm das Drehbuch auch nicht viel gibt, um damit zu arbeiten. Am besten ist er in den Szenen mit Michelle Williams, die dafür aus ihrer Rolle rausholt, was geht. Unterfordert bleibt Romain Duris als Cinquanta, der dennoch als einziger der Einführer in Erinnerung bleibt. Das Drehbuch basiert übrigens auf dem Buch von John Pearson.

Fazit

Ein spannender Film basierend auf einer wahren Geschichte – aber nicht Action treibt Ridley Scotts Film an, sondern Christopher Plummers sensationelle Performance und die eiskalte Persönlichkeit des J. Paul Getty. Die Entführung verblasst, mit Ausnahme der Ohr-Szene, völlig neben der Charakterstudie des reichsten Mannes der Welt, der Dagobert Duck großzügig aussehen lässt. Alles Geld der Welt ist elegant verfilmt, allerdings einen Hauch zu lang und wirkt nur punktuell nach.

 

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7.5
Die Plummer-Show

Pros

  • Christopher Plummer
  • Spannende Charakterstudie
  • Spannend verfilmt
  • Tolles Zeitkolorit

Kontras

  • Etwas zu lang
  • Wahlberg wirkt etwas deplatziert
  • Entführer etwas Klischee

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
8