Review: Wind River

Mit Wind River, der am 8. Februar in die Kinos kommt, verfilmt Drehbuchautor Taylor Sheridan (Sicario,  Hell or High Water) sein eigenes Drehbuch. Dass der Film die FSK 16 verpasst bekommen hat, überrascht nicht. Aber ist er auch so kompromisslos, hart, spannend und vor allem gut wie wie seine bisherigen Filme?

Auf der Jagd nach Pumas findet Fährtenleser Cory Lambert (Jeremy Renner) in der schroffen Wildnis des vereisten Indianer-Reservats Wind River die Leiche einer jungen Frau. Sofort fühlt er sich an seine eigene Tochter erinnert, die drei Jahre zuvor unter ähnlichen Umständen ums Leben gekommen ist. Zur Ermittlung schickt die Bundespolizei Jane Banner (Elizabeth Olsen) an den Tatort, eine junge, noch unerfahrene Agentin aus Florida. Weil sie weder mit der unwirtlichen Witterung noch den Regeln des Reservats vertraut ist, engagiert sie Lambert als Führer, um ihr bei den Ermittlungen zu helfen. Je näher Jane und Cory der Auflösung des Falls kommen, desto mehr wird ihnen bewusst, dass sie es mit einem Gegenspieler zu tun haben, der vor nichts zurückschreckt, um seine Haut zu retten…

Wind River ist ein old-school Thriller und Western des 21. Jahrhunderts. Statt unter gnadenloser Sonne spielt er in der bitterkalten Schneewüste Wyomings, einem unwirtlichen, unerbittlichen Ort. Die Protagonisten tragen Waffen und statt Pferden bewegt man sich auf Schneemobilen vorwärts. Die Indianer, die im Reservat Wind River leben, sind längst besiegt. Wenn dort ein indianisches Mädchen verschwindet, dann interessiert das außerhalb des Reservats so ziemlich niemanden. Hier ist der Film in der Realität verankert, was den ohnehin düsteren Unterton noch grimmiger macht. Es fliegen nicht alle fünf Minuten Kugeln oder fließt Blut, aber die plötzlichen Gewaltausbrüche wirken dafür umso heftiger. Der Anblick einer, vorsichtig formuliert, nicht mehr intakten Leiche und die Autopsie sind nichts für zarte Gemüter. Er ist allerdings bei weitem nicht so brutal wie Sicario.

Wind River ist kein spektakulärer Film und die Geschichte ist nicht neu, aber es ist ein intelligenter Film mit ausgezeichneten Schauspielern. Renner liefert eine seiner besten Darstellungen ab und Elizabeth Olsen ist stark in einer Rolle, die in anderen Händen vielleicht wenig überzeugend gewesen wäre – der Zuschauer erkennt sich eher in ihr wieder, als sie völlig unvorbereitet auf die harschen Bedingungen ankommt, als sich über sie zu amüsieren. Erfreulicherweise verzichtet Sheridan auf eine aufdringliche Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren. Außerdem verkompliziert er den Mordfall nicht, denn es geht hier nicht nur um das Verbrechen, sondern auch um Trauer. Eine eisige Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit charakterisiert Wind River. Dies wird perfekt musikalisch unterstrichen durch die Musik von Nick Cave und Warren Ellis, die bereits Hell or High Water musikalisch untermalten.

Wie in jedem ordentlichen Western, kommt es auch in Sheridans Film zu einem Showdown. Dieser wird die Meinungen spalten. Er mag manchen übertrieben vorkommen, aber eigentlich ist er nur konsequent. Genauso wie das Ende, dass hier nicht gespoilert werden soll. Ob man es jetzt moralisch gut findet oder nicht, kann man diskutieren, aber wer von Film und Figuren Konsequenz verlangt, der kann sich das eigentlich sparen. Eher könnte man darüber diskutieren, ob ein erfahrener Regisseur mehr hätte rausholen können, genauso ob man vielleicht ein paar der 107 Min hätte kürzen können.

Fazit

Wind River war nicht ohne Grund einer der erfolgreichsten Indie-Filme 2017 in den USA. Intelligent, spannend, extrem konsequent, hart und mit einer bitterkalten Atmosphäre ist er eine Mischung aus einem old-school Thriller und einem modernen Western. Nicht so gut wie Sicario oder Hell or High Water, dafür ähnlich wenig feelgood, und vielleicht nicht so zugänglich für ein breites Publikum, lohnt es sich trotzdem, sich darauf einzulassen.

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7.5
Kalt & hart

Pros

  • Super Schauspieler
  • Setting & Atmosphäre
  • Die Musik
  • Sehr konsequent

Kontras

  • Story nicht gerade neu
  • Ein paar Min zu lang
  • Showdown Geschmacksache

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
8