Review: Star Wars: Die Letzten Jedi

Vor ziemlich genau zwei Jahren läuteten Disney und J.J. Abrams mit Star Wars: Das Erwachen der Macht eine neue Ära für das wohl populärste Franchise der Filmgeschichte ein. Nach einem Spin-off Film im vergangenen Jahr, führt Regisseur Rian Johnson (Looper, Brick) mit Star Wars: Die Letzten Jedi, die Skywalker-Saga fort. Wir haben uns das neuste Abenteuer in der weit, weit entfernten Galaxis bereits für euch angesehen und berichten spoilerfrei, was ihr von Johnsons erstem Star Wars Film erwarten dürft.

© 2017 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

Überraschend anders

Da es wirklich schwierig ist, die Handlung zusammenzufassen, ohne direkt in die Spoilertüte zu greifen, würde ich für alle wirklich neugierigen einen Blick auf den letzten Kinotrailer empfehlen. Interessanterweise ist dieser jedoch sehr manipulativ und nur bedingt repräsentativ für den finalen Film, welcher meiner Meinung nach deutlich humorvoller und lockerer war, als Disney ihn vermarktet. Dazu später mehr.

Die Handlung ist im Direktvergleich mit Episode VII um einiges frischer, wagt erstaunlich viel neues und konzentriert insbesondere auf die Weiterentwicklung der im ersten Film eingeführten Charaktere. Hierbei schenkt der Film einigen Figuren besonders viel Aufmerksamkeit: Vor allem Rey (Daisy Ridley) und Kylo Ren (Adam Driver), welche durch ihre grandiose Dynamik mein persönliches Highlight des Films sind, bekommen viel Rückenwind vom Drehbuch und das Ergebnis zahlt sich aus. Beide Darsteller spielen ihre Rollen wirklich großartig!

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Fans der Originaltrilogie dürfen sich zudem endlich über längere Auftritte von Mark Hamill als Luke Skywalker freuen, der sich ebenfalls noch einmal mächtig ins Zeug gelegt hat. Über den Verlauf des Films bekommen wir einen ungewöhnlich emotionalen Luke zu sehen, ohne dabei in Konflikt mit der bestehenden Darstellung des Charakters zu geraten. Carrie Fisher (Prinzessin Leia) ist in ihrer letzten Rolle zu sehen und macht einen soliden Job, wenngleich ihre Figur nicht ganz so viel Relevanz trägt, wie die zuvor genannten.

Die letzten Jedi bringt uns außerdem eine Reihe brandneuerer Charaktere – darunter auch Rose (Kellie Marie Tran), ein wirklich charmanter Neuzugang, von der wir hoffentlich auch in Zukunft mehr sehen werden. Leider mangelt es anderen Nebencharakteren dann doch am notwendigen Tiefgang und gerade Captain Phasma (Gwendolin Christie) kommt abermals zu viel kurz.

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Nach einer sehr großen Rolle in Episode VII, verliert Finn (John Boyega) in diesem Film zudem enorm an Relevanz und ist den Großteil der Laufzeit in eine Nebenhandlung verstrickt, die sich leider viel zu aufgesetzt und überflüssig anfühlt. Schade. Auch an anderer Stelle hatte ich das Gefühl das die Handlung meiner zugegebenermaßen sehr hohen Erwartungshaltung einfach nicht gerecht werden konnte. So bekommt der eigentlich wirklich starke Antagonist leider wieder einmal viel zu wenig Screentime – trotz gehöriger Überlänge – und verschenkt damit ein Großteil seines Potenzials. Der Film beantwortet weiterhin viele der offenen Fragen aus dem Vorgänger, wird mit seinen Auflösungen jedoch garantiert nicht jeden Fan gleichermaßen zufrieden stellen. Zudem fehlte mir ein wirklich starker emotionaler Hoch- bzw. Tiefpunkt in der Handlung. Zwar gibt es ein paar sehr fesselnde Momente, doch haben diese nicht die gleiche Tragweite wie vergleichbare Szenen in vergangenen Filmen.

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Hinzu kommt ein weiteres Problem: Wie schon seine Vorgänger versucht auch Die letzten Jedi den Spagat zwischen Drama, Action und Humor zu schlagen. Leider gelingt diese Gratwanderung diesmal nicht so richtig. Statt die Story aufzulockern, haben mich die unzähligen Gags regelmäßig aus der Handlung gerissen. Mal stimmt das Timing nicht, ein andermal wirkt ein Gag einfach nur unpassend. Zwar sind sie fast ausnahmslos amüsant, doch hätte man sich hier die eine oder andere Szene definitiv sparen können. Das Ergebnis ist ein deutlich humorvollerer und weniger düsterer Film als die Trailer eigentlich versprechen. Das mag nicht zwangsweise etwas schlechtes sein, aber man sollte sich definitiv darauf einstellen.

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Von den erwähnten Problemen einmal abgesehen ist der Film jedoch ein wahres Fest für Fans. Neue Welten, zahllose neue Aliens und mächtige neue Raumschiffe, lassen das ohnehin schon riesige Star Wars Universum abermals wachsen. Hinzu kommt die durchweg fantastisch inszenierte Action, eines der besten Lichtschwert-Duelle aller Zeiten und visuell atemberaubende Bilder am laufenden Band. Hier ist Regisseur Rian Johnson wieder ganz in seinem Element. Ebenfalls erwähnenswert ist der Soundtrack, welcher abermals von John Williams komponiert wurde und größtenteils die bereits etablierten Themen aus Episode VII aufgreift, ergänzt und weiterentwickelt. Gerade Reys Titelmelodie bekommt ein paar schöne Variationen über den Verlauf des Films.

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Fazit

Star Wars: Die letzten Jedi ist mit 151 Minuten nicht nur der längste Film der Saga, sondern auch einer der überraschendsten Star Wars Filme bisher. Gegenpolig zum Regelbuch-konformen Das Erwachen der Macht wagt der Film deutlich mehr als sein Vorgänger, ist in seiner Ausführung jedoch nicht ganz so elegant und leidet etwas unter einem holprigen Drehbuch, sowie einem unbalancierten Sinn für Humor. Wer sich daran nicht zu sehr aufhängt, verliert sich jedoch vermutlich schnell wieder in den fantastischen Bildern, der packenden Action und erstklassigen Darbietungen der Hauptdarsteller. Die Vorfreude auf Episode IX ist auf jeden Fall jetzt schon da!

8
Überraschung

Pros

  • Wundervolle Hauptcharaktere
  • Visuell grandios
  • Überraschend frisch

Kontras

  • Teils holpriges Drehbuch
  • Zu viele Gags
  • Charaktere ohne Tiefgang

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
9