Review: Coco

Disney•Pixars neuer Film Coco bricht seit einigen Wochen die Rekorde an Mexikos Kinokassen. Nicht unbedingt eine Überraschung, bedenkt man, dass der Film erstens am Nationalfeiertag Día de los Muertos (Tag der Toten) spielt und zweitens Pixar Animation für extreme Qualität steht. Die Mexikaner feiern ihn also ab. Sollten wir dann auch ab dem 30. November ins Kino rennen?

Miguel liebt Musik, aber im Haus seiner Familie ist Musik Tabu seit einer seiner Vorfahren die Musik der Familie vorgezogen hat. Ausgerechnet am Día de los Muertos, dem wichtigsten aller Feiertage, an dem der Vorfahren gedacht wird, landet Miguel mit seinem Hund Dante durch einen unglaublichen Zufall in der überraschend lebensfrohen Welt der Toten. Dort trifft er nicht nur auf seine Ur-Ahnen, sondern auch auf Hector, der ihm helfen will, den Weg zurück nach Hause zu finden. Doch das ist leichter gesagt als getan!

Um die Frage direkt zu beantworten: Ja, man sollte für Coco ins Kino – und am besten direkt mit der ganzen Familie. Der ganzen Familie? Aber .. das Reich der Toten! Zarte Kinderseelen! Papperlapapp! Bei der Pressevorführung zeigten sich die lieben Kleinen (4 & 5 Jahre alt) völlig hingerissen von der bunten Welt der Toten und ihrer knochigen Bewohner. Die Erwachsenen wischten sich indessen unauffällig Tränen der Rührung weg. Und Dante, der wunderbar schräge Nackthund, brachte Groß und Klein zum lachen.

Das Pixar schöne und detailverliebte Filme macht, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Mit Coco zementiert das Studio erneut seinen guten Ruf, denn er ist eine reine Augenweide. 2017 versuchte so mancher Film mit Farbgewalt zu überwältigen, aber Cocos Farbenpracht lässt sie blass dastehen. Die Welt der Lebenden wird von Herbsttönen in allen Schattierungen dominiert und die Welt der Toten bietet ein Feuerwerk von einem Farbspektakel. Verbunden werden die beiden (Farb-)Welten durch eine Brücke aus leuchtend orangenen Ringelblumenblüten. Und dann gibt es da noch die knallbunten Alebrijes, Fantasiefiguren aus der Folklore Mexikos.

Coco hat seinen Namen von Miguels Urgroßmutter Coco. Die Geschichte steckt voller bunter Charaktere, aber Uroma Coco ist vielleicht der besonderste, denn sie ist sehr alt. Nicht nur dass, sie sieht auch wirklich alt aus. Nicht Hollywood-alt, sondern alt-alt – inklusive Härchen am Kinn. Überhaupt spielen die alten Figuren in Coco eine wichtige Rolle. Neben seiner Uroma ist seine Oma Abuelita die wichtigste Figur in Miguels Leben. Seine Eltern bleiben dagegen blass. Dann gibt es da noch die verstorbene Verwandtschaft wie Ururgroßmutter Imelda, den Gauner Hector und Miguels Idol Ernesto de la Cruz. Dabei verfällt der Film nicht in den Gegensatz von Jugendwahn, es ist eher ein Film, der keine Generation ausschließt.

Nicht ganz so heimlicher Star des Films ist Dante, Miguels Hund. Dante ist ein Xoloitzcuintle, ein mexikanischer Nackthund – der Nationalhund des Landes. Diese Rasse gibt es seit über 3.500 Jahren, aber Dante ist nicht unbedingt ihr schönster Vertreter. Er schielt ein wenig, ihm fehlen Zähne – aber er ist ein treuer Freund und als solcher ist er natürlich auch im Land der Toten an Miguels Seite. Einem Land voller Knochen!

Die Geschichte ist gerade komplex und spannend genug erzählt, dass alle daran Freude haben können. Kinder können der Handlung folgen und Erwachsene müssen sich nicht langweilen. Schön ist, dass viele Momente auf zwei Ebenen funktionieren – wie z.B. die Gags mit Frida Kahlo. Coco lädt außerdem ein, in die farbenfrohe Welt einzutauchen und daran teilzuhaben, ohne dass der mexikanische Hintergrund als ein folkloristischer Gag dient. Natürlich gehören zu so einem Film auch Gesangsnummern. Die sind gerade in der Synchronisation wieder einmal Geschmacksache. Selbst wenn einen die Stimme des Jungen nicht entzückt, so sind die Lieder immerhin recht kurz.

Fazit

Coco ist einer der schönsten Kinofilme 2017, nicht nur für Mexikaner und Pixar-Fans, und ein echter Film für die ganze Familie (FSK: ohne Altersbeschränkung freigegeben). Farben- und lebensfroh, fantasievoll, bildschön animiert, humorvoll und mit ganz viel Herz macht Coco 109 Minuten lang Spaß und berührt zugleich.

In vielen Kinos läuft bis Weihnachten der Kurzfilm Die Eiskönigin: Olaf taut auf als Vorfilm zu Coco. Wer ihn unbedingt sehen will, sollte beim Kino seines Vertrauens vor Erwerb der Karten nachfragen, ob er gezeigt wird.

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9
Toll

Pros

  • Wunderschön animiert
  • Humorvoll & Herzerwärmend
  • Für jedes Alter

Kontras

  • Deutsche Gesangsnummern

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
10