Review: Thor: Tag der Entscheidung

Zur Endphase des Kinojahres 2017 dreht Walt Disney Studios nochmal mächtig auf und haut gleich drei Filme raus, die zu den heißerwartetsten gehören. Den Auftakt macht am 31. Oktober das neueste Abenteuer des göttlichen Marvel-Helden Thor mit Thor: Tag der Entscheidung (OT: Thor: Ragnarok), dann bedient Coco (30. Nov.) erst alle Pixar Fans, bevor mit Star Wars: Die letzten Jedi (14. Dez.) die Kinokassen lauter klingeln werden als die Glocken zur Weihnachtszeit.

Thor hat es nicht leicht. Nicht nur, dass Hela (Cate Blanchett), die Todesgöttin, seinen Hammer zerstört und ihn ans andere Ende des Universums verbannt hat, nein, er wurde auch noch von der versoffenen Valkyrie (Tessa Thompson) gefangen genommen und an den Grandmaster (grandios: Jeff Goldblum) für Gladiatorenspiele verkauft. Dabei hat er gar keine Zeit für Spielchen, denn er muss Ragnarök, die Götterdämmerung, verhindern.

Es soll ja Leute geben, die sind der Comic-Verfilmungen müde. Auftritt Taika Waititi (5 Zimmer Küche Sarg, Wo die wilden Menschen jagen), Neuseeländer, Regisseur und genau der Frische-Kick, den das Marvel Universum brauchte. Nicht, dass er das Genre in neue, seriösere Bahnen lenkt, im Gegenteil, Thor: Tag der Entscheidung ist witziger, bunter und durchgeknallter als selbst die Guardians! Hätte man nicht mal wieder den Titel geändert (OT: Thor: Ragnarok) hätte sich so mancher sicher nicht den Kommentar: “Thor: Ragna-rockt” verkneifen können.  Aber warum jetzt genau, denn dass mehr und überzogener nicht unbedingt besser ist, ist hinlänglich bekannt.

Wie die Avengers-Filme ist Thors Einzelabenteuer vollgestopft mit Figuren. Bekannte wie Bruce Banner/Hulk (Mark Ruffalo), Dr. Strange (Benedikt Cumberbatch), Loki (Tom Hiddleston), Odin (Anthony Hopkins) und Heimdall (Idris Elba), sowie neue wie Hela, Grandmaster, Valkyrie, Skurge (Karl Urban) und Korg (Taika Waititi). Das sieht auf den ersten Blick nach wieder mal zu viel aus, trotz 130 Minuten Laufzeit, aber Waititi und seinem Drehbuchautor Eric Pearson ist es gelungen, fast allen genug Präsenz und vor allem gute Sprüche zu geben. Dazu haben sie auch noch Cameos reingepackt. Neben der obligatorischen von Stan Lee noch eine, die hier nicht gespoilert werden soll, denn sie ist eines der (vielen) Highlights des Films.

Was Waititi und Pearson ebenfalls gelungen ist, ist mit Hela einen anständigen Antagonisten zu präsentieren. Was natürlich hauptsächlich Cate Blanchett zu verdanken ist. Sie hat einfach das Format und Charisma überlebensgroße, mächtige Figuren zu spielen. Frauenquote erfüllt, würde sich manch Regisseur denken, aber Waititi gibt mit Valkyrie einer weiteren ordentlich Screentime. Lady Sif ist diesmal allerdings nicht dabei. Blanchett und Waititi sind übrigens wieder das beste Argument, sich den Film im O-Ton anzusehen. Zu Blanchett (und bei der Gelegenheit zu Cumberbatch, Goldblum und Hiddleston) muss man nichts mehr sagen, aber wenn Waititis Korg den Mund aufmacht, dann ist das im Original schon sehr, sehr witzig.

Der Humor ist ein weiteres Highlight. Thor: Tag der Entscheidung ist einer der witzigsten und Marvel Filme bisher. Waititi weiß um die alberneren Aspekte und wie er damit umgeht ist eine Freude, vor allem weil er genau weiß, wann genug ist. Auch wer es bisher noch nicht mitbekommen hat, z.B. in Ghostbusters, der merkt spätestens jetzt, dass Hemsworths komödiantisches Timing ausgezeichnet ist. Dann ist da natürlich noch der ganz wundervolle Jeff Goldblum, der einfach nicht … wie soll man es anders sagen … Goldblumiger sein könnte. Dazu gibt es noch Loki und Bruce Banner/Hulk mit wunderbaren Sprüchen. Wer sich hier nicht amüsiert, dem kann man wohl nur ein osteuropäisches Sozialdrama empfehlen. In schwarz-weiß und mit Untertiteln.

Die Schauspieler sind super, aber wie schon angedeutet, sind nur fast alle Figuren gut ausgearbeitet. Heimdalls und Topaz’ (Rachel House) Rolle sind klein, aber okay. Wirklich schwach, weil sehr vorhersehbar, ist allerdings die Rolle des Skurge geschrieben. Nicht ganz optimal sind auch so manche Actionmomente, in denen die Bewegungen halt extrem nach aus dem Computer aussehen (wobei die Effekte insgesamt natürlich wieder einmal top sind). Aber das alles ist Meckern auf hohem Niveau, denn was einfach überwiegt ist der höchst unterhaltsam aufeinander abgestimmte Rest. Dazu gehören auch die knallbunten Farben, die spektakulären Bildern (Ritt der Walküren), das knackige Erzähltempo und der tolle Soundtrack von Mark Mothersbaugh.

Fazit

Gut aufgelegte Schauspieler, ein humorvolles Drehbuch, eine tolle Antagonistin und ein Regisseur, der erzählen kann: Thor: Tag der Entscheidung ist ein sehr unterhaltsamer Spaß! Es ist mit Abstand der beste Thor und einer der unterhaltsamsten Marvel Filme bisher. Man muss es natürlich schon ein bisschen verrückt mögen, aber dann wird man mit sehr kurzweiligen 130 Filmminuten belohnt.

Wer die Möglichkeit hat, sollte sich den Film im O-Ton ansehen, und wer erst mit diesem Film ins Marvel Universum einsteigt: sitzenbleiben nach dem Ende, es gibt zwei Post-Credits Szenen.

9
Ragna-rockt!

Pros

  • Sehr witzig & unterhaltsam
  • Blanchett als Hela
  • Tolle Performances
  • Look & Musik

Kontras

  • Vorhersehbare Figur mit Skurge
  • Einige (wenige) Momente sehen nach Computerspielbewegungen aus

Unser Fazit


Handlung
9
Präsentation
9