Review: mother!

Wenig war vorab über den Inhalt von mother! bekannt, mehr gab es über die Beziehung zwischen Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence und Regisseur Darren Aronofsky (Black Swan, Requiem for a Dream) zu lesen. Auf den Filmfestspielen in Venedig wurde er vorgestellt … und ausgebuht. Kunst sei er, meinten die einen, die anderen fragten sich, warum sie sich das angetan hatten. Am 14. September kommt er in Deutschland in die Kinos. Vorher gibt es unseren Review.

Mutter (Jennifer Lawrence) und Er (Javier Bardem) sind verheiratet und führen ein scheinbar idyllisches Leben in einem abgelegenem Haus. Er ist Autor und sie wünscht sich ein Kind. Dann tauchen eines Tages ein Mann (Ed Harris) und eine Frau (Michelle Pfeiffer) auf. Doch es bleibt nicht bei ihnen.

Es ist eine kurze und vage Inhaltsangabe, aber es gibt nur wenig, was man nach 120 Filmminuten zum Inhalt sagen kann ohne zu befürchten, dass man des heimlichen Alkoholkonsums verdächtigt wird. Das liegt vor allem daran, dass die Handlung nach einem anfänglich sehr atmosphärischen Start immer mehr eskaliert. Leider auch zunehmend ohne ersichtlichen Grund. Wägt man sich anfangs in einer Home Invasion Story mit übernatürlichen Elementen, findet man sich immer mehr in einer Handlung wieder, die anscheinend zusammen mit der Wäsche und einem Lexikon der Symbole durch den Schleudergang gejagt wurde. Das Grausen stellt sich nicht dank guter Jump Scares ein, weil die spielen gar keine Rolle, sondern angesichts der ausufernden Symbolik. Wegen totaler Reizüberflutung. Weil Elemente eingeführt werden, nur um nie wieder aufzutauchen. Weil Figuren aus dem Nichts auftauchen. Weil nichts einen Sinn macht ohne erst interpretiert zu werden.

Nicht nur Handlung und Symbolik eskalieren, auch die Gewalt (FSK: ab 16 Jahren). Das mag auf dem Papier für einen als Horror vermarkteten Film ideal klingen, aber so sehr der Film schockiert, als typischen Genre-Vertreter kann man ihn nicht bezeichnen. Anfangs manifestiert sich die Gewalt eher auf psychologischer Ebene, dann wird es handfester und steigert sich von Handgreiflichkeiten zu Exekutionen. mother! ist nicht nur deswegen nichts für sensible Seelen. Gerade gegen Ende des Films kommt es zu Szenen, die wir hier natürlich nicht Spoilern können, aber mindestens eine darf man getrost als kranken Scheiss bezeichnen. Wer sich darüber echauffiert, weil Kunst und Bildsprache, der erkennt vermutlich auch in Hieronymus Bosch ein sonniges Gemüt.

Wer keine Freude daran hat, zwei Stunden lang praktisch alles zu interpretieren, für den ist mother! einfach elendig anstrengend. Für alle anderen und Filmstudenten mit Schwierigkeiten die Seiten ihrer Semesterarbeiten zu füllen, ist dieser Film ein Gottesgeschenk. Denn ist Er vielleicht Gott? Sind die Söhne von Pfeiffer und Harris Figuren vielleicht Kain und Abel? Symbolisiert die Eskalation am Ende gar Glaubenskriege, wie so mancher vermutete? Oder bedeutet das alles etwas völlig anderes? Hat Aronofsky einfach seine Medikation nicht vertragen? Fragen, die man sich stellen kann, aber nicht muss.

mother! in Punkten zu bewerten ist schwer. Setzt man die Note zu niedrig an, wird es heißen, man hätte ihn nicht verstanden. Setzt man sie zu hoch an, werden garantiert Klagen kommen, warum man einen in so einen Film geschickt hätte. Ist es ein Film, den man gesehen haben muss? Nein, denn dafür ist er vor allem eins: zu bemüht. Wird Jennifer Lawrence eine Oscar-Nominierung dafür erhalten? Wahrscheinlich, aber eigentlich spielt sie hier auch nicht besser als sonst. Wer mitreden will, kann einfach sagen, dass es einen nicht überraschen würde.

Es gibt auch viel, was an mother! gut und nicht nur verworren ist: die Darsteller sind sehr gut, die anfängliche Einführung des Hauses als Charakter ist sehr gelungen, der Film ist faszinierend und fesselnd (man will einfach wissen, ob es am Ende eine Auflösung gibt) und es gibt viele Elemente mit Potential. Insgesamt ist er jedoch einfach zu ermüdend bemüht Meta, um eine breite Empfehlung dafür auszusprechen.

Fazit

Es ist der WTF*-Film des Jahres. mother! ist sehr bemüht Meta. So überfrachtet mit Symbolik, dass man sich spätestens ab der Hälfte im permanenten Interpretationsmodus befindet, will man mit der Handlung mitkommen. Aufgrund sehr zugespitzter Gewalteskalation ist der Film zudem nichts für Zartbesaitete. Zwar ist er sehr fesselnd, aber als echter Horror-Film ist er eine Enttäuschung.

*What the fuck

Ein Dank an Markus, der sich für uns den Film angesehen hat. Die Worte stammen von mir, die Eindrücke von ihm.

4
WTF?

Pros

  • Das Haus als Charakter
  • Gute Darsteller
  • Intensiv-fesselnd

Kontras

  • Zu wirr & Reizüberflutung
  • Zu viel Symbolik
  • Kein echter Horror
  • Eskaliert zu sehr

Unser Fazit


Handlung
3
Präsentation
5