Barry Seal: Only in America

Es mag abgedroschen klingen, aber manchmal schreibt das Leben einfach die schrägsten und unwahrscheinlichsten Geschichten. Die Geschichte von Barry Seal ist so eine. Sie ist so unfassbar bizarr, dass sie wahr sein muss – denn wer würde sich so etwas ausdenken? Aber ist sie auch gut? Barry Seal: Only in America gibt es ab dem 7. September im Kino. Hier unser Review:

Anfang der 80er Jahre verdient sich der Pilot Barry Seal (Tom Cruise) durch Zigarrenschmuggel noch etwas dazu. Dann wird er von der CIA rekrutiert, um an verdeckten Operationen in Südamerika mitzuarbeiten. Aber wie sein vorheriger Arbeitgeber zahlt die CIA nicht besonders gut. Als ein kolumbianisches Drogenkartell ihm ein Angebot macht, das er nicht ablehnen kann, ist das erst der Anfang eines irrwitziges Abenteuers, das ihn zu einem der reichsten Männer der USA macht. Barry hat ein neues Problem: wohin mit dem ganzen Geld?

Das die späten 70er und frühen 80er eine wahre Fundgrube für CIA-Skandale sind ist ein alter Hut. Aber Drehbuchautor Gary Spinelli hat sich die wohl schrägste Geschichte rausgepickt. Nicaragua, Iran-Contra-Affäre, Pablo Escobar – hier ist alles drin und wer meint, dass dazu schon alles erzählt ist, der muss sich diesen Film erst recht ansehen. Zum einen, weil die Story völlig schräg ist und zum andern, weil Tom Cruise großartig spielt. Auf dem Papier ist es leicht, jemanden wie Barry Seal zu verurteilen, aber Cruise spielt ihn sympathisch. Wenn die Contras oder die CIA an Barry herantreten, dann blickt er genauso ungläubig, wie sich der Zuschauer fühlt.

Barry Seal: Only in America ist kein Biopic, sondern die Geschichte eines Antihelden basierend auf einer wahren Geschichte. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Man erlaubte sich kreative Freiheiten, Tom Cruise durfte seine schlanke Linie behalten (Seal benötigte eine größere Konfektionsgröße), und man entschied sich die Geschichte von ihrer humorvollen Seite zu erzählen. Es geht auch mal ins Ironische und Tragikomische, denn das verlangt die Geschichte.

Natürlich wird der Film nicht jedem gefallen, so wie hier Gesetzeshüter und Politiker rüberkommen. Ein Haufen Dumpfbacken und ein Sheriff als Präsident (Ronald Reagan). Wie hier das Gesetz mit aber wir sind die Guten, also ist das okay gebrochen wird und wieviel das Leben eines Patrioten am Ende wert ist, so etwas sieht man gerade in den USA nicht gerne. Auch die Entscheidung, Barry Seal nicht zu verurteilen wird zu Kritik führen. Aber man kann es sowieso nicht immer allen recht machen und angesichts des gewählten Erzähltons ist es nur stimmig. Apropos Kritik: Ein paar Minuten kürzer hätte der Film sein können und manche zähe Szene hätte ein make-over mit dem Rotstift gut getan.

Ein weiterer Grund warum der Film so Spaß macht ist das wirklich gelungene Zeitkolorit. Produktionsdesigner Dan Weil (César für Das Fünfte Element) arbeitet nach Die Bourne Identität erneut mit Regisseur Doug Liman (Edge of Tomorrow) zusammen und holt alles raus. Das gilt auch für die Kostüme von Jenny Gering. Diese Geschichte ist nicht nur schräg, sie konnte auch im Grunde nur zu dieser Zeit spielen. Damit sie für den Zuschauer heute glaubwürdig rüberkommt, brauchte es tolle Darstellungen der Schauspieler und perfektes Zeitkolorit. Genau das ist hier gelungen.

Fazit

Barry Seal: Only in America erzählt eine völlig schräge Story, die dank eines großartigen Tom Cruise und tollem Zeitkolorit viel Spaß macht. Iran-Contra-Affäre, das Medellín-Kartell, Ronald Reagan, Pablo Escobar, die CIA, und eine Menge Geld: dieser Film hat alles und ist trotzdem sehr witzig. Darf man das überhaupt mit Humor erzählen? Wenn man es so macht wie hier, dann ja! Der Film ist zwar einen Hauch zu lang (115 Min.) und hat ein zwei zähe Momente, aber dafür ist die deutsche Synchro mal richtig gut.

FSK: ab 12 Jahren

 

 

8
Schräger Spaß

Pros

  • Tom Cruise
  • Witzig & spannend
  • Verurteilt nicht
  • Tolles Zeitkolorit

Kontras

  • Tick zu lang
  • Einige etwas zähe Szenen
  • Für manche zu 'light' für das Thema

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8