Review: Atomic Blonde

Der weibliche John Wick – mit Vorschusslorbeeren und Hype hielt man sich im Vorfeld nicht gerade zurück. Am 24. August kommt Atomic Blonde nun in die Kinos. Eiskalt. Gnadenlos. Sexy. Verspricht zumindest das Plakat.

Die Agentin Lorraine Broughton (Charlize Theron) ist das Kronjuwel des Geheimdienstes Ihrer Majestät. Sie ist die Kombination aus Kalkül, Sinnlichkeit und unerbittlicher Härte – perfekt also, um sie ganz allein ins destabilisierte Berlin zu schicken, um ein brisantes Dossier herauszuschmuggeln. Um die gefährliche Mission bewältigen zu können, muss sie auf die Unterstützung von David Percival (James McAvoy) vertrauen, dem Stationsleiter, der in Berlin für den MI6 die Fäden zieht.

Atomic Blonde ist ein sehr, sehr stylischer Film. So stylish, als wäre eine Fotostrecke eines Hochglanzmagazins zu Leben erwacht. Wie es sich für eine solche gehört, posiert Charlize Theron auch fleißig. Es wird geprügelt, dann posiert inklusive Close-Up, weil Theron nun mal schön ist. Spioniert, posiert, Close-Up. Noch mehr geprügelt. Noch mehr posiert. Noch mehr Close-Ups. Das ergibt einen ganz eigenen Look, den man entweder sehr cool oder sehr langweilig findet. Bei 155 Min. Laufzeit ist das nicht unwichtig.

Wie John Wick hat Atomic Blonde zwei durchschlagende Argumente: Hauptdarsteller/in und Gewalt. Wenn sie kämpft, dann ist Theron ein absoluter Badass als Lorraine. Die Kämpfe sind brutal choreographiert und voller realistischer Momente – wenn hier wer quer durchs Zimmer fliegt, wird nicht in Sekunden wieder wie neu auf den Beinen gestanden. Es gibt eine Menge Action-Szenen, mehr als in dem Comic auf dem der Film basiert. Theron drehte die meisten Stunts selbst und sie gibt einem nie das Gefühl, dass Lorraine ihr Geschlecht als Handicap ansieht. Für Zartbesaitete ist dieser Film jedenfalls nichts, auch wenn hier eine Frau kämpft. Freigegeben ist der Film ab 16 Jahren.

Charlize Theron trägt diesen Film, aber leider auch eine Frisur, die auffälliger für eine Geheimagentin auf gefährlicher Mission nicht sein könnte, und eine Garderobe, die zu cool für die Zeit ist. Also nichts mit authentischem Zeitkolorit, aber vielleicht mit dem Nebeneffekt, dass 80s Parties demnächst schicker sind. Bei der Gelegenheit sollte man erwähnen, dass der Soundtrack aus lauter bekannten Songs besteht (natürlich mit 99 Luftballons und Major Tom – Völlig Losgelöst), aber zeitlich auch nicht perfekt abgestimmt ist. Einige Berliner merkten außerdem an, dass sie ihre Stadt so nicht in Erinnerungen haben. In kurz: in Sachen korrektem Zeitkolorit muss man sich halt mal locker machen.

Für Regisseur David Leitch steht Style über Inhalt, aber er war nicht mutig genug gleich auf die Story zu verzichten. So bekommt man neben Action-Prügel-Szenen, Close-Ups auf Therons Gesicht, und lesbischem Rumgefummel (mit Sofia Boutella) auch noch eine wenig originelle, aber dafür etwas wirre Story serviert. Hier hätte man ruhig vom ersten John Wick kopieren können – simpel und gradlinig. Zumal man wirklich gute Schauspieler mit Theron, McAvoy, Boutella und John Goodman hat. Warum Boutella allerdings so ein Häschen spielen muss, ist rätselhaft – oder waren die Einstellungskriterien für Agenten im Außendienst damals so niedrig? Theron zumindest braucht das nicht, um Lorraine noch stärker aussehen zu lassen.

Warum Atomic Blonde das Prädikat besonders wertvoll erhalten hat, ist eine gute Frage. Vielleicht, weil er in Berlin spielt? Vielleicht, um ein Zeichen zu setzen, dass weibliche Protagonistinnen, die ohne Rücksicht auf Verluste kämpfen, ab jetzt gesellschaftlich akzeptabel sind? Das zumindest wäre nicht das Schlechteste, denn wenn man mal in die Verlegenheit kommt, einem aufdringlichen Typ den Autoschlüssel ins Gesicht rammen zu müssen, dann könnte man sich hierauf berufen.

Fazit

Ein Film so stylish wie eine Fotostrecke eines Hochglanzmagazins. Charlize Theron prügelt sich knallhart durch eine überflüssige Story. Wer brutale Kämpfe mag, gar nicht genug Close-Ups von Therons schönem Gesicht bekommen kann, und eine gewisse Toleranz gegenüber zeitlich nicht ganz perfekten Details wie Mode und Musik besitzt, der wird an Atomic Blonde viel Freude haben. Alle anderen greifen besser zu einer Zeitschrift.

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4.5
Stylisch

Pros

  • Kampfszenen
  • Die Schauspieler
  • Stylisch gefilmt

Kontras

  • Style > Inhalt
  • Dialoge & Story
  • Zu viele Close-Ups
  • Zeitkolorit knapp daneben

Unser Fazit


Handlung
3
Präsentation
6