Review: Der dunkle Turm

Stephen King hat über 50 Romane und fast 200 Kurzgeschichten geschrieben. Seine Verkaufszahlen bewegen sich jenseits der 350 Millionen und viele seiner Werke wurden erfolgreich fürs Kino adaptiert, darunter Die Verurteilten, Carrie, Shining, Stand By Me, und Misery. Am 10. August kommt mit Der dunkle Turm (OT: The Dark Tower) die nächste Adaptation in die Kinos. Seit vielen Jahren biß man sich in Hollywood die Zähne an dem Material aus. Was lange währt wird endlich gut?

Revolvermann Roland Deschain (Idris Elba) ist der letzte seiner Art und gefangen in einem ewigen Kampf mit Walter O’Dim, auch bekannt als der Mann in Schwarz (Matthew McConaughey). Roland ist fest entschlossen, ihn daran zu hindern, den Dunklen Turm zu Fall zu bringen, der das ganze Universum zusammenhält. Das Schicksal aller Welten steht auf dem Spiel, als das Gute und das Böse in einer ultimativen Schlacht aufeinanderprallen. Denn Roland ist der Einzige, der den Dunklen Turm vor dem Mann in Schwarz verteidigen kann.

Wer lesen kann, ist im Vorteil lautet ein beliebter Spruch. An diesen müsste man im Fall von Der dunkle Turm ein * anfügen, denn was Regisseur Nikolaj Arcel (A Royal Affair) hier abliefert hat wenig mit dem Originalmaterial zu tun. Wer also die Bücher der Serie liebt und schon beim Gedanken an künstlerische Freiheiten Magenschmerzen bekommt, der muss entweder sehr tapfer sein oder besser ganz darauf verzichten. Es ist nämlich keine reine Verfilmung des ersten Bandes, sondern eher ein Pick’n’Mix aus der Reihe. Wer sie aber nicht gelesen hat, der kann – mit einigen Abstrichen – unterhaltsame 95 Minuten erleben.

Eine wichtige Voraussetzung ist nicht nur Unkenntnis über die Bücher, sondern auch die Fähigkeit, Dinge, Motivationen und Ereignisse ohne jegliche oder nur hauchdünne Erklärung akzeptieren zu können. Das Tempo, ungebremst von solch störenden Dingen wie Erklärungen, ist brutal. Aber irgendwie ist das trotzdem recht unterhaltsam. Was vor allem an Idris Elba liegt, dessen Revolvermann das Highlight von Der dunkle Turm ist. Toll an seiner Seite: Tom Taylor als Jake, dessen Shine (wie gesagt, nicht fragen!) so stark ist, dass er allein den Turm zum Fallen bringen könnte. Matthew McConaughey sieht allerdings aus wie eine wandelnde Midlife-Crisis mit seinen gefärbten Haaren, dem Outfit und dem glatten Gesicht – fehlt nur noch ein roter Sportwagen.

Würden die Zusammenhänge und Erklärungen genialer Action zum Opfer fallen, oder hätten einem die Spezialeffekte den Atem geraubt, die Kritiken wären nicht so vernichtend. Es gibt immer wieder coole Momente (besonders von Elba), aber die Qualität der Action schwankt doch arg, auch beim großen Finale. Unterhaltsam ist das zwar trotzdem, aber da wäre noch Luft nach oben gewesen. Freigegeben ist der Film übrigens ab 12 Jahren. Am Schluss kann man sich die Fragen stellen: wars das jetzt? Oder war das ein überlanger Pilot für eine Fernsehserie mit eingeschränktem Budget?

Fazit

Eine Enttäuschung für Fans der Bücher, aber ganz unterhaltsam für alle anderen dank eines überragenden Idris Elba. Voraussetzung: nicht nachdenken und vor allem keine Zusammenhänge, Erklärungen oder tolle Spezialeffekte erwarten. Das Tempo ist flott, Elba und Tom Taylor geben ein gutes Team ab, und der Film ist gnadenvoll kurz. Fans von Stephen King können außerdem zählen, wie viele Anspielungen auf andere Werke sie entdecken können.

5
Für nicht-Fans

Pros

  • Elba ist super
  • Flott & kurz
  • Unterhaltsam

Kontras

  • Keine Erklärungen
  • Das große Finale ist schwach
  • McConaughey sieht albern aus

Unser Fazit


Handlung
4
Präsentation
6