Review: Baby Driver

Es gibt Regisseure, die könnten ankündigen, dass sie das Telefonbuch verfilmen und die Fanboys- & girls würden sich den Starttermin sofort im Kalender anstreichen. Der Engländer Edgar Wright (Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, Hot Fuzz, Shaun of the Dead) ist so einer. Am 27. Juli kommt sein neuester Film Baby Driver in die Kinos. Ein Film nur für die Fans oder für alle?

Baby (Ansel Elgort) hat permanent Musik auf den Ohren, um seinen Tinitus ausblenden zu können. Er ist außerdem der talentierteste Fluchtwagenfahrer, der Gangsterboss Doc (Kevin Spacey) je untergekommen ist. Doc arbeitet nie mit derselben Crew zusammen – mit Ausnahme von Baby. Als dieser das Mädchen seiner Träume trifft (Lily James), will er die kriminelle Karriere an den Nagel hängen, aber Doc zwingt ihn, sich noch einmal für einen Heist hinter das Lenkrad zu setzen. Das Problem: der Rest der Crew tickt alles andere als zum selben Beat.

Die Story ist einfach und altbekannt: Boy meets Girl + Heist Movie. Gähn? Von wegen, denn so hat man die Story noch nie inszeniert gesehen. Edgar Wright stellte erst die Playlist zum Film zusammen und schrieb dann die Handlung und Dialoge auf den Beat genau. Genauso inszenierte er auch die Action. Das Ergebnis ist vor allem eines: saucool! Egal ob die Verfolgungsjagden im Auto oder zu Fuß stattfinden, Wright liefert eine coole Sequenz nach der anderen ab. Cool ist auch der Soundtrack, der nicht nur extrem gut zusammengestellt ist (nicht zu offensichtlich, aber auch nicht zu obskur), sondern auch noch einen wahren Geniestreich in der Verwendung von Queen’s Brighton Rock für das große Finale vorweisen kann. Das hätte allerdings einen Tick kürzer sein können, denn eine der involvierten Figuren weckt Erinnungen an Hrundi V. Bakshi (Peter Sellers), der in der Eröffnungsszene von Der Partyschreck einfach nicht sterben will.

Baby Driver liefert nicht nur überdurchschnittlich coole Action ab, auch das Drehbuch von Wright hebt ihn auf ein ganz anderes Niveau. Flache Sprüche zum fremdschämen sucht man hier vergebens. Vielleicht muss man nicht immer so laut auflachen, wie man es von seinen Kollaborationen mit Simon Pegg (Cornetto-Triologie) kennt, aber der Humor passt einfach. Außerdem hat es genau die richtige Menge Herz. Man fühlt für Baby, wenn seine Backstory enthüllt wird, aber ohne dabei in ein Tal der Tränen abzurutschen. Die aufblühende Beziehung zu Deborah ist süss, aber nicht schmalzig. Zartfühlend ist der Film allerdings nicht in Sachen Gewalt (FSK: ab 16 Jahren). Meistens passt es, aber manchmal wirkt es forciert und somit überflüssig.

Man kann Wright vorwerfen, dass Deborah die am schwächsten geschriebene Figur ist. Aber welchen Mehrwert hätte mehr Raum für sie gebracht – und hätte sich überhaupt wer dafür interessiert? Also, so wirklich und nicht nur um ein Essay über die Frauenfiguren in Wrights Filmen schreiben zu können? Immerhin hat er mit Lily James eine Schauspielerin ausgesucht, die nicht nur süss ist, sondern der Rolle mehr Leben einhaucht, als sie auf dem Papier hergibt. Baby Driver ist überhaupt toll besetzt: Kevin Spacey, Jamie Foxx, Jon Hamm und natürlich Ansel Elgort. Er mag zwar laut dem The Telegraph der douche du jour sein, aber er kann spielen. Der Film steht und fällt mit Baby – nicht zuletzt weil der Takt der Musik auf Babys iPod die Handlung bestimmt. Dank Elgort fällt hier nichts.

Fazit

Eine tolle Besetzung, saucoole Action, super Dialoge (zumindest in der OV) und ein mega Soundtrack, der das Tempo vorgibt: Baby Driver macht einfach Spaß. Er ist einen unnötigen Tick zu brutal, um ihn jedem empfehlen zu können, und gegen Ende hätte der Rotstift etwas härter angesetzt werden können, aber trotzdem liefert Wright mit Baby Driver einen der originellsten Filme seit langem ab.

Laufzeit: 112 Minuten

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9
Über-cool

Pros

  • Coole Action
  • Musik bestimmt Tempo
  • Schauspieler

Kontras

  • Boss-Battle Tick zu lang
  • 1-2x überflüssig brutal

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
9
Musik
10