Review: Dunkirk

Am 27. Juli kommt Dunkirk, der neue Film von Christopher Nolan (Interstellar, Inception, The Dark Knight-Trilogie), in die Kinos. Mit 106 Minuten nicht nur unerwartet kurz für Nolan, sondern auch für das Thema: das Evakuierungsunterfangen am Anfang des zweiten Weltkriegs, als 400.000 britischen Soldaten in Sichtweite ihrer Heimat, am Strand von Dünkirchen, der sichere Tod drohte. Warum Dunkirk nicht einfach nur schon wieder ein Kriegsfilm ist, hier unser Review:

© 2017 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. ALL RIGHTS RESERVED

Am Strand von Dünkirchen (Dunkirk) sind Hunderttausende britischer und alliierter Truppen eingekesselt. Es ist eine schier ausweglose Situation: auf der einen Seite das Meer, auf der anderen die Deutschen. Ein verzweifelter Kampf gegen die Uhr und um das Überleben beginnt: an Land, in der Luft und auf dem Meer.

Ohne das Wunder von Dünkirchen sähe die Welt heute wohl anders aus. Viele Historiker sind sich einig, dass die Kapitulation Englands unvermeidbar gewesen wäre, was den Ausgang des Krieges unweigerlich beeinflusst hätte. Eine große Geschichte mit einem Haken: Hollywood liebt Heldengeschichten und eine Flucht vor dem Feind zählt nicht dazu. Auftritt: Christoper Nolan. Ohne die üblichen Kriegsfilmelemente erzählt der britische Regisseur, der auch das Drehbuch schrieb, einen Thriller vom Kampf gegen die Uhr. Es ist nicht die Geschichte eines Helden oder zwei oder drei, sondern die von 400.000 Männern und denen, die zu ihnen kamen, um sie nach Hause zu holen.

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In Dunkirk gibt es drei Handlungsebenen, die nahtlos miteinander verflochten sind: am Strand, auf dem Meer und in der Luft. Das Besondere dabei: die Ereignisse am Strand gehen über eine Woche, ein Tag auf dem Meer und eine Stunde in der Luft. Es ist eine Meisterleistung von Nolan. Hier hakt es an keiner Stelle. Dazu zieht er langsam aber ununterbrochen die Spannungsschraube an. Unterstützt wird er darin von Hans Zimmer, dessen musikalische Untermalung der Bilder zu den Besten seiner Karriere gehört. Basierend auf dem Ticken einer Taschenuhr verstärkt die Musik das Gefühl der Ausweglosigkeit, der Beklemmung, der Bedrohung und der Zeit, die davonrinnt.

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Krieg fordert viele Opfer und nicht alle davon werden auf dem Schlachtfeld in Stücke gerissen. Nolan verzichtet auf diese Bilder, weshalb man Dunkirk auch sehen kann, wenn man nicht den Magen für den Anblick von Blut oder Gemetzel hat. Das macht ihn einem breiteren Publikum zugänglich (FSK: ab 12 Jahren), aber ohne dabei an Intensität zu verlieren. Man muss schon völlig abgestumpft sein, wenn einem die Szenen in Dunkirk nicht nahe gehen. Wenn man sieht wie schutzlos die jungen Männer am Strand den deutschen Bombern ausgeliefert sind, man die Schreie der ertrinkenden Soldaten hört oder die Verzweiflung in den Gesichtern sieht. Nur wer auf rein blutgetränkte Action hofft, der ist hier falsch.

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Dunkirk ist ein ausgesprochen Dialogarmer Film. Das funktioniert aus drei Gründen: zum einen sprechen die beeindruckenden Bilder, die Nolan mit Kameramann Hoyte van Hoytema (Interstellar) mit IMAX®- und 65mm-Filmkameras eingefangen hat, für sich. Zweitens, wegen dem bereits erwähnten Filmscore, und drittens dank der exzellenten Besetzung. Dunkirk ist ein Paradebeispiel dafür, welche Qualität ein Film erreichen kann, wenn er richtig besetzt ist. Egal ob erfahrene Schauspieler wie Sir Kenneth Branagh, Tom Hardy, Cillian Murphy, James D’Arcy und Mark Rylance, oder Newcomer wie Fionn Whitehead und Harry Styles, sie alle bringen genau das mit, was ihre Rollen benötigen. Ja, sogar Styles.

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Eine echte Entdeckung ist aber Whitehead in der Rolle des Tommy. Man erfährt nicht viel über seine Figur, er hat auch nicht viele Dialoge, aber er schafft es einem glaubwürdig zu vermitteln, wie sich diese 400.000 Männer gefühlt haben müssen. Er ist einer dieser jungen Männer, die gar nicht ahnen konnten, was auf sie zukommt. Es geht nicht darum, ein Held zu sein, sondern ums nackte Überleben. Nicht umsonst hat Nolan diese Figur Tommy genannt (brit. Slang für einfachen Fußsoldaten).

Cillian Murphys Figur hat noch nicht einmal einen Namen, denn auch sein Shivering Soldier steht stellvertretend für die unter Schock stehenden Soldaten, die das Erlebte seelisch übermannt hat. Für Murphy ist es die fünfte, für Tom Hardy die dritte Zusammenarbeit mit Nolan, und sie sind wieder einmal brilliant in ihren Rollen. Hardy hat als Spitfire-Pilot kaum Raum und sein Gesicht ist teils verdeckt und trotzdem bringt er eine ganze Bandbreite an Emotionen rüber ohne over-acting. Die Flugkämpfe wurden übrigens real gefilmt – ein Aufwand, der sich ausgezahlt hat.

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Fazit

Christopher Nolan braucht weder überzogenes Heldentum, noch abgetrennte Gliedmaße oder groß Dialoge, um den Horror des Krieges spürbar zu machen. Kein typischer Kriegsfilm, sondern eher ein Thriller, ist Dunkirk vor allem eins: Erzählkunst auf höchstem Niveau. Extrem spannend, intensiv, und bewegend dank perfekter Inszenierung mit beindruckend gefilmten Bilder, tollen Darstellern, und sensationeller musikalischer Untermalung.

Tipp: Wer die Möglichkeit hat, Dunkirk in einem IMAX®-Kino zu sehen, sollte dies allein schon für die Luftkämpfe tun.

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10
Beindruckend

Pros

  • Spannend & bewegend
  • Erzählstruktur & Timing
  • Musik
  • Darsteller
  • Luftkämpfe

Kontras

  • Nichts!

Unser Fazit


Handlung
10
Präsentation
10