Review: Valerian

Am 20. Juli ist mit Valerian der mit Spannung erwartete neue Film von Luc Bessons (Das fünfte Element, Lucy) angelaufen. Die französische Comic-Serie Valerian und Veronique (OT: Valérian et Laureline), die 1967 zum ersten Mal erschien, ist Kult. Hat auch der Film das Potential dazu?

Wir schreiben das 28. Jahrhundert, Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) sind Spezialagenten der Regierung. Auf Anordnung ihres Kommandanten (Clive Owen) begeben sie sich auf eine Sondermission in die atemberaubende, intergalaktische Stadt Alpha: einer Mega-Metropole, die Tausende verschiedener Spezies aus den entlegensten Winkeln des Universums beheimatet. Die siebzehn Millionen Einwohner haben sich über die Zeiten einander angenähert und ihre Talente, Technologien und Ressourcen zum Vorteil aller vereint. Doch nicht jeder in der Stadt der Tausend Planeten verfolgt dieselben Ziele – im Verborgenen wächst eine dunkle Macht heran, die nicht nur Alpha, sondern die gesamte Galaxie in Gefahr bringt.

Ob der Film eine würdige Adaption ist, dass müssen andere beantworten. Was aber taugt der Film, wenn man nur eine flüchtige oder gar keine Bekanntschaft mit der Vorlage hatte? Das Positive zuerst: das Color-Grading, einfacher gesagt wie die Farben rüberkommen, ist wirklich toll. Es ist eine leuchtende Farbenpracht, die jeden noch so teuren Buntstiftkasten vor Neid erblassen lässt. Kombiniert mit fantasievollen Ideen entstehen so fremde Welten, die auf der Skala von faszinierend bis kitschiges Poster reichen. Manches mag einem bekannt vorkommen, aber das liegt oft daran, dass viele Sci-Fi Filme sich Inspiration aus den Comics geholt haben. Optisch macht Valerian jedenfalls einiges her. Auch die Einleitung fängt super an und lässt auf tolle Unterhaltung hoffen.

Luc Besson, das wird einem schnell klar, hat sich bei diesem Film keine kreativen Grenzen gesetzt. Sein Film ist in Sachen Opulenz das Versailles des Sci-Fi. Aber wie so mancher Günstling am französischen Hof, sind auch die Figuren in Valerian hohle Figuren, deren Anwesenheit eher dekorativen Zwecken dient. Und so wenig wie es vermutlich den Sonnenkönig interessierte, ob Jean-Baptiste noch etwas anderes konnte, als ihn zu amüsieren, so wenig interessiert hier das Schicksal von Valerian und Laureline, von den Pearls mal ganz zu schweigen. Dieser Film ist vollgestopft mit allem – nur in Sachen Story, Dialoge und Charaktere sieht es dünn aus.

Die Story ist simpel und wenig originell. Als roter Faden, der durch so coole Dinge führt wie einen Markt, der auf mehreren Dimensionsebenen existiert, ist das im Grunde ausreichend. Aber Besson will mehr und fängt an, sie künstlich zu verschachteln und betont dabei unfreiwillig, wie langweilig das Ganze im Grunde ist. Es hilft nicht, dass die Dialoge zum fremdschämen sind. Ganz besonders zwischen Valerian und Laureline. Man fühlt sich wie Rocket in Guardians of the Galaxy 2, als er sich dringend Klebeband wünscht – nur das hier nicht verhindert werden soll, dass auf ein atomares Knöpfchen gedrückt wird, sondern dass die beiden Hauptcharaktere noch einmal den Mund aufmachen. Dane DeHaan ist sonst ein wirklich guter Schauspieler, aber hier völlig fehlbesetzt, genauso wie Delvigne. Hinge ihr Leben von der Chemie zwischen ihnen ab, man könnte einen Kranz bestellen, noch bevor die 137 Minuten rum sind.

Das beste Beispiel dafür, dass Besson ganz dringend einen Editor mit Rotstift gebraucht hätte, sind die drei Bizarro-Enten, die für Humor sorgen sollen. Es sind die nervigsten CGI-Kreaturen seit Jar Jar Binks. Bei anderen Figuren ist es halt teils Geschmacksache. Ein besserer Bösewicht wäre auch keine schlechte Idee gewesen. Ein Blick auf sein Gesicht und man weiß: der da. Was ungefähr so viel Spannung aufbaut wie .. naja, halt nichts. Die unterhaltsamsten Figuren sind Ethan Hawke in einem Kurzauftritt als völlig durchgeknallter Besitzer eines Rotlicht-Etablissements und Rihanna als Bubbly (dieser Name…), einer Gestaltwandlerin. Das ist einfach zu wenig.

.

Fazit

Fantasievolle Welten in leuchtend üppigen Farben, aber es ist so spannend, wie einen Malkasten 137 Minuten lang anzustarren, und so ermüdend wie sich das komplette Louvre an einem Tag zu geben. Valerian fängt toll an, aber was der Film in Sachen Kreativität an Überfluss hat, fehlt dafür bei Handlung und Figuren.

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4
Bunt

Pros

  • Das Color-Grading
  • Hawke & Rihanna
  • Der Anfang

Kontras

  • Die Dialoge & Darsteller
  • Die Story
  • Die "Enten"

Unser Fazit


Handlung
3
Präsentation
5