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Review: Castlevania (Netflix)

Netflix hat die Retrogamer für sich entdeckt: Castlevania, eine der Gaming-Serien der frühen 1990er, bekam am 7. Juli seine erste Umsetzung als Animationsserie. Doch nicht nur die Spiele von Konami, sondern auch andere Serien lieferten offensichtliche Inspiration für die vierteilige erste Staffel.

Worum geht es?

Castlevania ist eine Horrorspiel-Reihe des Entwicklers Konami. Auf 20 Spiele kommt die Reihe dabei seit der Veröffentlichung des ersten Teils 1987 auf dem Nintendo Entertainment System. Im Mittelpunkt der Reihe steht der Kampf gegen den Vampir Dracula und seine Dämonenarmee; die Protagonisten sind in den frühen Teilen verschiedene Mitglieder der Vampirjäger-Familie Belmont, später kommen weitere Charaktere wie Draculas Sohn Alucard hinzu. Die Netflix-Serie basiert auf dem dritten Teil, “Dracula’s Curse” aus dem Jahr 1990. Ein Vorwissen über die umfangreiche Hintergrundgeschichte der Reihe ist nicht notwendig, um die Netflix-Adaption von Castlevania zu verstehen.

Wenn Graf Dracula einlädt, sagt man nicht “Nein” – insbesondere wenn seine Bibliothek mit dem Wissen der Jahrhunderte glänzt.

Anders als das NES-Vorbild nimmt die Serie sich viel Zeit, um den Plot vorzubereiten – Draculas Beweggründe für den Angriff auf die Menschheit nehmen fast die gesamte erste Folge ein. Erst in den letzten paar Minuten wird die Figur des Trevor Belmont eingeführt – als betrunkener und gar nicht heldenhafter Landstreicher, der mehr Menschen als Dämonen ausknockt. Später in der Serie entdeckt Trevor jedoch seinen Kampfeswillen, als die katholische Kirche ihn für den Feldzug gegen Dracula rekrutieren will und dabei die Gräueltaten der Kirche aufdeckt.

Nichts für zarte Gemüter

Netflix positioniert Castlevania als Animationsfilm für Erwachsene. Dementsprechend hoch ist der Gehalt an (Splatter-)Horror. Augen werden herausgerissen, Stadtbevölkerung in der Mitte zerteilt und das Blut fließt in Strömen. Für allzu empfindliche Naturen ist Castlevania definitiv nichts.

Die Waffe der Belmonts ist die Peitsche. Und sie trennt Gliedmaßen so sauber ab wie ein Schwert.

Der Zeichenstil ist an japanische Animes der 1990er angelehnt; jedoch sieht man vor allem in Bewegung, dass es hier nur bei einer Hommage bleibt: Während die Hintergründe pure Atmosphäre versprühen, fällt der ruckelige Animationsstil vor allem bei hektischeren Szenen sofort auf – hier fehlte entweder Budget oder Zeit für mehr gezeichnete Frames. Die Hintergründe sind jedoch ausnahmslos so atmosphärisch, dass man jede Szene für sich alleine als Bildschirmhintergrund nehmen könnte.

Schon nach ca. 90 Minuten flimmert der Abspann der vierten und letzten Folge der Staffel 1 über den Bildschirm. Die Geschichte hat zu dem Punkt gerade erst Fahrt aufgenommen. Es bleibt das fade Gefühl, dass die Staffel auch als (Pilot-)Film hätte erscheinen können, ohne an Intensität einzubüßen. Der große Bösewicht Dracula ist erst in der (bereits bestätigten) zweiten Staffel dran. So wirkt Castlevania eher flach, bevor das Monsterschnetzeln richtig los geht.

Fazit

Netflix’ Castlevania ist nicht mehr als ein Appetithappen, was noch bevorsteht: Mit soliden Animationen, einem diversen Synchronsprecher-Cast im Deutschen wie im Englischen und viel World Building in den ersten vier Folgen bin ich zumindest angefixt, in welche Richtung sich die Serie in der zweiten Staffel bewegt. Castlevania ist nicht perfekt, aber kurzweilige Horror-Mystery mit Luft nach oben.

Die komplette erste Staffel Castlevania ist seit dem 7. Juli 2017 über Netflix abrufbar.