BD Review: The Missing – Staffel 1

The Missing: Eine Krimi-Serie die 2006 während der Fußball-WM spielt – also Sommermärchen mit Spannung? Nein, kein Sommermärchen! Warum dann ansehen? Etwa nur weil die Times sie mit “Hervorragend” bewertete und Variety verkündete: “Das dürfen Sie nicht verpassen!”? Warum die 8-teilige Serie ein absolutes Krimi-Highlight ist und ob sich die Anschaffung fürs Heimkino lohnt, hier unser Review.

Nordfrankreich, 2006, während der Fußball-WM: Der Familienurlaub von Tony und Emily Hughes (James Nesbitt, Frances O’Connor) endet in einem furchtbaren Albtraum. Im kleinen Städtchen Chalons Du Bois verliert Tony seinen fünfjähriger Sohn Oliver (Oliver Hunt) in einer jubelnden Menschenmenge. Die Polizei startet umgehend eine Suchaktion und beordert Julien Baptiste (Tchéky Karyo), einen der renommiertesten Ermittler Frankreichs, in den kleinen Ort. Doch ohne Erfolg. Acht Jahre später kehrt Tony Hughes an den Ort des Verbrechens zurück. Schuldgefühle und Schmerz haben seine Ehe zerstört, doch während Emily in einer anderen Beziehung den Neuanfang gewagt hat, sucht Tony weiter wie besessen seinen Sohn. Als neue Hinweise auftauchen, wird auch das Interesse des mittlerweile pensionierten Julien Baptiste wieder entfacht…

Im Sommer 2006 stand eines im Mittelpunkt: Fußball. Das Wetter war schön, die Stimmung super. Auch in dem kleinen Ort in Frankreich wo The Missing spielt ist die WM allgegenwärtig. In den Dekorationen, den Feiern und natürlich den Live-Übertragungen. Natürlich kommen einem als Zuschauer da Erinnerungen hoch und es stellt sich wohl bei den meisten eine positive Stimmung ein. Als ein Tor fällt und die Franzosen in der Bar in Jubelstürme ausbrechen, geht Oliver verloren. Es ist der Anfang vom Ende von Tony und Emily Hughes eigenem Sommermärchen und der positiven Stimmung des Zuschauers. Die Symbolik der Situation bietet sich nicht nur für Interpretationen an, sie bereitet auch die Bühne vor für alles, was danach kommt und da sollte man sich emotional für einiges wappnen.

Die Geschichte wird auf zwei Handlungsebenen (2006 und 2014) erzählt, wobei die neuere immer wieder durch Rückblenden/Erinnerungen ergänzt wird. Die Übergänge sind geschmeidig und vor allem sinnvoll. Nichts nervt mehr als eine Rückblende ohne Mehrwert. Hier aber ist jede ein vermeintliches Puzzlestückchen. Regisseur Tom Shankland schafft es zudem, dass man als Zuschauer sehr schnell bei jeder Rückblende sinistre Motive der jeweilig gezeigten Figuren vermutet. Dank seiner Erzählstruktur, den Bildern und natürlich nicht zuletzt seiner exzellenten Besetzung setzt sich schon in der ersten Folge ein Gefühl der Beunruhigung ein, dass einen nicht mehr verlässt bis zum Ende. Jeder könnte es gewesen sein. Jeder könnte etwas wissen.

Es gibt keine Leiche, also gibt es Hoffnung – oder doch nicht? Eine Spoiler-freie Kritik zu einer Krimi-Serie wie dieser zu schreiben, verlangt einiges vage zu lassen. Zum Beispiel kann man zum Ende eigentlich nur sagen, dass nicht jeder damit glücklich sein wird, es aber durchaus konsequent ist. Auf dem Weg zur Auflösung gibt es auch einiges, was man diskutieren könnte, aber man lässt es besser. Es reicht zu sagen, dass The Missing um mehr geht, als ‘nur’ ein verschwundenes Kind. Die Serie zeigt sehr eindringlich, was mit dem Umfeld in so einem Fall passiert. Wie die Menschen damit umgehen, nicht nur die Eltern, auch die Ermittler, die Menschen im Ort, vom Hotelier bis zum Bürgermeister.

Es ist die ganz große Stärke von The  Missing, dass man sieht, wie der Vorfall nicht nur unmittelbar auf die Menschen wirkt, sondern dass man ihre Reaktionen, als der Fall neu aufgerollt wird und langsam Licht in das Dunkel gebracht wird, beobachten kann. Das ist mitunter gar nicht so einfach anzusehen – nicht nur für Eltern. Jede Folge hört so auf, dass man wissen will, wie es weitergeht, aber zwischendurch gibt es immer wieder Momente, wo man sich nicht sicher ist, ob man bereit für das ist, was jetzt vermutlich kommen wird. Nicht umsonst wird die Serie mit Broadchurch verglichen.

Bild & Ton & Extras

Für eine TV-Produktion ist die Qualität gut. Das Bildformat kommt in 1,78:1 / 1080p25 / AVC. Wenn man bewusster darauf achtet, fallen einem leichte Schärfeschwankung auf, aber das Bild ist völlig in Ordnung auf einem durchschnittlichen Bildschirm. Wie so oft kommen Details in dunkleren Szenen nicht wirklich zur Geltung, aber dafür gibt es nur einen minimalen Punktabzug. Wirklich gelungen ist die Farbgebung, denn die beiden Erzählebenen werden in zwei unterschiedlichen Tönen eingefangen. Das ist nicht nur ein Gimmick, sondern trägt sehr zur Stimmung bei.

Die erste Staffel kommt in Deutsch (DTS-HD 5.1) und Englisch (DTS-HD 5.1). Weil die Serie extrem dialoglastig ist, ist es besonders erfreulich, dass der Ton klar ist und man nicht das Volume auf Maximum drehen muss, um etwas zu verstehen. Da es keine großen Soundeffekte gibt und kein Orchester dem Zuschauer in dramatischen Tönen vorschreibt, was es zu fühlen hat,  und es somit nicht zu permanenten Schwankungen zwischen Dialogen und Musik kommt, kann man auch die Fernbedienung aus der Hand legen. Nur um das Potential einer edlen Anlage zu testen, dafür gibt diese Serie nichts her.

Die Blu-ray kommt mit Pappschuber, Wendecover und einem kleinen Booklet, in dem die einzelnen Episoden mit ein paar Zeilen vorgestellt werden.Die filmischen Extras sind die große Schwäche dieser Veröffentlichung. Die kurzen Clips/Featurettes zu den einzelnen Episoden, hätte man sich sparen können. Wir sparen uns eine ausführliche Besprechung und nehmen sie auch nicht in die Gesamtbewertung mit auf, weil sie den Eindruck verfälschen würden.

Fazit

Von wegen Sommermärchen, Sonne, Leichtigkeit. The Missing ist emotional keine leichte Kost, aber wer sich daran wagt, wird mit einem sehr spannenden, beunruhigenden und aufwühlenden Krimi belohnt, der mehr ist als nur ein Whodunnit. Die Anschaffung fürs Heimkino lohnt sich auf jeden Fall. Nicht wegen der Extras, sondern weil The Missing zum binge-watchen einlädt, es Szenen gibt, nach denen man auf Pause drücken will, weil man mal durchatmen muss, und weil man manche nochmal sehen will, um sicher zu gehen, dass man nichts verpasst hat.

FSK: ab 16 Jahren


The Missing - Staffel 1 [Blu-ray] Studio: Edel Germany GmbH Erscheinungsdatum: 21. April 2017 Laufzeit: 480 Minuten EUR 13,50 bei Amazon.de (Partnerlink)


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8.5
Stark

Pros

  • Die Kombi der Zeitebenen
  • Toll gespielt
  • Spannend, beunruhigend, aufwühlend

Kontras

  • Das Ende wird nicht jedem gefallen
  • Mickrige Extras

Unser Fazit


Staffel
9
Bild & Ton
8