Review: Die Erfindung der Wahrheit

Am 6. Juli kommt mit Die Erfindung der Wahrheit (OT: Miss Sloane) ein Film in die Kinos, der in den USA alles andere als mit offenen Armen empfangen wurde. Dabei spielt die im Moment extrem gefragte Jessica Chastain die Hauptrolle. Nun, vielleicht floppte er ja, gerade weil er gut ist – dreht sich die Geschichte doch um Lobbyismus und Waffenkontrolle.

I’m a gold medalist in ethical limbo.

In Washington, wo politische Einflussnahme hinter den Kulissen ein lukratives Geschäft ist, ist Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) der Star der Branche. Die brillante, selbstsichere und völlig skrupellose Lobbyistin der alteingesessenen Kanzlei George Dupont ist berüchtigt für ihr ihre Rücksichtslosigkeit und ihre zahllosen Erfolge. Für die mächtige Waffenlobby ist sie die Frau der Stunde, um ein neues unliebsames Waffengesetz zu verhindern. Doch Sloane verfolgt ihre eigenen Ziele und wechselt nach einem Streit mit Dupont überraschend die Seiten. Die Waffenlobby sieht sich plötzlich einer unberechenbaren Gegnerin gegenüber. Sloane nimmt den härtesten Kampf ihrer Karriere in Angriff und beginnt zu ahnen, dass der Preis für den Erfolg etwas zu hoch sein könnte.

Jonathan Perera (Drehbuch) und Jessica Chastain bringen mit Elizabeth Sloane eine Figur in die Kinos, die von Anfang an gar nicht unsere Zustimmung sucht. Sie ist ein Karrieremensch, ein Arbeitstier ohne Feingefühl im Umgang mit ihren Mitarbeitern, sie bezahlt für Sex – im Grunde ist sie ein klassisch männlicher Protagonist. Dank einer herausragenden Darstellung von Chastain, die allein schon diesen Film sehenswert macht, lehnt man sie aber nicht ab, sondern folgt ihr fasziniert und beginnt auch mit der Zeit sie besser zu verstehen – ohne dass man sie je völlig durchschaut.

Perera, ein studierter Anwalt, legt in seinem dialoglastigen Drehbuch ein Debüt hin, dass gar nicht trocken, sondern spannend, intelligent und überraschend ist und einen über die vollen 135 Minuten zu fesseln vermag – ganz ohne Action und Gedöns. Es hat zudem eine sehr gute Erzählstruktur und ist sehr verständlich (keine Selbstverständlichkeit beim Thema Lobbyismus). Es ist die starke Basis auf der das beeindruckende Schauspiel-Ensemble (John Lithgow, Gugu Mbatha-Raw, Michael Stuhlbarg, Alison Pill) und die Inszenierung von Regisseur John Madden (Shakespeare in Love, Best Exotic Marigold Hotel) aufbauen.

Nach Kritikpunkten muss man wirklich suchen, es sei denn, man verteufelt grundsätzlich den “linken” Ansatz zur Waffenthematik. Es sind mehr so Kleinigkeiten wie die Sache mit der Abhör-Kakerlake, die mehr nach Film als nach Realität wirken, oder Chastains perfekter Look – wann findet sie nur die Zeit sich perfekt vorzubereiten und zu stylen?

Fazit

Die Erfindung der Wahrheit ist ein spannender und intelligenter Polit- bzw Lobbyismusthriller mit einer herausragenden Jessica Chastain. Fans des Genres, die auch mal auf eine Verfolgungsjagd verzichten können, und Polit-Journalismus-Thrillern à la Robert Redford sollten sich diesen Film nicht entgehen lassen.

FSK: ab 12 Jahren

 

8.5
Fesselnd

Pros

  • Sehr spannend
  • Jessica Chastain & Ensemble
  • Intelligentes Drehbuch

Kontras

  • Glaubwürdigkeitskleinigkeiten z.B. Abhör-Kakerlake

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
9