Review: Die Verführten

Für Die Verführten gewann Sofia Coppola (Lost in Translation) in Cannes den begehrten und prestigereichen Preis für die beste Regie. Jetzt (29. Juni) läuft der Film auch in Deutschland an. Das Feuilleton lobt den Film in den höchsten Tönen. Sollte einen das abschrecken?

Es ist das Jahr 1864 und in Amerika tobt der Bürgerkrieg. In einem Mädcheninternat in Virginia versucht Miss Martha (Nicole Kidman) ihre fünf Schülerinnen und die Lehrerin Edwina (Kirsten Dunst) zu beschützen. Als eines der Mädchen eines Tages einen verletzten Soldaten (Colin Farrell) entdeckt und zur Pflege in die Schule bringt, gerät das geregelte Leben der Frauen durch seine Anwesenheit aus den Fugen. Eigentlich müssten sie ihn ausliefern, gehört er doch dem Feind an, aber sie beschließen ihn zuerst gesund zu pflegen. Schon nach kurzer Zeit erliegen die Frauen dem Charme des Soldaten – Eifersucht und Intrigen vergiften zunehmend das Zusammenleben. Es beginnt ein erotisch aufgeladenes Spiel mit unerwarteten Wendungen, das Opfer fordern wird.

Wer Sofia Coppola Filme generell mag, wird auch hier nicht enttäuscht werden. Sie gehört zu den Regisseuren, die ihren eigenen Stil gefunden haben. Coppola lässt sich beim erzählen nicht hetzen, trotzdem ist ihr Film nur 93 Minuten lang. Kurz kommt er einem trotzdem nicht vor, nicht weil er etwa langweilig wäre, nein, es ist die schwüle, drückende und unterschwellig immer bedrohlichere Atmosphäre, die den Film gleichzeitig sehr stimmungsvoll und auch etwas anstrengend macht. Letzteres ist durchaus als Kompliment gemeint, denn Coppola schafft es diese Südstaatenschwüle perfekt in ihren ausgesuchten Bildern einzufangen.

Die Verführten, für das Coppola auch das Drehbuch schrieb, ist ein Genremix. Vordergründig ein Melodrama, aber mit Horror- und Thriller-Elementen und auch Humor. Wer gerne darüber diskutiert, was ein Film ist (und auch was er will), dem kann man diesen nur ans Herz legen. Natürlich ist er prächtig und mit Auge fürs Detail ausgestattet und die Musik (von Phoenix) perfekt ausgesucht – halt typisch Coppola. Das absolute Highlight ist aber die geniale Besetzung. Nicole Kidman ist fantastisch und auch Kirsten Dunst, Elle Fanning und die Jungschauspielerinnen Oona Laurence, Angourie Rice, Emma Howard und Addison Riecke könnten nicht besser sein. Colin Farrells Darstellung begeisterte dazu viele und sie ist sicherlich eine seiner besten bisher, trotzdem muss die Anmerkung erlaubt sein, dass er gelegentlich als einziger des Ensembles verkleidet wirkt.

Wie erwähnt, liefert der Film viel Stoff zum diskutieren. Man kann ihn mit Betrogen (1971, mit Clint Eastwood) vergleichen, der ersten Adaption des Romans von Thomas P. Cullinan. Dann gibt es die Bildsprache und die weibliche Perspektive aus der hier erzählt wird. Man darf auch ruhig diskutieren: warum diese Geschichte neu verfilmen? Ist sie zwar formvollendet präsentiert, aber letztendlich nicht doch überflüssig? Und: taugt der Film auch was, wenn man einfach nur unterhalten werden will, ohne sich anschließend den Mund über einem Glas Wein fusselig zu reden? Natürlich, aber es ist halt schon sehr bildlastige und entschleunigte Unterhaltung. Das Ende wird manchem trotzdem etwas gehetzt daherkommen, aber die Situation hat ja auch etwas in sich hineinsteigerndes.

Fazit

Sofia Coppola beweist wieder einmal, dass sie ein Händchen für Stimmung, Ausstattung, Musik und Besetzung hat. Die Südstaatenschwüle, die den Film durchzieht, und das Tempo sind nicht für jedermann, aber es ist definitiv ein Film, über den man reden kann. Eine gute Alternative zum Blockbusterkino, nicht nur für Feuilleton Leser, Coppola Fans und Filmstudenten.

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7

Pros

  • Tolles Ensemble
  • Bildsprache
  • Ausstattung

Kontras

  • Anstrengend
  • Ende etwas gehetzt
  • Irgendwie überflüssig

Unser Fazit


Handlung
6
Präsentation
8