Review: Loving

Am 15. Juni kommt mit Loving die Verfilmung einer wahren Geschichte in die Kinos. Joel Edgerton erhielt für seine Rolle eine Golden Globe-Nominierung, Ruth Negga sogar eine Golden Globe- und eine Oscar-Nominierung. Dabei spielen sie eigentlich nur verliebtes Paar, das heiratet. Warum also überschlug sich die englischsprachige Presse bereits mit Lob?

1958, Virginia, USA. Richard (Joel Edgerton) und Mildred (Ruth Negga) sind verliebt und wollen heiraten. Aber eine Ehe zwischen schwarz und weiß ist in ihrer Heimat Virginia verboten, also reisen sie in das liberalere Washington DC. Doch die Freude währt nur kurz. Nach ihrer Rückkehr werden sie von der Polizei verhaftet und man stellt sie vor die Wahl: Ein getrenntes Leben in Virginia oder ein gemeinsames Leben fern ihrer Heimat, ihrer Familien, ihrer Freunde. Aber Richard und Mildred geben weder sich selbst noch ihre Ehe auf und so landet ihr Fall 1967 im letzten Schritt vor dem obersten US-Gerichtshof.

Dass man heute in den USA seinen Partner heiraten kann, auch wenn er anderer Hautfarbe ist, verdanken wir Mildred und Richard Loving, deren Anwalt und Robert F. Kennedy. Dabei waren die Lovings keine Bürgerrechtler, die sich lautstark die Aufmerksamkeit der Medien und Bevölkerung sicherten. Im Gegenteil. Das Paar aus einfachen Verhältnissen wollte einfach nur in Ruhe und Frieden das, was für Paare gleicher Hautfarbe Normalität war. Es ist Regisseur Jeff Nichols, der auch das Drehbuch schrieb, hoch anzurechnen, dass er die Geschichte auch so verfilmte. Er nahm sich keine kreativen Freiheiten, um künstliches Drama zu erzeugen, und verzichtete auf einen konstruierten Spannungsbogen. Es ist ein würdevoller Film.

Nichols Entscheidung, die Geschichte für sich sprechen zu lassen, funktioniert, weil er aus seinen beiden Hauptdarsteller zwei nuancierte, zurückhaltende und doch intensive Darstellungen herausholt. Die Lovings sind kein eloquentes Paar voller großer Gesten – ein Blick sagt hier mehr als tausend Worte und besonders Ruth Negga brilliert darin. Es ist auch ihrem und Edgertons Können zu verdanken, dass die Lovings hier nicht als simpel rüberkommen. Nie zweifelt man an der Liebe dieser beiden, obwohl der Film immer eine gewisse Distanz bewahrt. Mancher wird diese bemängeln, sind wir es doch gewohnt, in die Köpfe und Schlafzimmer der Protagonisten sehen zu können. Aber für einen Film der Ende der 50er Jahre spielt, ist etwas mehr Zurückhaltung durchaus passend  – und es ist respektvoll gegenüber den Lovings, die nie das Rampenlicht gesucht haben.

Der Preis für Nichols Erzählweise ist natürlich, dass manchem die 123 Minuten etwas lang und fast schon zu unaufgeregt vorkommen können. Es ist aber auch eine gute Umsetzung der neun langen Jahre, in denen die Lovings im Grunde einfach hilflos abwarten mussten. Hätte Nichols das mal hoppla-di-hopp in einer 5 Minuten Montage zusammengefasst, wäre es dem Zuschauer so eindringlich bewusst geworden? Vielleicht. Wahrscheinlich aber eher nicht.

Neben Negga und Edgerton verblassen die Nebendarsteller etwas. Wer zudem gerade erst Baywatch gesehen hat, könnte beim Anblick von Jon Bass anfangs leichte Probleme haben, ihn ernst zu nehmen. Zum Glück legt sich das aber schnell, denn er spielt hier sehr gut – und darf seinen Anzug anbehalten. Herausragend sind auch das Décor, die Kostüme, Haare & Make-Up – in kurz, alles was zum Zeitkolorit beiträgt. Schön nostalgisch aus der Sicht unserer Zeit der medialen Selbstdarstellung ist übrigens die Szene mit dem Time Fotografen.

Fazit

Eine stille Geschichte einer großen Liebe, die Amerika veränderte. Wer ruhig erzählte Filme mit tollen, nuancierten Darstellungen liebt, findet hier eine berührende und lohnenswerte Alternative zum aktuellen Blockbusterkino. Auch wer sich beklagt, die großen Filmstudios würde nur Filme für Teenager machen: hier bitte.

FSK: ab 6 Jahren

 

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7.5
Liebenswert

Pros

  • Tolle Hauptdarsteller
  • Zeitkolorit
  • Elegant zurückhaltend

Kontras

  • Keine Spannungskurve
  • Distanz zum Zuschauer
  • Tick zu lang

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
7