Review: Born to be Blue

Chet Baker. Wer kennt ihn nicht? Naja, außer Jazz Liebhabern, Besitzer von umfangreichen Plattensammlungen oder denjenigen, welche seinen Namen in den Bosch-Romanen von Michael Connelly gelesen haben. Eine Möglichkeit zum Kennenlernen gibt es ab dem 8. Juni mit Born to be Blue im Kino.

Der Film erzählt von einem Wendepunkt im Leben des legendären Jazz-Trompeters Chet Baker (Ethan Hawke). Nach einem kometenhaften Aufstieg in den 1950er Jahren, gefeiert als der James Dean of Jazz und King of Cool, war Baker schon zehn Jahre später am Ende. Zerrissen von seinen inneren Dämonen und den Exzessen des Musikerlebens, begegnet er einer Frau (Carmen Ejogo), mit der wieder alles möglich scheint. Angefeuert von seiner neuen Leidenschaft und ihrem bedingungslosen Glauben an ihn, kämpft sich Baker wieder zurück und erschafft so einige der unvergesslichsten Aufnahmen seiner Karriere.

Born to be Blue ist kein normales Biopic, denn es beansprucht für sich nicht der Wahrheit zu entsprechen. Der Film von Regisseur Robert Budreau, der auch das Drehbuch schrieb, ist mehr so etwas wie ein Meta-Biopic und eine filmische Liebeserklärung. Er mischt ungeniert Fakten mit Fiktion, so ist beispielsweise Carmen Ejogos (toll!) Rolle eine fiktive Kombination aus verschiedenen Frauen aus Bakers Leben. Die fast schon impressionistische Erzählweise fühlt sich dabei aber durchaus geschmeidig an – es ist fast ein bisschen wie beim Jazz, der Film folgt seinen eigenen Regeln, aber irgendwie man kommt doch mit.

Was dieses Künstler-Biopic auszeichnet sind vor allem zwei Dinge: zum einen richtet es nicht und zum anderen liefert Ethan Hawke eine sensationelle Darstellung ab, die es verdient mit Superlativen gelobt zu werden. Weil er alles rausholt funktioniert dieser Film überhaupt erst. Interessant ist auch, dass dies eine Geschichte eines weißen Mannes ist, der seine Leidenschaft ausgerechnet in einem Genre findet, das von Farbigen dominiert wurde. Heute ist es ja große Mode immer die Minderheiten-Karte zu ziehen, aber Budreau ist klug genug, dass schön sein zu lassen. Er weiß, dass es ein interessanter Aspekt an der Geschichte ist, aber nicht der Knackpunkt.

Budreau setzt die Musik würdig in Szene. Auch als ein musikalischer Höhepunkt Hand in Hand mit einem tragischen Moment kommt, lässt Budreau die Musik und den Moment für sich sprechen. Trotzdem ist Born to be Blue nicht perfekt. Es ist ein Film wie eine Melodie, die nie nach höheren Tönen ausschert. Die Geschichte hat zwar Höhe- und Tiefpunkte, aber das Tempo des Films ist eher gleichmäßig – gleichmäßig langsam. Manchmal zu langsam, man sollte also eine ruhigere Erzählweise mögen. Dafür ist er mit 97 Minuten nicht zu lang. Die Erzählweise lässt auch nicht zu, dass viele offene Fragen über Chet Bakers Leben geklärt werden.

Fazit

Born to be Blue ist ein gelungenes, wenn auch nicht klassisches Biopic über einen der berühmtesten Trompeter der Welt. Ethan Hawke ist sensationell als Chet Baker. Zusammen mit der Musik, dem gesamten Cast, dem Zeitkolorit und auch dem Mix aus Wahrheit und Fiktion macht Hawke den Film zu einem Must-See für Freunde von Jazz und Chet Baker. Antworten liefert der Film zwar nicht, aber ein Gefühl dafür, wer Chet Baker vielleicht war.

 

7.5
Interessant

Pros

  • Hawke spielt beeindruckend
  • Interessanter Mix aus Fakten & Fiktion
  • Urteilt nicht

Kontras

  • Gemächliche Erzählweise
  • Mix aus Fakten & Fiktion
  • Liefert kaum Antworten

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
8