Review: Baywatch

Die Kultserie aus den 90ern ist zurück: Baywatch eröffnet am 1. Juni die Badesaison in den deutschen Kinos. Damit aber nicht nur alle Nostalgiker ins Kino rennen, tritt Megastar Dwayne Johnson in die Fußstapfen des Oberrettungsschwimmers David Hasselhoff und wacht als Mitch Buchannon mit Argusaugen über den Strand von Miami. Kultserie – Kultfilm?

Er hat seinen Strand fest im Griff: Mitch Buchannon (Dwayne Johnson) ist der lässigste Rettungsschwimmer von Miami Beach mit dem heißesten und fähigsten Team an seiner Seite. Auch Neuzugang Matt Brody (Zac Efron) passt optisch und sportlich ins Team, aber er ist kein Teamplayer. Das wiederum ist der andere Neuzugang Ronnie (Jon Bass), dem es dafür an der Sportlichkeit und Optik etwas hapert – weswegen er sich nicht traut, der bildhübschen CJ (Kelly Rohrbach) seine Liebe zu gestehen. Als hätte Mitch nicht schon genug mit der Unruhe in seinem Team zu tun, steht auch noch die Zukunft seiner geliebten Bucht auf dem Spiel und nur zusammen können sie sie retten.

Der sonnige Strand von Malibu, der rote Badeanzug, Pamela Anderson und natürlich die Zeitlupe – genauer gesagt Pamela Anderson im roten Badezug in Zeitlupe – wer erinnert sich schon an die Handlung von Baywatch? Wen kümmerte die Handlung? Wie schwierig kann es also sein, Baywatch auf die große Leinwand zu bringen? Nun, manche Leute machen sich halt das Leben gern selbst schwer – wie beispielsweise Regisseur Seth Gordon und sein Team von Drehbuchautoren. Wieso Zeit und Energie in eine (Thriller-)Story stecken, die eh keinen interessiert? Ganz zu schweigen davon, dass man nicht merkt, dass irgendwas reingesteckt wurde? Und wieso der Küstenwechsel?

Man hätte die platte Story dank der obligatorischen Kurven, u.a. in Form von Kelly Rohrbach und Alexandra Daddario durchaus ignorieren können, aber nein, der Ehrgeiz der Filmemacher erstreckte sich auch darauf, alle Penis-Witze seit Anbeginn der Zeit in diesem Film unterzubringen. Einem 12jährigen Knaben mögen sie als der Gipfel der Komik erscheinen, aber der Rest dürfte sie – um es mal auf dem Niveau des Films zu sagen – ausgelutscht finden. Auch die Kotz-Witze dürften nur die intellektuell noch nicht vorbelasteten Knaben in Heiterkeit versetzen. Immerhin, es sind nur zwei.

Auch wenn das bisher alles nicht so prickelnd klingt, die 110 Minuten sind überraschend kurzweilig. Fremdschämen? Permanent. Langeweile? Nicht die Spur. Ist es überhaupt möglich, Dwayne Johnson nicht zu mögen? Er bringt das nötige Augenzwinkern zur Rolle mit und er bekam den einzig wirklich guten Running Gag von den Drehbuchautoren geschrieben. Zac Efron müht sich sichtlich, mit ihm mitzuhalten – aber neben dem lockeren Muskelberg Johnson wirkt er oft so verkrampft, dass man ihm eine Banane reichen will. Die blauen Augen dürfen aber blitzen, also kommen seine Fans auch auf ihre Kosten. Auf ihre Kosten kommen Baywatch Fans auch in Sachen Zeitlupe – davon gibt es einige und weil man sich in dieser Hinsicht nicht zu ernst nimmt, machen sie auch Spaß.

Brutal platt ist die Rolle von Jon Bass, der ganz offensichtlich den unsportlichen und nicht mit Efrons blauen Augen gesegneten Nerds im Publikum die Hoffnung geben soll, dass sie auch einen so gar nicht platten Feger wie Kelly Rohrbach abbekommen können. Man selbst sein und so. Natürlich. Womit wir bei den weiblichen Figuren wären. Da gibt es nicht viel zu sagen, denn die Baywatch Ladies sind zwar wohlgeformt und tragen verschiedene Versionen des roten Stück Stoffs, das hier als Arbeitsbekleidung durchgeht, aber sie sind austauschbar geschrieben. Bollywoodstar Priyanka Chopras Rolle als Bösewicht gibt immerhin etwas mehr her. Betonung auf etwas. Etwas besser hätten auch die Effekte sein können – andererseits passen sie irgendwie ins Gesamtbild. Man darf diesen Film halt einfach nicht ernst nehmen, denn er will gar nicht mehr als Sommer-Entertainment sein.

Fazit

Kurzweilig aber flacher als jedes Nichtschwimmerbecken. Dank Dwayne Johnson, den vielen Zeitlupen, dem Augenzwinkern und einem wirklich guten Running Gag ist Baywatch unterhaltsamer, als er es angesichts der platten, vorhersehbaren Story, den vielen Penis-Witzen und den uninteressanten Figuren sein dürfte. Pamela und David schauen übrigens auch kurz vorbei.

 

4.5
Flach

Pros

  • Selbstironisch
  • Kurzweilig
  • Der 'Boyband' Running Gag

Kontras

  • Flache, vorhersehbare Story
  • Best (Worst) of Penis Witze
  • Austauschbare Figuren

Unser Fazit


Handlung
4
Präsentation
5