Review: Shin Godzilla

Seit 1954 verbreitet Godzilla Angst und Schrecken, schert sich einen Dreck um Straßenführung und trampelt alles nieder was im Weg steht, gern auch mal eine Metropole. Jetzt kommt das japanische Kultmonster mit Shin Godzilla (シン・ゴジラ) nach Frankfurt zum Nippon Connection Filmfestival. Ein monströser Spaß oder gewaltige Katastrophe?

In der Bucht von Tokio taucht eine riesige, unbekannte Kreatur auf, die sich unaufhaltsam auf die Stadt zubewegt. Der japanische Premierminister beruhigt die Bevölkerung, die Kreatur sei zu schwer, um an Land gehen zu können. Was noch niemand ahnt: sie mutiert. Eine eilig zusammengestellte Task Force soll der überforderten Regierung und den Behörden Informationen und Ideen liefern. Dann mischen sich auch noch die USA ein und die Lösung des Problems lautet: Waffengewalt. Aber kann überhaupt etwas geringeres als eine Atombombe Godzilla stoppen?

Shin Godzilla war in seiner Heimat ein großer Erfolg, sowohl an den Kinokassen, als auch bei den Kritikern und Preisverleihungen. Die Reaktionen aus dem westlichen Ausland waren allerdings eher gemischt (der Metascore befindet sich aktuell bei 68%). Das mag unter anderem daran liegen, dass trotz seiner gewaltigen Ausmaße Godzilla nicht im Mittelpunkt des Films steht. Zwar löst sein Auftauchen die Ereignisse aus, ein Großteil der 118 Filmminuten dreht sich aber um das Verhalten und Vorgehen der Politiker, Behörden, Forscher und Spezialisten. Wie geht man mit einer völlig unerwarteten Katastrophe um? Shin Godzillas Antwort ist eindeutig von den Erlebnissen der Dreifachkatastrophe von 2011 (Fukushima Nuklearkatastrophe, Tōhoku-Erdbeben und Tsunami) inspiriert.

Was auf den ersten Blick wie ein rein japanisches Thema wirkt, hat eine universelle Qualität – rückgratlose Politiker, überforderte Behörden, Kompetenzgerangel, Unfähigkeit … wem ist das schon fremd? Shin Godzilla stellt sie allesamt bloß und wer bei so Szenen wie der, wo drei Experten ihren Senf zur Kreatur abgeben sollen und sie natürlich auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, nicht mindestens schmunzeln kann, der sollte vielleicht auf den nächsten Adam-Sandler-Film warten. Wer aber dazu noch Freude an B-Movie Effekten/Look hat, der sollte sich Shin Godzilla nicht entgehen lassen.

Natürlich sind nicht alle Figuren rückgratlos, karrieregeil oder schlichtweg dumm. Auch in Shin Godzilla gibt es Helden, nur halt der stilleren Sorte. Wer auf einen japanischen Bruce Willis, der im Alleingang die Welt rettet, hofft, der hofft hier vergebens. Die Guten und die zumindest nicht ganz so Guten müssen hier zusammenarbeiten, zum Wohl aller. Das mag für manchen Zuschauer ungewohnt sein, aber es hat auch seine eigene Dynamik. Erwähnenswert auch: die Regisseure Hideaki Anno (Evangelion) und Shinji Higuchi ersparen einem altklugen Gören und hilflose Schönheiten!

Shin Godzilla wird auf der Nippon Connection im Original mit Untertiteln gezeigt. Das zwingt einen zwar zum lesen, aber trägt viel zur Stimmung bei. Aufgrund des hohen Sprechtempos einiger Figuren sollten Japanisch-Anfänger jedoch nicht zu hohe Erwartungen in Sachen Hörverständnis haben. Apropos Hören, die musikalische Untermalung ist für Godzilla-Neulinge etwas gewöhnungsbedürftig. Fans sollten es jedoch retro und doch modern – und somit passend – finden. Fans dürfen sich auch auf viele Elemente und Referenzen an ältere Godzilla Filmen freuen.

Fazit

Für das Monster kommen, für die Bloßstellung der Amtsträger bleiben. Godzilla, das Monster, ist von gepflegter B-Movie Gestalt, aber der narrative Ansatz, der durchblitzende Humor und die bissige Gesellschaftskritik sind ausgesprochen gut. Die Kombination ist erstaunlich unterhaltsam.

Shin Godzilla (OmU) wird am Mittwoch, 24. Mai, um 14:30 Uhr im Mousonturm, Frankfurt, und am Donnerstag, 25. Mai, um 17:30 Uhr im Mal Seh’n Kino, Frankfurt, gezeigt. Der Film geht ca. 118 Minuten und hat die FSK 12 erhalten. Alle Infos, Trailer und Link zum Ticketverkauf gibt es hier.

 

7.5
Unterhaltsam

Pros

  • Interessanter Ansatz
  • Unterhaltsam
  • Keine unnötige Love Story / Kinder
  • Bissiger Humor

Kontras

  • B-Movie Look
  • Dialoglastig
  • Bisschen lang

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
7