Review: My Uncle

Wie jedes Jahr finden sich auch diesmal Komödien im Programm der Nippon Connection (23. – 28. Mai in Frankfurt am Main). Eine davon ist My Uncle (OT: Boku no ojisan, ぼくのおじさん) von Regisseur Nobuhiro Yamashita. Ein aufgeweckter Schuljunge und sein Loser Onkel – als Film ein Hit?

Yukio (Riku Ohnishi) muss für die Schule einen Aufsatz über eine interessante Person in seinem Leben schreiben. Aber alle sind so normal. Immerhin fällt sein Onkel (Ryuhei Matsuda) etwas aus dem Rahmen. Er ist Teilzeit-Dozent für Philosophie, Faulenzer und permanent pleite. Er liest Yukios Comics und klaut der Katze den Fisch vom Teller – was Yukio alles in seinen Aufsatz packt. Als sein Onkel sich in die bezaubernde Eri Inaba (Yoko Maki) verguckt, gibt es nur ein Problem: Eri zieht nach Hawaii, um dort die Kaffeeplantage ihrer Großmutter weiterzuführen. Aber wie ohne Geld nach Hawaii kommen? Und dann gibt es noch Shinsuke Aoki (Shigeyuki Totsugi), Eris Ex-Freund, der zwischen Familientradition und Liebe hin- und hergerissen ist.

My Uncle basiert auf dem gleichnamigen Roman von Morio Kita (*1927 †2011), dem renommierten japanischen Schriftsteller und Psychiater. Daher darf es nicht verwundern, dass der Humor eher der feinsinnigen Sorte ist. Hier wird meistens geschmunzelt statt laut losgelacht und das Niveau fällt nie Slapstick oder einem billigen Lacher zum Opfer. Dass das nie langweilig wird ist in erster Linie der wunderbaren Besetzung zu verdanken. Ryuhei Matsudas Darstellung des Onkels ist angehen zurückhaltend, wodurch er vermeidet ihn zur reinen Witzfigur zu machen. Er harmoniert großartig mit Riku Ohnishi, der als Yukio einfach liebenswert und als Erzähler köstlich trocken ist. Yoko Maki ist dazu bezaubernd und Shigeyuki Totsugi einnehmend in seinem Liebeskummer.

Regisseur Yamashita setzt die Nebenfiguren dazu wohldosiert ein. Die vorlaute kleine Schwester, die nörgelige Schwägerin, die verkupplungswütige Tante – alle sind etwas der lauteren Humorsorte und würden den Ton sehr verändern, hätten sie größere Rollen. Das mag mancher schade finden, aber es hätte einen sehr anderen Film abgegeben. Apropos Ton, das vielleicht gewöhnungsbedürftigste Element an diesem Film ist die Stille. Hier ist nicht nur der Humor leise – der Film ist es mangels musikalischer Untermalung auch. Das hat zwar stimmungsmäßig was, ist aber die Hölle für alle, deren Blutdruck beim Knacken von Popcorn und Auswickeln von Bonbons in die Höhe schießt.

Fazit:

Wer von einer Komödie laute Schenkelklopfer erwartet und dem eine marginale Annäherung an Niveau reicht, dem wird My Uncle komisch vorkommen. Wer hingegen gerne schmunzelt, der wird in den (etwas zu langen) 110 Minuten dank der wunderbaren Schauspieler viel Spaß haben.

Wann/Tickets: Wann genau My Uncle im Rahmen der Nippon Connection gezeigt wird, steht aktuell noch nicht fest. Das vollständige Programm und Tickets gibt es ab dem 29. April 2017 auf der Festival-Webseite.

7
Schmunzel

Pros

  • Gute Darsteller
  • Feine leisere Komik
  • Nett altmodisch

Kontras

  • Zu lang
  • Leise - keine Musik
  • Nichts zum laut lachen

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
7