Review: Raise your arms and twist

Einer der Schwerpunkte der diesjährigen Nippon Connection (23. – 28. Mai in Frankfurt am Main) ist das Genre Dokumentarfilm. Eines der Highlights davon ist Raise your arms and twist (道頓堀よ、泣かせてくれ!: Documentary of NMB48), eine Doku von Regisseur Atsushi Funahashi über die populäre Pop-Idol Gruppe NMB48 (gesprochen: “N.M.B. Forty-eight”). Ein Muss nur für J-Pop Fans?

Funahashis Dokumentationen Nuclear Nation und Nuclear Nation II, über die Auswirkungen von Fukushima auf die einst dort lebenden Menschen, wurden auf renommierten Festivals wie der Berlinale gezeigt. Wer vorhergesagt hätte, dass sich einer seiner nächsten Filme um singende und tanzende Idol Mädchen dreht, der hätte anschließend eine lukrative Karriere als Wahrsager einschlagen können. Aber so befremdlich, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es gar nicht. Das Idol-Geschäft ist nicht nur knallbunt, sondern auch knallhart. Der Regisseur zeigt das mit viel Feingefühl, ohne die Träume, Hoffnungen und Enttäuschungen der junger Mädchen und ihrer Fans auszubeuten.

Funahashi zeigt die aktuellen Stars der Truppe, die Nachwuchshoffnungen, und Mädchen wie Ayaka Okita, die innerhalb der Hierarchie nie aufgestiegen ist. Sie gibt dennoch die Hoffnung nicht auf, für die Senbatsu (eine Elitegruppe innerhalb der Idol Gruppe, die u.a. auf den Singles singen) ausgewählt zu werden. Funahashi macht sich nicht lustig über sie und stellt sie auch nicht bloß. Oft lässt er Bilder für sich sprechen und dadurch wirkt seine Gesellschaftskritik viel stärker. Genauso wie mit den jungen Frauen geht er mit den Fans um, die sich wegen der Handshake-Gutscheine, die zu einem 8 Sekunden (!) Treffen mit dem Idol ihrer Wahl berechtigen, die CDs der Band gleich mehrfach kaufen.

Für Raise your arms and twist muss man Sitzfleisch mitbringen, denn die Doku geht knapp zwei Stunden lang. Außerdem sollte man J-Pop entweder mögen oder zumindest ertragen können, denn der Film ist voller Musik. Das ist etwas, was Funahashi ebenfalls sehr gut gelungen ist. Egal ob Auftritte, Videoclips, Dreharbeiten – es fühlt sich nie forciert an. Mit einem Konzertausschnitt geht es auch los, bunt und laut, und dann Schnitt und plötzlich geht es in schwarz-weiß weiter, mit einem ungeschminkten Mädchen, das auf einem Boot Nietzsche vorliest. Was milde gesagt, ein etwas schräger und leicht irritierender Wechsel ist. Wer hier gleich in den Interpretationsmodus wechseln will: gemach, gemach – im Lauf der Doku folgt die Erklärung.

Gut zu wissen bevor man sich ins Kino setzt: die Untertitel sind auch mal links zu finden. Besonders in Szenen, wenn die Übersetzung von Songtexten unten mittig eingeblendet wird, finden sich links wichtige Infos, die man nicht verpassen sollte. Funahashi liefert außerdem genug Eckdaten, damit man sich recht fix im Idol Universum zurecht findet. Vorwissen ist also nicht nötig.

Fazit

Raise your hands and twist ist ein Muss für alle J-Pop / Pop-Idol Fans und eine lohnenswerte Doku für alle, die sich für japanische Popkultur interessieren. Atsushi Funahashis Film zeigt die harte Welt hinter der zuckersüßen Fassade. Das ist interessant, aufschlussreich, unterhaltsam und stellt dabei die Protagonisten und deren Fans nicht bloss. Nur japanische Girlband Popmusik muss man mögen oder zumindest ertragen können, ansonsten sind die zwei Stunden zu hart.

Wann/Tickets: Wann genau Raise your arms and twist im Rahmen der Nippon Connection gezeigt wird, steht aktuell noch nicht fest. Das vollständige Programm und Tickets gibt es ab dem 29. April 2017 auf der Festival-Webseite.

 

8
Idol-Doku

Pros

  • Beutet weder aus noch macht sich lustig
  • Interessant & unterhaltsam
  • Viel Musik
  • Umfangreich

Kontras

  • Zwei Stunden lang
  • Untertitel Mitte + Links irritieren anfangs

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8