Review: Boston

Eine Terroranschlag auf amerikanischem Boden + Mark Wahlberg + Originaltitel Patriots Day … wir sind auch schon mal mit mehr Enthusiasmus in ein Pressescreening gegangen. Aber wie heißt es so schön, kleine Sünden – oder wie in diesem Fall: Snobismus – bestraft der liebe Gott sofort. Hier unser überraschter Review zu Boston, der am 23. Februar in die Kinos kommt.

Boston, 15. April 2013 – Wie jedes Jahr zieht es tausende Läufer und Zuschauer aus aller Welt an die Strecke des beliebten Bostoner Marathons. Doch die Feierlichkeiten verstummen schlagartig, als zwei Sprengsätze an der Zielgeraden detonieren. Noch ist unklar, ob den Explosionen weitere folgen werden. Aber Police Sergeant Tommy Saunders (Mark Wahlberg) versucht einen klaren Kopf zu bewahren und die ersten Rettungseinsätze zu koordinieren – obwohl seine Frau Carol (Michelle Monaghan) beinahe selbst den Detonationen zum Opfer gefallen wäre. Für die Ermittler beginnt ein packender Wettlauf gegen die Zeit und eine der nervenaufreibendsten Großfahndungen in der Geschichte Amerikas nimmt ihren Lauf.

Das erste was an Boston überrascht, ist wie spannend der Film ist. Dabei ist der Anschlag gerade mal erst vier Jahre her und man kann sich noch gut daran erinnern. Regisseur Peter Berg (Deepwater Horizon), der auch am Drehbuch beteiligt war, erzählt die Geschichte als Mix aus Thriller und Katastrophenfilm. Die Spannung wird langsam und geschickt aufgebaut, man sieht wie sich Läufer, Polizeibeamte und Attentäter auf den Marathon vorbereiten. Man weiß zwar (so man sich erinnern kann) wo, wann und wieviele Bomben explodiert sind, aber als es soweit ist, ist es trotzdem schockierend und erwischt einen ziemlich kalt.

Der Held der Geschichte, der wahren und der fiktiven, ist die Stadt Boston. Was, bei aller Liebe, einen Filmemacher vor das Problem stellt: wie bringe ich die einzelnen Erzählstränge für das Publikum zusammen? Auftritt: Mark Wahlberg als Police Sergeant Tommy Saunders. Nächstes Problem: was tun, damit er nicht als Klischee eines amerikanischen Heldens, der mal wieder im Alleingang alles und jeden retten muss, rüberkommt? Lösung: ein wohldosierte Portion Selbstironie im genau richtigen Moment. Trotzdem muss man als Zuschauer schon etwas guten Willen mitbringen, um dem Drehbuch Saunders Rolle in den Ereignissen abzukaufen. Dass Wahlberg aber eine ausgezeichnete Besetzung in der Rolle ist, versteht sich eigentlich von selbst. Überhaupt ist der Film ganz ordentlich besetzt, J.K. Simmons ist eine Freude, Kevin Bacon und John Goodman sind wie gewohnt gut und Michelle Monaghan spielt die obligatorische Ehefrau von Saunders, was nicht viel verlangt. Am besten ist aber Alex Wolff als Dschochar Zarnajew. Nicht nur wegen der frappierenden Ähnlichkeit, sondern weil seine Darstellung etwas wirklich verstörendes hat.

Boston ist mit 133 Minuten nicht kurz, aber er hält das Spannungslevel aufrecht: vom Aufbau bis zum Anschlag, der Suche nach den Tätern samt Kompetenzgerangel der Beteiligten, die Verfolgungsjagd und dann zwischendurch Aufnahmen wie die des achtjährigen Todesopfers, das aufgrund der Spurensicherung nicht vom Tatort entfernt werden darf. Das sind harte Momente, aber sie sind notwendig, damit die wahre Tragödie nicht zum reinen Mittel für Spannung wird. Das kommt auch in den Aufnahmen rüber, wenn man fast komplett abgetrennte Gliedmaße sieht (FSK: ab 12 Jahren) – Berg hält die Kamera gerade so lange darauf, dass einem das Ausmaß klar wird, es aber nicht in Katastrophenporn umschlägt. Allerdings gibt es in Boston auch so Momente, wie den als der chinesische Jungunternehmer zur Polizei sagt “Get those motherfuckers!” – als wäre das hier eine Buddy-Cop-Comedy. Es mag nicht alles optimal in diesem Film gelöst sein, aber Berg geht mit der wahren Geschichte respektvoll um und schließt den Film mit den echten Beteiligten ab.

Fazit

Boston ist kein genialer Film, aber dafür spannend und gut gespielt. Es ist ein Katastophenfilm-Thriller, der trotz aller (sehr guten) Action und Spannung respektvoll mit der wahren Geschichte umgeht. Die Figur des Police Sergeant Tommy Saunders ist zwar merkbar konstruiert, aber funktioniert dank Wahlberg und einem Hauch Selbstironie gut. Kann man sich ansehen.

7.5
Spannend

Pros

  • Sehr spannend
  • Gute Besetzung
  • Action super umgesetzt
  • Nicht überpatriotisch

Kontras

  • Die Rolle von Saunders merkbar konstruiert
  • Gibt keine neuen Antworten
  • Solide aber nicht besonders für einen Katastrophenfilm

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
7