Review: Empörung

Am 16. Februar kommt mit Empörung (OT: Indignation) die Verfilmung von Philip Roths gefeiertem Roman von 2008 in die Kinos. 2016 wurde er bereits mit großem Erfolg beim Sundance Film Festival und der Berlinale gezeigt. Hat sich das Warten gelohnt oder ist es ein Fall von erst Festival, dann bei Gelegenheit auf arte?

Anfang der 50er Jahre: Der ehrgeizige und fleißige Marcus Messner (Logan Lerman) bekommt die Möglichkeit an einem College in Ohio zu studieren. Er ergreift die Chance, denn eine Zukunft in der koscheren Metzgerei seines Vaters ist ebenso wenig ansprechend, wie für den Koreakrieg eingezogen zu werden. Marcus will einfach nur in Frieden studieren, aber seine zugeteilten Zimmergenossen sind laut und er wird gezwungen am Gottesdienst teilnehmen, obwohl er die Existenz eines Gottes in Frage stellt. Seine Begegnung mit der verführerischen Olivia (Sarah Gadon) verstört ihn zutiefst, und die Konfrontation mit dem erzkonservativen Dekan Caudwell (Tracy Letts), mit dem er sich philosophische Rededuelle liefert, lässt ihn schließlich wider Willen zum Rebellen werden.

Empörung ist das Regiedebüt von James Schamus, dem Filmproduzenten und Drehbuchautor, der u.a. für seine Arbeit mit Ang Lee bei den Filmen Tiger and Dragon, Brokeback Mountain und Sinn und Sinnlichkeit bekannt ist. Wie Lees Filme ist auch Empörung schön verfilmt, die Bilder sind sorgfältig, aber nicht gekünstelt, zusammengestellt und das Zeitkolorit (Kostüme, Décor) ist eine Augenweide. Auch die Schauspieler überzeugen, gerade das große Rededuell zwischen Caudwell und Marcus, das knapp über eine Viertelstunde geht, ist das Highlight des Films. Das Problem: trotz all dem, und trotz der unterdrückten Gefühle, der herausbrechenden Emotionen – der Film lässt einen insgesamt ziemlich kalt.

Ist es eine würdige Adaption? Eine Frage, die hier nur mit Verweis auf die Besprechungen von Kritikern, die das Buch auch gelesen haben, beantwortet werden kann. Der Konsensus scheint zu sein: ja, nur einen Hauch zu zahm. Die Kritiken fielen entsprechend hoch aus. Man kann es verstehen, die Dialoge sind toll, die Symbolik – wenn Marcus seine Unschuld inmitten der Toten (Friedhof) verliert -, die Schauspieler und die teils theaterhafte Inszenierung ebenso, aber selbst wenn man das Risiko eingeht, als Kulturbanause abgestempelt zu werden: Empörung ist auch dröge. Vielleicht ist das aber auch nur ein anderes Wort für zahm, denn manchmal ist Schamus einfach zu übervorsichtig, zu bedacht darauf ernsthaft zu sein.

Was einen am Anfang vielleicht etwas irritiert, ist die Rahmenhandlung, aber sie zahlt sich am Ende aus, wenn man einen totalen oh-maaan-Moment hat, weil (ohne zu spoilern) etwas die ganze Zeit vor der Nase war, man es aber nicht gesehen hat. Gerade, wenn man gegen Ende der 111 Minuten etwas am gähnen ist, dann holt einen das nochmal raus. Außerdem lädt das Ende zum diskutieren ein, im positiven Sinn. Schade – oder besser: empörend – ist allerdings, wie leicht man den Film wieder vergessen kann.

Fazit

Empörung ist ein wirklich schön verfilmter und gut gespielter Film. Allerdings ist das Regiedebüt von James Schamus zu übervorsichtig, zu betont ernsthaft, um einen emotional wirklich tief zu berühren. Wer gern in kleine Arthouse Kinos geht, dem wird der Film sicherlich gut gefallen, für den Rest ist er kein absolutes Muss.

6
Gähn

Pros

  • Das Rededuell
  • Zeitkolorit
  • Rahmen
  • Schauspieler

Kontras

  • Zieht sich
  • Bleibt nicht hängen
  • Schwer mitzufühlen

Unser Fazit


Handlung
5
Präsentation
7