Review: Die irre Heldentour des Billy Lynn

Am 2. Februar kommt mit Die irre Heldentour des Billy Lynn (OT: Billy Lynn’s Long Halftime Walk) der neue Film von Regisseur Ang Lee (Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger, Tiger & Dragon) in die Kinos. Der erste Kinofilm, der in 4K und original 3D mit einer Ultra-High-Rate von 120 Bildern pro Sekunde gedreht wurde. Grund genug ihn sehen zu  müssen?

Nach einem traumatischen Gefecht im Irakkrieg werden der 19-jährige Soldat Billy Lynn (Joe Alwyn) und seine Kameraden als Helden gefeiert und auf eine landesweite Siegestour durch die USA geschickt. Doch nach und nach geraten die wahren Geschehnisse am Golf ans Licht und drohen während der spektakulären Halbzeit-Show eines Football-Spiels an Thanksgiving enthüllt zu werden. Die amerikanische Feier-Euphorie ist meilenweit von der Realität des Krieges entfernt …

Die Amerikaner lieben Heldengeschichten, aber nicht wenn sie einem einen so unvorteilhaften Spiegel vorhalten, wie in Ang Lees Film. Er feiert nämlich nicht die Heldentat eines Soldaten, sondern stellt diejenigen bloß, die das ohne echtes Interesse oder gar Mitgefühl tun. Dies ist kein Action-Film, sondern ein Drama. Ein Hit war Billy Lynn in den USA nicht. Das liegt allerdings nicht nur an der unbequemen Message. Dass Ang Lee Technik zum Vorteil der Geschichte einsetzen kann, hat er u.a. mit dem wirklich bildschönen 3D von Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger bewiesen. Das Problem mit Billy Lynn ist allerdings, dass viele Kinos einfach nicht die technische Ausstattung haben, um das neue Format entsprechend wiedergeben zu können. Das mit der Ultra-High-Rate gibt einem also in einem Durchschnittskino so gar nichts. In Kombination mit den Regieentscheidungen wirkt das Endprodukt sogar ein wenig wie eine TV Produktion.

Lee setzt in diesem Film sehr auf Close-Ups. Das ist nicht jedermanns Sache, allerdings liefert Joe Alwyn eine so starke Performance ab, dass man es Lee fast nicht übelnehmen kann. Man mag es kaum glauben, dass dies Alwyns erster Film ist – das Risiko einen völlig unbekannten Schauspieler in der Hauptrolle zu besetzen war es wert, denn egal was man vom Rest des Films hält, Alwyn ist sensationell. Weniger grandios war die Entscheidung Vin Diesel als Teil der emotionalen Schiene in diesem Film zu besetzen. Das Bild des Elefanten in der Porzellankiste drängt sich geradezu auf. Richtig gut ist dagegen Steve Martin als arroganter und menschlich kalter Besitzer eines Football Teams. Weniger gut angelegt ist dafür Chris Tuckers Rolle als Filmproduzent, sie ist so Klischee und hat einen Comedy-Faktor der tonal nicht sitzt.

Für alles was gelungen ist, gibt es etwas, das nicht so gut funktioniert. Deshalb wird Billy Lynn nicht jeden emotional packen. Wer generell ein Fan von Ang Lees Erzählweise ist, den wird dieser Film trotz – oder gerade – wegen seiner bedächtigen Erzählweise und Alwyns Performance sehr berühren. Wer es nicht so ist, für den wird Billy Lynn einfach nicht drastisch genug in seiner Kritik sein. Er liefert zwar einen Denkanstoß, aber man kann das Argument verstehen, dass dieser besser mit einem ordentlich Tritt initiiert worden wäre. So kam auch die Frage auf, ob der Film überhaupt etwas Neues zu dem Thema an den Tisch bringt. Der Ansatz ist sicherlich da, das Problem ist einfach, dass es viele Momente in dem Film gibt, die nicht wirkungsvoll genug funktionieren. Es hätte ihm sicherlich gut getan, wenn man bei den 113 Minuten ein wenig den Rotstift angesetzt hätte.

Fazit

Die irre Heldentour des Billy Lynn wurde von uns (Tim und mir) unterschiedlich aufgenommen. Dies ist kein typischer Kriegs-Action-Film, sondern ein Drama, dass sich bedächtig entfaltet. Ob er einen emotional kalt lässt oder mitnimmt, hängt sehr davon ab, ob man Ang Lees ruhige und Close-Up-lastige Erzählweise mag. Es sind allerdings auch viele Momente drin, die nicht funktionieren. Die neue Technik bringt zudem keinen Mehrwert. Aber: Joe Alwyn ist eine absolute Entdeckung.

 

6.5
Gemischte Gefühle

Pros

  • Joe Alwyn
  • Stellt den Umgang mit Helden bloß
  • Für Fans von Ang Lee

Kontras

  • Technik nutzlos ohne passendes Kino
  • Zu viele Close-Ups
  • Vin Diesel
  • Nichts Neues zum Thema

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
6