Review: Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen

Am 2. Februar kommt Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen, der für drei Oscars nominierte Film, in die Kinos. Preisverdächtig weil wahre Geschichte + Wettlauf ins All + farbige Heldinnen – Respekt? Oder einfach ein richtig guter Film?

Katherine Johnson (Taraji P. Henson), Dorothy Vaughn (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monáe) sind brillante Mathematikerinnen, aber Anfang der 60er Jahre hält man von weiblicher Intelligenz wenig. Dazu kommt, dass die drei afroamerikanische Frauen sind, was das Arbeitsleben auch nicht gerade erleichtert. Sie arbeiten zwar bei der NASA, aber selbst dort scheint man gar nicht daran interessiert zu sein, ihr Potential voll auszuschöpfen. Dabei befinden sich die USA gerade mit den Russen mitten im Wettlauf ins All. Aber Johnson, Vaughn und Jackson sind nicht nur genial, sie lieben auch, was sie tun und denken gar nicht daran, das für ein Leben als Hausfrau aufzugeben.

Im Mai 2016 wurde der neue Rechenkomplex des NASA Langley Research Centers in Hampton, Virginia auf den Namen Katherine G. Johnson getauft. Johnson (geb. 1918) war selbst anwesend. Es ist schwer vorstellbar, dass dieses fast 3.720m² große Gebäude nach einer Frau benannt wurde, die zwar u.a. die Flugbahn für Alan Shepard, dem ersten Amerikaner im All, berechnet hat, die aber nicht die Toiletten im Gebäude, in dem sie arbeitete, benutzen durfte. Eine Frau, der Astronaut John Glenn mehr vertraute als Computerberechnungen, die aber dafür kämpfen musste, alle Daten für ihre Berechnungen zu bekommen. Nicht jede Geschichte ist erzählenswert, aber diese ist es. Natürlich bietet sich eine Awards-orientierte, dramatische und deprimierende Erzählweise an. Zum Glück hat aber Regisseur Ted Melfi nicht auf Auszeichnungen geschielt, sondern einen humorvollen und unterhaltsamen, dabei spannenden und lehrreichen Film daraus gemacht. Oscar-Nominierungen (bester Film / bestes adaptiertes Drehbuch / beste Nebendarstellerin) gab es trotzdem.

Hidden Figures ist ein Biopic, das sich erstaunlich frisch und lebendig anfühlt. Vielleicht, weil Melfi die Geschichte auf eine feelgood Art und Weise erzählt. Wer erwartet denn bei so einem eigentlich ernsten Thema ein Augenzwinkern? Oder das der Film Intelligenz feiert ohne mildernde Umstände der Sorte: ja, ein Genie, aber privat so unglücklich? Melfi stellt nicht die Probleme, mit denen die Frauen tagtäglich zu kämpfen hatten, in den Vordergrund, sondern wie sie damit umgegangen sind und sie gemeistert haben. Damit zeigt er nicht nur Respekt für ihre Leistung, sondern schafft es, den Zuschauer für das Thema zu sensibilisieren, während er ihn gleichzeitig großartig unterhält. Apropos großartig, das Produktionsdesign ist eine Augenweide und macht den Film ohnehin zu einem Muss für alle Design-Nostalgiker.

Die Besetzung ist fast durch die Bank hinweg eine wahre Freude. Octavia Spencer erhielt zu Recht eine Oscar Nominierung, denn nicht nur ihre Szenen mit Kirsten Dunst sind großartig. Eine Nominierung für Taraji P. Henson blieb zwar aus, wäre aber ebenfalls verdient gewesen. Auch Janelle Monaé überzeugt als die erste farbige, weibliche Ingenieurin der NASA. Alle drei Frauen strahlen Intelligenz und Entschlossenheit aus und man hofft und fühlt sehr schnell mit ihnen. Da ist es fast ein bisschen unnötig, dass so viele private Momente mit in den 127 Minuten sind. Die sind nämlich lang nicht so spannend. Ein Schelm wer denkt, dass damit dem Publikum versichert werden soll, dass Frauen trotz beruflicher Erfüllung das wahre Glück erst durch den Ring am Finger finden. Andererseits sollte man es nicht überinterpretieren, sie waren nunmal glücklich verheiratet.

Neben Kirsten Dunst, spielen Kevin Costner, Jim Parsons und Olek Krupa die Vorgesetzten der drei Frauen. Sie spielen nicht die realen damaligen Vorgesetzten, sondern von diesen inspirierte Figuren. Es mag sein, dass sie deswegen gelegentlich ein bisschen wie konzentrierte Klischees wirken. Parsons ist sehr gut und Costner solide. Aldis Hodge und Mahershala Ali überzeugen als die Partner von Jackson und Johnson. Und Glen Powell ist ganz der strahlende Held, der John Glenn für die Amerikaner war.  Man könnte dem Film vorwerfen, dass die Nebenfiguren nicht voll ausgearbeitet sind – aber wozu auch, sie erfüllen genau ihren Zweck.

Fazit

Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen ist ein unterhaltsamer und spannender Film über drei Frauen, die maßgeblich am Erfolg der Amerikaner beim Wettlauf ins All beteiligt waren und mit ihrer Arbeit die NASA bis heute geprägt haben. Es ist ein Stück Geschichte, das es wert ist, entdeckt zu werden – gerade, weil es mit viel Charme, Humor und tollen Schauspielern erzählt wird. Freigegeben ist er ab 0 Jahren, also am besten die Töchter und Schwestern mit ins Kino nehmen. Es wird der Tag kommen, da wollen sie auch einen Mann zum Mond schießen, hier lernen sie, dass sie es können.

8.5
Unterhaltsam

Pros

  • Tolle Story
  • Tolle Darstellerinnen
  • Tolles Zeitkolorit

Kontras

  • Privatleben halb so interessant wie Rest

Unser Fazit


Handlung
9
Präsentation
8