Review: Split

Am 26. Januar kommt mit Split der neue Film von M.Night Shyamalan (The Sixth Sense, Unbroken, The Visit) in die Kinos. Bei Shyamalan ist man ja immer versucht, sich die Kritik zu schenken, denn wenn man eines genau weiß, dann dass egal was man schreibt, es Genöle geben wird. Shyamalan mag man oder eben  nicht. Wir widerstehen der Versuchung und bringen heute unseren Review – nicht, weil der Film gerade die US-Kinocharts erobert hat – sondern, weil Split einen verdient hat.

Kevin (James McAvoy) leidet unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung. In seinem Fall versuchen 23 Persönlichkeiten jeweils Kontrolle über sein Bewusstsein zu übernehmen. Eine davon entführt drei Mädchen. Während die hilflosen Mädchen verzweifelt nach einer Möglichkeit zur Flucht aus ihrem düsteren Verlies suchen, versucht eine 24. Persönlichkeit durchzubrechen – eine Grauen erregende Inkarnation des Bösen, die sich “die Bestie” nennt.

Shyamalan war schon immer am besten, wenn das Budget einen kreativen Umgang damit erforderte. Split wurde mit einem fast schon lächerlichen Budget von 10 Millionen US Dollar gedreht. Ein anderes Merkmal seiner besten Filme ist, dass sie sich um interessante Figuren in besonderen Situationen drehen – und alles mit einem Hauch des Paranormalen versehen. Auch hier kann man bei Split ein Häkchen dahinter setzen. Dann wäre da noch der für Shyamalan typische Twist. Der ist hier so nicht vorhanden (und nicht nötig) – es sei denn, man interpretiert Shyamalans freiwilligen Verzicht auf sein Markenzeichen als Twist.

In diesem Horror-Psycho-Thriller (Betonung auf Psycho & Thriller) wird die Spannung langsam aufgebaut und die Grundstimmung ist konstant unterschwellig bedrohlich. Es gibt drei Erzählstränge: die Mädchen mit Kevins diversen Persönlichkeiten, Kevin und seine Therapeutin (toll: Betty Buckley), und Flashbacks zu Caseys (Anja Taylor-Joy & Izzie Coffey als junge Casey) Kindheit. In allen dreien wird mit jeder weiteren Minute deutlich, dass alles noch viel gestörter ist, als man anfangs vermutete. Besonders die Flashbacks treffen einen schließlich in der Magengrube. Shyamalan erzählt langsam, hält sich für einen Horror-Thriller sehr zurück, verzichtet auf billige Schockmomente und trifft dafür den richtigen Ton.

Der Story muss man natürlich grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehen, sonst hat man sowieso keine Freude am Film. Aber wenn man es ist, dann wird man mit einer sensationellen schauspielerischen Leistung von James McAvoy belohnt. Alle Bemühungen von Regie, Musik (sehr stimmungsvoll), und Nebendarstellern wären umsonst, würde McAvoy das ganze Konstrukt nicht so glaubhaft verkaufen. Seine Kostümwechsel sind minimalistisch, aber mehr braucht es auch nicht, denn er schafft es mit Mimik und Körpersprache (vermutlich auch Aussprache, aber das kann man in der Synchro schlecht beurteilen) allein, die jeweilige Persönlichkeit zu verkörpern – egal ob Kind oder Hausfrau. Er ist ganz einfach erschreckend gut.

Es gab Kritik, dass Shyamalan die Mädchen fast unbekleidet durch den Film spielen lässt. Da er allerdings nicht wie so manch anderer Regisseur die Kamera zur visuellen Erbauung der männlichen Zuschauer draufhält, sondern es auch in der Story Sinn macht, sollte man dies nicht überbewerten. Was den Horror-Faktor (FSK: ab 16) angeht, so ist der hier meistens auf psychologischer Ebene angesiedelt und in den wenigen Momenten wenn nicht, können zartfühlige Zuschauer rechtzeitig genug wegsehen. Natürlich ist die Geschichte nicht perfekt durchdacht und mit Logiklöchern versehen, aber das Konzept ist interessant und spannend. Was die physischen Aspekte, gerade in Hinsicht auf die Bestie angeht, so muss man die gegebenen Erklärungen einfach mal im Rahmen des Films akzeptieren – es ist ja schließlich keine wissenschaftlich fundierte Doku.

Ein spoilerfreies Wort noch zum Ende. Die Bedeutung der letzten Sekunden vom Film erschließt sich nur denen, die einen der älteren Shyamalan Filme gesehen haben. Alle anderen sollten sich aber deswegen nicht den Kopf zerbrechen, denn fairerweise gibt es davor ein Ende für alle.

Fazit

Split ist ein old-school Shyamalan ohne Twist, aber dafür mit einem sensationell aufspielenden James McAvoy. Wer Shyamalan Filme liebt, darf diesen nicht verpassen. Wer an psychologischem Horror Spaß hat und dazu eine wirklich grandiose Schauspielleistung von James McAvoy sehen will, der kann sich auch ruhig eine Kinokarte kaufen.

8
Spannend

Pros

  • McAvoy ist brilliant
  • Spannend & stimmungsvoll
  • Ende für Fans
  • Psychologischer Horror

Kontras

  • Nichts für Happy End Fans
  • Logiklöcher
  • Man muss Prämisse akzeptieren
  • Kein reiner Horror für Horror-Fans

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8