Review: Manchester by the Sea

Am 19. Januar kommt das hochgelobte Drama Manchester by the Sea, für das Casey Affleck bereits den Golden Globe gewonnen hat, in die Kinos. Ist er mit einem aktuellen Metawert von 96% ein Film für alle?

© Universal Pictures

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Lee Chandler (Casey Affleck) ist ein schweigsamer Einzelgänger, der als Hausmeister in Boston arbeitet. Dann erhält er eines Tages einen Anruf, der sein Leben auf einen Schlag verändert. Sein Bruder Joe (Kyle Chandler) ist gestorben. Lee soll die Verantwortung für seinen 16-jährigen Neffen Patrick (Lucas Hedges) übernehmen und zurück nach Manchester-by-the-Sea ziehen. Eine Aufgabe, der er sich nicht gewachsen fühlt, denn eine Rückkehr bedeutet auch, sich der schmerzvollen Vergangenheit zu stellen.

© K Period Media

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Manchester by the Sea sind sehr ruhige, einen Tick zu lange, 138 Minuten, in denen viel ausgedrückt wird, gerade wenn nichts gesagt wird. Das funktioniert, weil das Drehbuch die Figuren exzellent zeichnet und das Ensemble um Casey Affleck herum dies auch sehr gut umsetzt. Affleck selbst liefert eine herausragende schauspielerische Leistung ab, die es wert ist, gesehen zu werden. Regisseur Kenneth Lonergan schafft es zudem, genau den richtigen Ton zu treffen. Seine Bilder sind nie aufdringlich, beuten die dramatischen Momente nicht sensationsgeil aus, und lassen dem Zuschauer genug Raum, um sich emotional nicht manipuliert zu fühlen. Auch die Auswahl des Drehortes, die Jahreszeit, alles trägt zu der Stimmung bei, die einen fühlen lässt, dass es da etwas gibt, dass noch viel schlimmer sein muss, als der plötzliche Tod von Joe.

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Auch wenn dieser Film kein sentimentales Heulfest ist, sollte man ein Taschentuch bereit halten, denn einige Szenen gehen unter die Haut. Das gilt sogar, wenn man schon früh ahnt, um was für eine Tragödie es sich in Lees Vergangenheit gehandelt haben muss. Es nimmt allerdings etwas die Luft raus, wenn man die Anzeichen richtig interpretiert und weiß, was da jetzt auf einen zukommt. Hier zeigt sich vielleicht auch das Problem von Manchester by the Sea: wo will der Film eigentlich hin? Natürlich ist dann immer noch alles schlimm, aber man ist nun mal Spannungsbögen gewohnt und hier bleibt er dann flach. Das passt schon, aber wer nicht gerne über Themen wie Verlust, Trauer und Verantwortung sinniert, dem kann der Film schon lang werden. Wer sich aber auf ihn einlässt, den belohnen die Schauspieler und das Drehbuch mit berührenden Antworten auf die Frage: Das Leben geht weiter, aber man selbst?

© K Period Media

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Fazit

Manchester by the Sea ist ein berührender Film über Verlust, Trauer und Verantwortung für alle, die es ruhig und nachdenklich mögen. Casey Afflecks Darstellung ist aber für jeden sehenswert.

FSK: ab 12 Jahren

8.5
Ruhig

Pros

  • Casey Affleck
  • Stimmung gut eingefangen
  • Verlust & Verantwortung nachdenklich umgesetzt

Kontras

  • Etwas zu lang
  • Fühlt sich etwas ziellos an

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
9