Review: The Great Wall

Mythische, mordende Monster im alten China, eine namenlose Streitmacht, ein gewaltiges Bauwerk, eine gewaltige Filmproduktion unter der Regie von Zhang Yimou (Hero, House of Flying Daggers) und Matt Damon mittendrin. Was bitte, soll einen davon abhalten, den 12. Januar für The Great Wall fett im Kalender zu markieren?

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Die Söldner William Garin (Matt Damon) und Tovar (Pedro Pascal) überleben einen Angriff eines Wüstenstamms und einen Hinterhalt durch eine unbekannte Kreatur, nur um bei der erneuten Flucht auf die Große Mauer zu stoßen und dort gefangen genommen zu werden. Der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein, denn die fünf Truppen des Namenlosen Ordens, dem Hüter der Großen Mauer, bereiten sich gerade auf den bevorstehenden Angriff eines schier übermächtigen Feindes vor: den Tao Tei. Als es zu einem verfrühten Angriff der Kreaturen, die ihre Opfer direkt verschlingen, kommt, zögert Garin, ein meisterhafter Bogenschütze, nicht. Mutig hilft er den Angriff abzuwehren, was ihm Dankbarkeit und Respekt einbringt. Während Tovar die Situation nutzen will, um Schwarzpulver zu stehlen und zu flüchten, bringt das Erlebnis und die Begegnung mit den heroischen Soldaten Garin zum nachdenken. Bevor die Tao Tei erneut angreifen, muss er eine Entscheidung treffen.

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Eins gleich vorweg: wer sich im Vorfeld künstlich und lautstark darüber aufgeregt hat, dass Matt Damon die Hauptrolle in einem Film an, um, und rund um die Große Mauer herum bekommen hat – statt ein asiatischer Superstar –  der darf sich direkt in die Ecke stellen und schämen. Wie hätte das denn ausgesehen, wenn, sagen wir Chow Yun-Fat (Tiger & Dragon), als europäischer Söldner an die Mauer gestolpert wäre? Und über Pedro Pascal regt sich keiner auf, weil man erst nachschlagen muss, wann die Spanier genau angefangen haben, den Rest der Welt mit ihrer Gegenwart zu beglücken? Natürlich spielt Damon hier einen Helden, aber so viel darf man Zhang Yimou schon zutrauen, dass er ihn China nicht im Alleingang retten lässt. Nicht, dass Damon es nicht könnte.

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Die Story ist ziemlich geradlinig und weil Matt Damon bekannterweise eine gute Haut ist, kann man sich zurücklehnen und sich auf das Wesentliche von The Great Wall konzentrieren: die Bilder. Wie man es von Zhang Yimou erwarten darf, ist auch sein neuester Film eine wahre Pracht und Freude fürs Auge. Mit Auge für große Bilder, Details und Farben kombiniert er die beindruckende Landschaft Chinas, hunderte von Statisten, das Talent von Kostümdesignerin Mayes Rubeo (Avatar) und von WETA Workshop (Der Herr der Ringe-Trilogie) für die Requisiten und Waffen. Egal ob Panorama-Aufnahmen, die Große Mauer im Nebel, tausende von in den Himmel aufsteigende Kong-Ming-Laternen, die leuchtenden Farben der fünf Truppen – The Great Wall ist einfach schön anzusehen. In 3D ist er sehr schön, verlangt aber ein Kino mit wirklich guter technischer Ausstattung.

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Auch die Action macht was her. Wenn die Trommeln die Kämpfer der fünf Truppen, darunter die rein weibliche Kranich-Truppe, die aus der Luft heraus die Tao Tei bekämpfen, oder die Bogenschützen, in den Kampf ruft, erwacht auch die Große Mauer zum Leben. Das sieht alles ziemlich cool aus und soll hier nicht gespoilert werden. Das Tempo der Action-Szenen ist gut getroffen und weil Zhang Yimou auch Bilder wie das vom Stapel blutverschmierter, leerer Halterungsringe, in denen noch einen Moment zuvor eine Kranich-Kämpferin steckte, einbaut, ist es eben nicht nur ein Metzelfest. Sehr schick sind auch Garins Fähigkeiten als Bogenschütze. Dafür hatte man den ungarischen Weltmeister Lajos Kassai engagiert, der Damon alte Schnellladetechniken beibrachte.

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The Great Wall könnte so ein grandioser, epischer Film sein, wären da nicht die Tao Tei. Was das VFX Team, bestehend aus Industrial Light & Magic Personal unter dem immerhin Oscar-nominierten Supervisor Phil Brennan, auf die Leinwand bringt, geht gar nicht. Als Konzeptzeichnung mögen sie funktionieren, aber wenn man beim ersten Blick auf einen Tao Tei anfängt zu lachen, dann war das wohl nix. Dabei ist die Idee hinter den Monstern, die es in der chinesischen Mythologie wirklich gibt, gruselig genug: sie sind die Fleisch gewordene Gier, die sich in ihrer Gier sogar selbst auffressen. Bäh. Eine gute Idee wäre es auch gewesen, sie nicht schon so früh im Film zu zeigen. Nun ja. Und dann noch dieser Massenansturm der Kreaturen auf die Mauer – wie Resteverwertung von World War Z. Vielleicht hätte man besser in Talente von WETA Digital investieren sollen.

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Wie zum Ausgleich für die Tao Tei erspart der Film einem eine schmalzige Liebesgeschichte. Stattdessen gibt es eine starke weibliche Figur mit Lin Mae (Tian Jing), die während der Geschichte von der Befehlshaberin der Kranich-Truppe zum General des gesamten Namenlosen Ordens aufsteigt. Natürlich hat sie eine besondere Beziehung zu Garin (nachdem Damon erstmal vom anfänglichen Gesichtsgestrüpp befreit ist, macht er ja auch was her), aber es dreht sich viel mehr um die unterschiedlichen Einstellungen und Auffassungen. Dass in einer chinesischen Geschichte die Opferbereitschaft eines Einzelnen zum Wohl des ganzen Volkes glorifiziert wird, sollte nicht überraschen. Hier funktionieren die westlichen Figuren natürlich als Kontrastpunkt. Wer sich darüber aufregen mag, bitte. Aber für einen Action-Film findet Zhang Yimou ziemlich den richtigen Ton.

 

Fazit

The Great Wall ist ein unterhaltsamer, bildgewaltiger Action-Film bei dem fast alles stimmt. Die Story ist gerade Story genug, die Action ist tempo- und einfallsreich, die Schauspieler sind toll, die Musik stimmungsvoll, das Produktionsdesign bildschön, die Regie einfallsreich – es könnte ein so epischer Film sein, hätten es die VFX-Künstler mit den Tao Tei nicht gewaltig vergeigt. Es wäre aber schade, sich diesen Film deswegen entgehen zu lassen.

Laufzeit: 103 Min. / FSK: ab 12 Jahren

7
Fast groß

Pros

  • Bildgewaltig
  • Super besetzt
  • Bildschönes Produktionsdesign
  • Stimmungsvolle Musik
  • Die Action

Kontras

  • Tao Tei sind albern
  • Der World War Z Massen-Effekt

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation ohne Tao Tei
7