Review: Bob, der Streuner

Kater Bob ist ein Megastar. Die Bücher über ihn und sein Herrchen James Bowen standen weltweit wochenlang an den Spitzen der Bestsellerlisten und wenn er zur Autogrammstunde bittet, stehen die Fans stundenlang Schlange. Jetzt kommt am 12. Januar die Geschichte von Bob und James in die Kinos. Kann Bob, der Streuner (OT: A Street Cat named Bob) auch die Kinocharts erobern?

© 2017 Concorde Filmverleih GmbH

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Das Letzte, was James (Luke Treadaway) gebrauchen kann, ist ein Haustier! Er schlägt sich von Tag zu Tag als Straßenmusiker durch, und sein mageres Einkommen reicht gerade, um sich selbst über Wasser zu halten. Und jetzt auch noch das: Als es eines Abends in seiner Wohnung scheppert, steht da nicht wie vermutet ein Einbrecher in der Küche, sondern ein roter ausgehungerter Kater. Obwohl knapp bei Kasse beschließt James, den aufgeweckten Kater aufzupäppeln, um ihn dann wieder seines Weges ziehen zu lassen. Doch Bob denkt gar nicht daran, sein neues Herrchen zu verlassen. Er folgt ihm auf Schritt und Tritt. Für James ist nichts mehr, wie es war. Bob und er werden unzertrennliche Freunde, und James findet dank Bob nach und nach den Weg zurück ins Leben.

© 2017 Concorde Filmverleih GmbH

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Bob, der Streuner basiert auf James Bowens autobiographischem Roman, erlaubt sich aber einige künstlerische Freiheiten, die dem Transfer auf die Leinwand und den 103 Filmminuten geschuldet sind. Das geht auch völlig in Ordnung, aber weil das Buch ein heißgeliebtes ist, muss man es einfach vorher erwähnen. Dafür spielt sich Bob in vielen Szenen selbst und das ist einfach eine ganz große Stärke des Films, denn dieser Kater hat eine bemerkenswerte Persönlichkeit und Präsenz. James Bowen wird von Luke Treadaway (Unbroken) gespielt, der das gut macht, dem es aber nicht ganz gelingt, die zutiefst dankbare und bescheidene Ausstrahlung Bowens zu transportieren.

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So herzerwärmend die wahre Geschichte ist, so schwierig ist es, sie familienfreundlich umzusetzen. Obdachlosigkeit, Gleichgültigkeit, Bedrohung, Drogenentzug – verharmlost man diese Aspekte, um eine möglichst niedrige Altersfreigabe zu erhalten, dann nimmt man auch der Geschichte einen Teil ihrer Bedeutung. Setzt man sie aber knallhart um, war es das mit dem Familienausflug ins Kino. Man holte sich also Regisseur Roger Spottiswoode um den Roman zu verfilmen. Schließlich hatte er schon Tom Hanks und eine Bordeaux-Dogge in Scott & Huutsch (1989) zu Erfolg geführt. Das Ergebnis hat jetzt das Prädikat besonders wertvoll erhalten, sowie eine FSK ab 12 Jahren. Natürlich wollen auch jüngere Bob-Fans mit ins Kino, hier sollten sich Eltern oder Begleitpersonen aber die Zeit nehmen, mit den Kindern über den Film und gerade die Entzugsszene zu sprechen. Die ist zwar entschärft, aber trotzdem immer noch sehr eindringlich.

© 2017 Concorde Filmverleih GmbH

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Bob, der Streuner ist ein recht konventioneller Film. Spottiswoode wirft zwar auch immer wieder Szenen aus der Perspektive von Bob ein, aber das Ganze wirkt ein bisschen nach Fernsehen. Das ist allerdings nicht sonderlich schlimm, weil das Zielpublikum gar keinen innovativen Film verlangt, einfach eine möglichst getreue Adaption des Bestsellers. Außerdem ist er herzerwärmend und anrührend. Es ist nur schade, dass ihm kein Film gelungen ist, der über das Zielpublikum hinaus als absolutes Must-See gefeiert werden muss, denn die Geschichte hätte es verdient. Einen Pluspunkt gibt es für Joanne Froggatt (Downton Abbey), die einen Kurzauftritt als Bowen’s Sozialarbeiterin hat, während Ruta Gedmintas (Die Tudors, Die Borgias) ein bisschen too much ist.

© 2017 Concorde Filmverleih GmbH Die Originale und der Schauspieler

© 2017 Concorde Filmverleih GmbH; Die Originale und der Schauspieler

Fazit

Bob, der Streuner ist ein herzerwärmendes und berührendes Must-See mit Bob für alle Bobites. Aber weil Regisseur Spottiswoode versucht es allen recht zu machen, ist es kein großartiger Film. Eine wundervolle Geschichte, eine relativ treue Adaptation, ein solider Treadaway, das Herz am rechten Fleck – aber es sieht halt auch ein bisschen nach TV-Produktion aus.

7
Für Bobites

Pros

  • Bob spielt sich selbst
  • Herzerwärmend / berührend
  • Für Fans

Kontras

  • Etwas wie TV-Film
  • Sehr konventionell
  • Gedmintas ist too much
  • Versucht allen zu gefallen

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
6