Review: Hell or High Water

Gefeiert in Cannes und in den USA schon längst für das Heimkino erhältlich, kommt der für 3 Golden Globes (Drehbuch, Drama, Nebendarsteller) nominierte Crime-Western Hell or High Water am 12. Januar hier in die Kinos. Was lange währt, wird endlich gut?

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Was nutzt es, wenn Öl auf dem Grundstück gefunden wurde, aber die hochverschuldete Farm in wenigen Tagen an die Bank zurückfällt? Die Brüder Toby (Chris Pine), rechtschaffen, geschieden, Vater zweier Söhne, und Tanner (Ben Foster), ein frisch entlassener Häftling, sehen nur noch einen Ausweg: das Geld für die Bank durch Banküberfälle aufzutreiben. Ihr Plan scheint aufzugehen, bis sie ins Visier des Texas Rangers Marcus Hamilton (Jeff Bridges) geraten, der kurz vor seinem Ruhestand steht. Bei ihrem letzten Bankraub läuft einiges schief und so kommt es zu einem alles entscheidenden Showdown.

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Das Drehbuch zu Hell or High Water stammt von Taylor Sheridan, der schon das exzellente Drehbuch zu Sicario lieferte. Mit diesem Film beweist er, dass Sicario kein einmaliger Musenkuss war. Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte einfach: auf der einen Seite der rechtschaffene Gesetzeshüter, auf der anderen Seite die Bankräuber. Man weiß ja, wie sowas im Wilden Westen bzw in Texas endet. Aber ganz so einfach lässt sich der Gaul dann doch nicht aufsatteln, denn der Zuschauer findet sich schnell auf Seiten der Brüder wieder und fühlt sich dabei moralisch sogar im grünen Bereich. Dann geschieht etwas, das den Zuschauer zwingt, seinen moralischen Kompass erneut auszurichten – aber kann der Zeiger überhaupt aus der Grauzone raus? Das Drehbuch ist dazu gespickt mit Sprüchen, die es wert sind zitiert zu werden. Der Humor ist schwarz und wird dosiert, aber effektiv eingesetzt. Genauso wie die Dialoge.

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Die Dialoge verlangen einem in der OV einiges an Hörverständnis ab, denn als wäre die Aussprache in Texas nicht schon schlimm genug, wird hier auch noch genuschelt, dass man sich wahlweise den Gehörgang mit einem Wattestäbchen säubern will oder sich fragt, ob Jeff Bridges sein Gebiss im Glas vergessen hat. Trotzdem, wer es sich zutraut, der sollte sich den Film im Originalton geben, denn es trägt enorm zur Stimmung des Films bei. Wie übrigens auch der grandiose Soundtrack von Nick Cave und  Warren Ellis. Die Stimmung wird natürlich auch stark von Regisseur David Mackenzie („Young Adam”, „Mauern der Gewalt”) bestimmt, der die Landschaft geschickt nutzt und starke Bilder findet, ohne sie mit Symbolik zu überfrachten. Außerdem inszeniert er den Film sehr spannend, was insofern eine Leistung ist, als dass die Geschichte einen relativ flachen Spannungsbogen hat. Dabei bleibt der Film stets ruhig, wem also nach schneller Action ist, der wird hier nicht fündig.

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Bleiben die Schauspieler: Hell or High Water ist bis in die Nebenrollen optimal besetzt. Pine und Foster sind ausgesprochen gut und überzeugend als das Brüderpaar, das keinen anderen Ausweg mehr sieht. Die Sorge mancher, Pine könnte für die Rolle zu gut aussehen, legt sich schnell. Gil Birmingham überzeugt ebenfalls als Hamiltons Partner. Großartig sind außerdem Margaret Bowman und Katy Mixon in zwei kleinen Nebenrollen als Kellnerinnen. Es ist aber der Film von Jeff Bridges, der zu recht für einen Golden Globe nominiert wurde. Er kann solche Rollen vermutlich im Schlaf spielen, aber hier wird nichts runtergenudelt, Bridges liefert eine Glanzvorstellung ab. Das Genuschel macht einen aber trotzdem wahnsinnig.

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Fazit

Hell or High Water ist eines der ersten Kino-Highlights von 2017. Intelligent geschrieben, toll gespielt, spannend inszeniert, und perfekt musikalisch untermalt: ein gelungener moderner Western. Hier fliegen zwar auch Kugeln, aber davon darf man sich nicht täuschen lassen, dieser Film ist ruhig und hat einen flachem Spannungsbogen. Solange man keine atemlose Action sucht, findet man hier trotzdem starke Unterhaltung.

9
Stark

Pros

  • Tolle Darsteller
  • Spannend
  • Stimmungsvoller Soundtrack
  • Großartiges Drehbuch

Kontras

  • Genuschel im O-Ton sehr schwer verständlich
  • Waffenbesitz kein Thema
  • Ruhige Inszenierung statt Action - muss man mögen

Unser Fazit


Handlung
9
Präsentation
9