Review: Nocturnal Animals

Am 22. Dezember ist der von vielen Kritikern hochgelobte Film von Tom Ford, Nocturnal Animals, angelaufen. Ein Film, dessen Eröffnungsszene in einer Kunstgalerie stattfindet. Und angesichts der adipösen Nackten beim Tanzen in Zeitlupe und Nahaufnahme darf man direkt mal fragen: Ist das Kunst oder kann das weg?

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Die Kunsthändlerin Susan Morrow (Amy Adams) führt in Los Angeles ein privilegiertes, aber unerfülltes Leben mit ihrem neuen Ehemann Hutton Morrow (Armie Hammer). Als dieser erneut zu einer seiner zahlreichen Geschäftsreisen aufbricht, erhält sie ein Manuskript mit dem Titel Nocturnal Animals, geschrieben von ihrem Ex-Ehemann Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal), mit dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. In der beigefügten Notiz fordert Edward sie auf, das Buch zu lesen.

Der Roman ist Susan gewidmet, doch sein Inhalt ist brutal und niederschmetternd. Edward erzählt darin die Geschichte von Tony Hastings (ebenfalls gespielt von Jake Gyllenhaal), der mit seiner Familie durch Texas fährt und dort eines Nachts von Ray Marcus (Aaron Taylor-Johnson) und dessen Gang von der Straße abgedrängt wird. Machtlos muss Tony dabei zusehen, wie seine Familie entführt wird und seine größten Ängste Wirklichkeit werden.

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Nocturnal Animals ist so ein Film, da muss man sich wirklich daran erinnern, dass man nicht einfach die innere Putzfrau rauskehren kann, um dieses bemühte Machwerk zu entsorgen, nur weil man ihn subjektiv für die Tonne fand. Dabei ist nicht alles schlecht. Zum einen ist die Grundidee eine interessante. Zum anderen liefert Jake Gyllenhaal mal wieder eine sehenswert intensive Leistung ab, der Mann kann ver-/gestört einfach gut. Das Tempo und die daraus entstehende Spannung der Romangeschichte im Film ist ebenfalls sehr gut. Klingt alles super? Aber würden die Kollegen aus dem Ressort Kunst & Kultur wegen solcher Dinge so begeistert ausrasten, wie ein Hund beim Anblick eines Dinosaurierknochens?

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Dieser Film ist auf eine Art und Weise verfilmt, die den Zuschauer unangenehm in die Rolle eines Voyeurs drängt – und das gilt nicht nur für die schwabbelige, textilbefreite Anfangssequenz. Wer aber wenig subtile Manipulation seitens des Regisseurs nicht mag, wird hier einen Hals bekommen. Und dann diese Symbolik auf dem Niveau eines Einführungskurses, so vielleicht in der zweiten Semesterwoche.  Die bemühte Provokation! Ist ein Mann auf der Toilette Feuilletonmaterial oder maximaler Ideenreichtum eines infantilen Knaben? Oder hat Ford gar einen Freudschen Ausrutscher hingelegt, vonwegen Kackfilm?

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Nocturnal Animals hat so manche harte Sequenz, die einem schon nah geht. Das ist allerdings fast immer der Leistung Gyllenhaals zu verdanken. Ford will einem die Gefühle aufzwingen, Gyllenhaal bringt sie in einem raus. Immerhin, Ford hat sich wahnsinnig viel Mühe mit den Übergängen zwischen den Erzählebenen gegeben. Wenn sie ihm gelungen sind, sind sie wirklich gelungen, aber es sind auch einige dabei, die jegliche Eleganz missen lassen. Die sterilen, inhaltslosen, aber komplett durchgestylten Bilder erinnern übrigens auch gern mal an teure Printwerbung. Das Problem: sie sind zumeist aus längst vergangenen Kollektionen Fords. Darunter leidet auch Amy Adams etwas, die gerade erst in Arrival brillierte. Ihre Szenen haben oft etwas von der Subtilität eines Hammers dank der allzu stark aufgetragene Symbolik ihrer Umgebung oder Bekleidung.

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Auch wenn viele Kritiker ihn abfeiern, auch wenn der Film viel Gesprächsstoff für prätentiöse Unterhaltungen bei Rotwein abgibt, und auch wenn die Grundidee & Gyllenhaal toll sind, wird unser Fazit so unverschnörkelt ausfallen, wie Tom Fords Mode:

Fazit

Das kann weg.

4.5
Zu gewollt

Pros

  • Jake Gyllenhaal
  • Story in der Story ist spannend mit gutem Tempo
  • Die Grundidee

Kontras

  • Symbolik für Anfänger
  • Betont voyeuristisch
  • Gewollte Kunst
  • Sie aus wie veraltete Printwerbung

Unser Fazit


Handlung
5
Präsentation
4