Review: Vaiana

Kommst du nicht zur Südsee, dann kommt die Südsee halt zu dir: ab 22. Dezember läuft Disneys neuester Film Vaiana (OT: Moana) im Kino. Blaues Meer, üppige Palmen, polynesische Klänge, ein eitler Halbgott, ein starkes Mädchen und ein idiotischer Gockel – das kann nur gut sein, oder?

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Vor Jahrtausenden durchsegelten die größten Seefahrer der Welt die unendlichen Weiten des Südpazifik, um die fantastische Inselwelt Ozeaniens zu erforschen. Dann aber stoppten diese Entdeckungsreisen aus geheimnisvollen Gründen – bis heute… Die furchtlose Vaiana, von Geburt an mit einer einzigartigen Verbindung zum riesigen Ozean gesegnet, möchte unbedingt ihrem Volk helfen, als plötzlich die Netze der Fischer leer bleiben und auch die Kokosnüsse verdorben sind. Mutig setzt sie die Segel und macht sich auf eine abenteuerliche Reise über das Meer auf der Suche nach dem Halbgott Maui. Mit dabei ihr Hahn Hei Hei, der selbst für ein Huhn extrem hirnlos ist.

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Es war längst überfällig, dass Disney die Südsee als Schauplatz für einen animierten Film auswählte. Es ist nicht so, als hätte man den Südpazifik bisher komplett ignoriert, schließlich gilt der Enchanted Tiki Room mit seinen singenden Vögeln in Disneyland, Anaheim, als Vergnügungspark-Klassiker, aber so ein Film ist halt noch einmal etwas anderes. Ganz so anders, mal abgesehen vom optischen Aspekt, ist Vaiana aber nicht. Disney wandelt auf sicheren Pfaden in Sachen Geschichte und was Vaiana angeht, in den Fußstapfen von neueren Heldinnen wie Rapunzel und der Eiskönigin. Das ist zwar nicht originell, aber gut, sympathisch und sehr schön für Kinder.

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Das Beste an Vaiana sind die Bilder in den üppigen Farben. Das Meer lockt einen geradezu und man möchte am liebsten sofort hin. Hier hat Disney volle Arbeit geleistet, genauso wie bei den Figuren, bei denen man eine gute Balance zwischen Exotik und Persönlichkeit gefunden hat, so dass es nicht aussieht, als hätte man sich halt einen Quotenfilm abgerungen. Ganz im Gegenteil. Wenn beispielsweise Vaianas Oma mit den Wellen tanzt, dann ist das ein organischer Teil des Films und nicht eine Unterhaltungsnummer für Touristen. Der Halbgott Maui (im Original von Dwayne Johnson gesprochen, ein wahrlich anderes Kaliber als Andreas Bourani) ist dazu grandios eitel und die Idee mit dem Tattoo als seinem Sidekick (ja, richtig gelesen) ist super umgesetzt. Vaianas Sidekick, der Gockel Hei Hei erinnert an Becky aus Finding Dory, denn er ist einfach grenzenlos blöd – und spielt dabei in seinen Szenen alle anderen an die Wand. Ein absolutes Highlight sind die fiesen Kakamora – die Vaiana und Maui auf dem Meer auflauern. So hat man Kokosnüsse auch noch nicht gesehen.

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Maui und Vaiana geben ein originelles Duo ab, nicht jeder Spruch ist zeitlos, aber insgesamt kann man sich nicht beschweren. Dass ein ungleiches Duo auch mal reicht und man nicht zwangsweise eine Liebesgeschichte braucht, beweist der Film auch. Wer Gesang in Disney Filmen liebt, bekommt hier Musik satt. Mitunter im doppelten Sinne, denn die Synchro ist nicht für jedermanns Ohren. Spätestens bei dem extrem überflüssigen “Glänzend” können einem die eigenen Ohren die Freundschaft aufkündigen. Diese Gesangsnummer und sein Interpret – eine juwelengeschmückte Krabbe von ausgesuchter Hässlichkeit – hätten enorm von einem Rotstift des Editors profitiert. Aber der ein oder andere wird sicherlich Spaß dran haben. Das mit der Synchro ist auch deswegen schade, weil die Melodien von Lin-Manuel Miranda (Hamilton) wirklich schön sind.

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Fazit

Disney kann auch Südsee! Vaiana bringt bildschön, humorvoll und mit Herz Südseeoptik ins Kino. Eine starke Heldin, ein Halbgott der kein Disney-Prinz ist, durchgeknallte Kokosnüsse und der dümmste Vogel seit Becky, unterhalten für 107 min. Wenn die Synchro der (vielen) Gesangsnummern und von Maui von besserer Qualität wäre, könnte man diesen Film vorbehaltlos empfehlen.

8
Sonnig

Pros

  • Südsee Feeling
  • Starke Heldin ohne Love Story
  • Hei Hei der Hahn
  • Kakamora

Kontras

  • Die Synchro der Gesangsnummern
  • Die 'Glänzend' Nummer
  • Wagt nichts neues
  • Andreas Bourani als Maui

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8