Review: Florence Foster Jenkins

Töne, dass es einem die Socken auszieht, Meryl Streep, Hugh Grant, Regisseur Stephen Frears und die Dekadenz der 40er Jahre: ab 24. November gibt es all das in einem Film im Kino: Florence Foster Jenkins. Gibt das die 20. Oscar Nominierung für Streep?

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“Die Leute sagen vielleicht, ich könnte nicht singen, aber niemand kann sagen, ich hätte nicht gesungen.”

Der Film erzählt die wahre Geschichte der legendären Erbin und exzentrischen Persönlichkeit Florence Foster Jenkins im New York der 40er-Jahre. Klassische Musik ist ihr Leben und ihr großer Traum ist es, eine umjubelte Opernsängerin zu sein. Das Problem: sie kann nicht singen. Das zweite Problem: sie hat so viel Geld, dass sie Plattenaufnahmen machen und Konzerte geben kann. Ihr Ehemann und Manager, St. Clair Bayfield, ein englischer Schauspieler von Adel, ist entschlossen, seine geliebte Florence vor der Wahrheit zu beschützen. Als Florence aber beschließt, ein öffentliches Konzert in der Carnegie Hall zu geben, muss sich St. Clair seiner größten Herausforderung stellen.

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Florence Foster Jenkins ist ein Geschenk von Film für alle, die Filme der etwas altmodischeren Art lieben. Langsamer geschnitten und ruhiger erzählt, ohne Zauber- oder Superheldenkräfte, aber mit starken Persönlichkeiten. Allen voran Meryl Streep als die gleichnamige Titelheldin. Das muss eigentlich die nächste Oscar Nominierung sein. Wie sie es schafft, Florence in all ihrer Absurdität zu spielen ohne ironischen Unterton oder sie gar der Lächerlichkeit bloßzustellen, ist nicht nur eine Meisterleistung, es ist auch höchst unterhaltsam. Bei ihren Bühnenauftritten oder den Proben weiß man gar nicht, ob man hin- oder wegsehen soll, so grandios fürchterlich sind ihre Auftritte. Ganz wunderbar ist hier auch Hugh Grant, nicht mehr ganz so jugendlich, aber er harmoniert erstaunlich gut mit Streep. Dank ihrer exzellenten Darstellungen gibt die etwas ungewöhnliche Beziehung dem Film das Herz, in dem die geistreiche Komödie verankert ist. Simon Helberg, den meisten als Howard Wolowitz aus The Big Bang Theory bekannt, ist zudem köstlich als Pianist Cosmé McMoon.

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Das Highlight des Films ist natürlich die Musik, sowohl Alexandre Desplats Filmmusik, wie auch die klassischen Gesangsnummern. Wer klassische Musik und Kostümfilme nicht mag, für den ist dieser Film natürlich nichts. Wer aber selbige liebt, bekommt für den Eintrittspreis genügend für Auge und Ohr. Wobei letzteres mitunter grausam ist, denn Florence Foster Jenkins traf die Töne immer ganz knapp nicht. Das ist, man sollte es kaum glauben, fast noch schlimmer, als wenn jemand einfach nicht singen kann. Aber sie schrammt immer haarscharf am richtigen Ton vorbei. Wer da ernst bleiben kann, der verfügt über eine gusseiserne Selbstbeherrschung. Bemerkenswert ist, dass Streep eine so liebenswerte Figur auf die Leinwand bringt, dass man sich nie böswillig über sie lustig macht. Man lacht über die Töne, nicht so sehr über diese exzentrische Frau. Am Ende erlaubt der Film auch einen Blick auf die große Tragik von Foster Jenkins Leben und wen Streep bis dahin noch nicht berührt hat, der dürfte spätestens dann Milde angesichts ihrer fanatischen Liebe zur Musik zeigen.

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Vielleicht kann man Regisseur Frears vorwerfen, nichts zu riskieren. Es ist eine dieser eleganten Komödien, wie man sie heute nur noch selten findet. Hier wird in den 111 Minuten nicht rumexperimentiert und es werden keine Metalevel eingebaut, damit er direkt in das Curriculum des Studiengangs der Filmwissenschaften aufgenommen wird. Dieser Film ist ungeniert für ein Publikum gemacht, das Kostüme, gute Schauspieler und klassische Musik schätzt. Das Hugh Grant gern im Smoking sieht. Und warum auch nicht?

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Fazit

Florence Foster Jenkins trifft jeden Ton. Der Film, nicht die Frau. Eine hinreißend komische, sehr berührende und extrem unterhaltende, elegante Komödie für ein etwas älteres Publikum. Meryl Streep ist grandios, Grant charmant, das Décor und die Kostüme überwältigend, und die Gesangseinlagen unvergleichlich grausam.

8
Charmant

Pros

  • Grandiose Streep
  • Unterhaltsam & charmant
  • Witzig & anrührend
  • Décor & Kostüme

Kontras

  • Riskiert nichts
  • Eher für älteres Publikum
  • Ist unkritisch

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8