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Drohnen: Hochauflösende 3D-Karten von Erdbebengebieten ermöglichen Prävention

Naturkatastrophen wie das Erdbeben in Italien Sommer 2016 lassen sich selten verhindern. Es gibt jedoch Möglichkeiten, aus den Schäden zu lernen. Hier gibt es jedoch einen Interessenkonflikt zwischen Anwohnern, die möglichst schnell zum Alltag zurückkehren wollen und Forschern, die das Katastrophengebiet detailliert untersuchen wollen. Mit einer Drohne, die 3D-Karten der Schäden aufnehmen kann, lässt sich dieses Dilemma lösen.

Im Spätsommer 2016 erschütterte eine schweres Erdbeben die Region Accumoli in Italien schwer. Die Schäden an den einfach gebauten Häusern waren immens, mehrere Dörfer wurden unbewohnbar. Wie in solchen Fällen üblich, wurde das GEER-Team – GEER steht für Geotechnical Extreme Events Reconnaissance – losgeschickt, um die Schäden zur weiteren Forschung zu dokumentieren. Denn aus der Verwüstung durch Erdbeben und Schlammlawinen lassen sich Maßnahmen ableiten, die in Zukunft die Schäden bei ähnlichen Katastrophen erheblich mindern können.

So weit, so normal. Problematisch bei der Dokumentation des Erdbebengebiets ist: Es dauert seine Zeit. Zeit, die die Anwohner lieber in den Wiederaufbau ihrer Dorfgemeinde stecken würden, damit möglichst bald wieder ein Gefühl von Alltag herrscht. Bisher liefen solche Missionen des GEERs deswegen immer parallel zum Wiederaufbau ab, sodass ein Großteil der Schäden gar nicht gesichtet werden konnte. Die Dokumentation war daher unvollständig und bisher fehlten Möglichkeiten, dieses Dilemma effektiv zu lösen, ohne den Anwohnern lange Wartezeiten aufzubürden.

Diesmal hatte das GEER-Team jedoch die Unterstützung der Brigham Young University (USA). Gemeinsam wurde eine Technologie entwickelt, die das Erdbebengebiet vor dem Wiederaufbau als interaktive 3D-Karte kartografiert. Zu Hilfe kam hier eine einfache Kameradrohne, die akribisch genau über das Gebiet flog und im Laufe seiner Mission mehr als 50 Gigabyte an hochauflösenden Bildern machte. Nach dem Einsatz wurde dann in den USA daraus eine frei dreh- und zoombare Karte erstellt, mit der die Forscher jetzt von Zuhause aus auf wenige Meter genau die Schäden begutachten können, ohne den Wiederaufbau zu verzögern. Dies ersetzt natürlich keineswegs die manuelle Dokumentation vor Ort, ist aber das beste Werkzeug, um ein detailliertes Standbild der Region zu bekommen.

Diese Karte hat die Brigham Young University zwischenzeitlich Online zur Verfügung gestellt. Hier hofft das Team auf die Unterstützung durch andere Forscher und die Crowd, um in Zukunft Wege zur Schadenprävention zu finden. Aber auch für den interessierten Tech-Nerd zu Hause bietet die Karte Material. Erschwingliche Gadgets wie eine Kamera-Drone sind mehr als Spielerei, sondern verändern die Art und Weise, wie wir mit unserer Umwelt interagieren – und in diesem Fall helfen sie sogar, Menschenleben zu retten.

[via Gizmodo.com, Brigham Young University]