BD Review: Stolz und Vorurteil & Zombies

“Es ist eine allseits anerkannte Wahrheit, dass ein Zombie, der einmal menschliches Gehirn gekostet hat, nach noch mehr Hirn verlangt.” Kann man schon verstehen, ein bisschen mehr Hirn hat ja noch nie geschadet. Aber wie sind Zombies nur mit Jane Austen und ihrem Klassiker Stolz & Vorurteil (1813) vereinbar? Sollte man sich dem drohenden Kopfschmerz hingeben oder lieber der Verfilmung von Seth Grahame-Smiths Bestseller eine Chance geben? Und ist der Anteil an Austen hoch genug, dass der Heimkino-Abend unter Bildung fällt? SquareOne Entertainment / Universum Film waren so freundlich, uns vorab ein Rezensionsexemplar zu überlassen. Vor dem Heimkinostart von Stolz und Vorurteil & Zombies am 28. Oktober sind wir diesen Fragen nachgegangen.

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Film

England, 1811: Das Land wird von einer neuen Zombie-Welle überrannt. Für Mrs. Bennet besteht jedoch das größere Problem darin, ihre fünf heiratsfähigen Töchter unter die Haube zu bringen. Eine davon ist Liz (Lily James), die wie der Rest ihrer Schwestern den Umgang mit Waffen gekonnt beherrscht. Das Schwert gegen einen Ehering eintauschen? Niemals! Neben den Zombies besteht ihre größte Herausforderung allerdings darin, der seltsamen Anziehung zu dem hochmütigen Mr. Darcy (Sam Riley) zu widerstehen, besonders nachdem er sie als lediglich “ganz passabel” abgetan hat. Aber weder Vorurteile noch Zombies können wahrer Liebe im Weg stehen, oder etwa doch?

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Stolz & Vorurteil wurde bereits einige Male verfilmt. Die BBC Fernsehserie von 1995, mit Colin Firth als Mr. Darcy, und Joe Wrights Verfilmung von 2005, mit Keira Knightley als Elizabeth Bennet, gelten als besonders gelungen. Nun also mit Zombies. Kann man ja mal machen, Literaturklassiker neuem Publikum näher bringen und so. Zumal sich der gleichnamige Roman von Seth Grahame-Smith gut verkaufte und man eine respektable Besetzung zusammenbekam. Lily James muss sich vor Keira Knightley nicht verstecken; Sam Riley ist zwar mehr emo als dreamy (liegt aber auch am Outfit), aber dafür ausreichend eingebildet; Douglas Booth und Bella Heathcote (Bingley & Jane) sind hübsch ohne nennenswertes Hirn; Matt Smith (Mr. Collins) ist angemessen peinlich, und Lena Headey gibt als Lady Catherine einen ordentlichen Besen ab.

Bei einer Laufzeit von 108 Minuten und zusätzlicher Zombies, fallen natürlich einige Charaktere in Sachen Ausarbeitung ab. Wer Austens Roman nicht kennt, ist hier eindeutig im Vorteil. Sally Phillips enttäuscht als Mrs. Bennet, aber das liegt nicht nur an ihrer Darstellung, sondern am Drehbuch, dass auch verpasst, die Bedeutung von Lydias und Charlottes Geschichte wirklich zu verdeutlichen. Immerhin, der scharfzüngige Humor Austens wird schön in Szene gesetzt. Dank James & Riley funktioniert auch die Sache mit dem Stolz, den Vorurteilen und der Romantik.

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Nachdem Handlung und Figuren Platz für Zombies machen mussten, könnte man Gemetzel und Untote vom Feinsten erwarten. Könnte. Das Problem ist, dass diese wenig Schrecken verbreiteten. Als der Film losgeht, plagen sie das Land schon lange und unsere Heldinnen zucken schon kaum mehr mit der Wimper, wenn es darum geht, eine Steigerungsform von tot zu finden.  Der Film ist zwar ab 16 Jahren freigegeben, aber mit taktisch klugem Augen schließen (Köpfe werden halt schon weggepustet) können selbst zarte Seelen Spaß am Film haben. Das ist gar kein schlechter Tipp, denn die Szenen mit den Untoten lassen es trotz Action an … Leben missen. Das ganze Geschwätz von Wickham und den Reitern der Apokalypse ist auch keine Offenbarung, aber immerhin ist es gelungen, ein bisschen der Gesellschaftskritik und moralische Fragen einzubauen. Teils sogar recht humorvoll.

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Bild & Ton

Das Bildformat liegt in 2,40:1 (1080p/24) vor. Die Farben sind, wenn die Handlung nicht gerade im von magerem Kerzenlicht erleuchteten Dunkeln spielt, schön klar und je nach Situation kalt, warm oder leuchtend. Es gibt aber durchaus eine ganze Anzahl an Szenen, die anstrengend dunkel sind.

Die Blu-ray kommt mit deutscher und englischer Tonspur, die in DTS-HD  5.1 MA vorliegt. Hier gibt wenig zu monieren, die Stimmen sind klar und deutlich zu verstehen, dazu klingen die Klingen messerscharf, das Blut spritzt blubbernd und das Bua-Huah-Blargh-Gegrunze kommt auch gut rüber. Es nervt nur, dass die musikalische Untermalung manchmal arg laut loslegt, so als wolle sie dem Ganzen mit Gewalt Leben einhauchen und auch die Nachbarn wissen lassen, dass man seinen Abend vor dem Fernseher verbringt.

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Extras

Bei den Extras findet sich wie üblich unnützes Zeug (Trailer zu eher weniger guten Filmen), zu kurze verpatzte Szenen, mehr oder weniger interessante Featurettes und entfallene Szenen. Bei letzteren sind einige wirklich schöne für Austen Fans dabei, dafür gibt es ein fettes Plus. Bei den Featurettes gibt es u.a. das kurze, aber interessante “Creating the Unmentionables” über den Look der Untoten, “The Badass Bennet Sisters”, über die Action, und das vielversprechend klingende, aber eher schwache “Courtship, Class and Carnage”.

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Fazit

Stolz und Vorurteil & Zombies ist unterhaltsam und ideal für einen Abend, an dem man sein Hirn nicht überstrapazieren will. Ein bisschen Kostümdrama, nicht zu schnelle Action, Romantik und Humor. Machbar für Zombie-Einsteiger, aber weniger ideal, wenn man Untote der brutaleren Sorte sucht. Die Blu-ray kommt in gutem Ton und Bild, und die entfallenen Szenen lohnen sich für alle Elizabeth & Darcy Fans. Nicht Bildungsgut, bisschen schwach, aber mal was anderes.


Stolz und Vorurteil & Zombies [Blu-ray] () Publisher: Universum Film GmbH Erscheinungsdatum: 28. October 2016 EUR 6,99 bei Amazon.de (Partnerlink)


6.3
Unterhaltsam

Pros

  • Unterhaltsam
  • Blu-ray Qualität
  • Entfallene Szenen

Kontras

  • Schwacher Film
  • Zu wenig/viel Zombies
  • Extras so-so

Unser Fazit


Film
6
Technik
7
Extras
6